03. August 2009 14:11

Übernahme-Poker 

Opel: Die Konzepte der Bieter

Noch zwei Interessenten sind im Übernahmekampf um Opel übrig geblieben, der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna und der belgische Finanzinvestor RHJ. oe24.at stellt die unterschiedlichen Konzepte vor.

Opel: Die Konzepte der Bieter
© Reuters

Magna: Der vom Österreicher Frank Stronach gegründete kanadische Automobilzulieferer ist mit der russischen Sberbank und dem russischen Autohersteller GAZ im Bunde. Das Konsortium will 55 Prozent an Opel übernehmen, wobei Magna und Sberbank jeweils 27,5 Prozent der Anteile erhalten sollen. GAZ könnte später die Anteile der Sberbank übernehmen. Das Konsortium wird offenbar von der russischen Regierung unterstützt. 10 Prozent sind für die Opel-Mitarbeiter vorgesehen.

Magna will bei Opel nach einem am 17. Juli vorgelegten Businessplan europaweit 10.560 Stellen abbauen, davon 8.970 Jobs in der Produktion. In den deutschen Opel-Werken sollen 3.045 Jobs gestrichen werden. Dazu kämen voraussichtlich weitere Stellen in Verwaltung und Vertrieb. Magna will das belgische Opel-Werk in Antwerpen 2010 schließen. Das Werk im englischen Luton würde 2013 dicht gemacht. Weitere 264 Mio. Euro sollen beim verbleibenden Personal eingespart werden, unter anderem durch Einschnitte beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

4,5 Mrd. Staatsbürgschaften und 500 Mio. Eigenkapital
Das Magna-Konsortium setzt auf 4,5 Mrd. Euro Staatsbürgschaften und will selbst 500 Mio. Euro Eigenkapital einbringen. Magna und seine Verbündeten setzen vor allem auf eine Eroberung des russischen Marktes, wo in den nächsten Jahren mit erheblichen Zuwachsraten beim Autoabsatz gerechnet wird. Darüber hinaus soll aber auch die Kooperation mit dem früheren Opel-Alleineigner General Motors fortgesetzt werden. GM soll nach den Magna-Plänen 35 Prozent an Opel auch künftig halten.

RHJ: Der belgische Finanzinvestor ist bisher an verschiedenen Zulieferern beteiligt. Die Übernahme der Anteilsmehrheit an Opel wäre der bisher größte Coup des erst 2004 gegründeten Unternehmens. RHJ bräuchte dazu nach eigenen Berechnungen 3,8 Mrd. Euro Staatshilfe. Selbst will das Unternehmen 275 Mio. Euro Kapital einbringen. Die Opel-Arbeitnehmer sollen mit 10 Prozent an einem künftigen europäischen Opel-Konzern beteiligt werden, müssten dazu aber auf bis zu 300 Mio. Euro Einkommen pro Jahr verzichten.

Der Finanzinvestor will nach einem am 15. Juli vorgelegten Plan europaweit rund 9.900 Stellen abbauen, davon schätzungsweise die Hälfte in Deutschland. Das Eisenacher Opel-Werk will RHJ zwei Jahre lang schließen. Im Gegensatz zu Magna setzt RHJ auf eine Fortsetzung der engen Kooperation zwischen Opel und General Motors. Das Management von Opel soll in gemeinsamer Abstimmung beider Unternehmen bestimmt werden. Kritiker vermuten daher, dass RHJ Opel nach erfolgreicher Sanierung an GM zurück verkaufen will.




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