14. November 2008 15:19

Springt Staat ein? 

Opel fehlen zwei Milliarden Euro

Dem deutschen Automobilkonzern Opel fehlen zwei Milliarden Euro, die das US-Mutterhaus General Motors (GM) nicht überweisen kann.

Opel fehlen zwei Milliarden Euro
© APA

Das berichtete das Nachrichtenmagazin "Focus" am Samstag im Voraus aus seiner neuen Ausgabe. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) bestätigte am Rande des Weltfinanzgipfels in Washington Berichte, wonach es am Dienstag ein Spitzentreffen geben werde. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers stellte der gesamten Autoindustrie Hilfen in Aussicht. "Wir müssen der deutschen Autoindustrie helfen", sagte er der "Bild am Sonntag".

Kommt Deutsche Staatsbürgschaft?
Auf dem Opel-Krisengipfel im Berliner Finanzministerium wollen Bund und Länder laut "Focus" über eine Staatsbürgschaft entscheiden. Der Bund solle eine Milliarde übernehmen, die Länder teilten sich eine weitere Milliarde nach einem Arbeitsplatz-Schlüssel, berichtete das Magazin unter Berufung auf Regierungskreise. Demnach soll Hessen 500 Millionen Euro und Nordrhein-Westfalen 250 Millionen Euro übernehmen. Rheinland-Pfalz und Thüringen übernehmen dem Bericht zufolge 150 Millionen beziehungsweise 100 Millionen Euro. Opel hatte Bund und Länder am Freitag um Bürgschaften gebeten. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck sprach gegenüber dem ZDF von insgesamt einer Milliarde Euro Kapitalbedarf für Opel.

Steinbrück bestätigte das Treffen, zeigte sich aber zugleich verärgert über sein Bekanntwerden. Es gebe nämlich noch eine ganze Reihe von Problemen, zum Beispiel beihilferechtlicher Art, sagte der Minister. Laut "Focus" stellen Bund und Länder Bedingungen für einen Risikoschirm zugunsten des Autokonzerns. Demnach fordern Steinbrück und die Ministerpräsidenten von Opel für die Finanzhilfe eine Absicherung nach dem US-Insolvenzrecht - die Verbindungen zwischen GM und Opel sollen gekappt werden, damit ein Konkurs der US-Mutter die deutsche Tochter nicht mit in den Abgrund reißt - sowie eine zusätzliche Absicherung durch "nationale Gegenwerte".

Merkel lädt zum Krisengipfel
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Spitzen des Autokonzerns Opel für Montag zu einem Krisengipfel eingeladen. Man werde sich "Schritt für Schritt mit der Situation vertraut machen und nach Lösungsmöglichkeiten suchen", sagte Merkel am Samstag am Rande des G-20-Gipfels in Washington. An dem Treffen sollen der Europachef, der Deutschland-Chef und der Betriebsratschef von Opel teilnehmen.

25.000 Arbeitsplätze gefährdet
Ohne staatliche Hilfe wäre laut "Focus" die Produktion bei Opel und damit 25.000 Arbeitsplätze gefährdet. GM ist auch in Österreich stark vertreten. Das Motoren- und Getriebewerk in Wien-Aspern beschäftigt 2.100 Mitarbeiter. Nach Angaben der "GM Powertrain Austria" fährt jeder zweite Opel mit einem Getriebe aus dem Wiener Werk und jeder dritte mit einem dort hergestellten Motor.

Opel-Chef Hans Demant betonte, man sorge mit der Bitte um Bürgschaften nur für den "theoretischen Fall" eines Versiegens der Finanzströme aus den USA vor. Der Mutterkonzern GM hatte kürzlich nach Milliardenverlusten und Absatzeinbrüchen vor einer möglichen Insolvenz gewarnt. Derzeit habe Opel "kein Liquiditätsproblem", betonte Demant. Allerdings berichtete die "Financial Times" am Freitag bereits von aktuellen Problemen. So sollen sich Versicherer weigern, Geschäfte von General Motors und Ford mit deren Zulieferern abzudecken.

Weitere Hilfen für die Autobranche
Bürgschaften für Opel seien ein erster Schritt, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Rüttgers der "Bild am Sonntag". Er stellte der deutschen Autobranche zudem weitere Hilfen in Aussicht. Rüttgers reagierte damit auf Berichte, dass bei Daimler Benz Kurzarbeit und bei anderen Herstellern Zwangsurlaub droht. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier will sich laut "Focus" am Montagabend mit den Gesamtbetriebsräten der deutschen Automobil-Hersteller in Berlin treffen, um Hilfsmöglichkeiten auszuloten.

100.000 Jobs für 2009 gefährdet
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sagte der "Nordwest-Zeitung", dass in der deutschen Autoindustrie schon im nächsten Jahr 100.000 Jobs verloren gehen könnten. Die Krise werde noch zwei Jahre dauern. Danach werden jene Hersteller "die Nase vorn" haben, die in neue Modell mit Spritspartechnologie investiert hätten. "Sie dürfen jetzt in der Krise nicht sparen, sondern müssen in ihre Flotte investieren", so der Experte. Eine solche Krise könne für die deutsche Industrie auch die Chance sein, Marktanteile zu gewinnen.




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