12. September 2007 09:05

BAWAG-Prozess 

"Pinkel-Stopp" für Elsners Hund

Skurrile Debatte um eine Zwischenlandung auf den Azoren. Die OeNB entdeckte 2006 Ungereimtheiten bei der BAWAG.

"Pinkel-Stopp" für Elsners Hund
© APA

Beim heutigen 25. Verhandlungstag im BAWAG-Prozess hat Bankenprüfer Helmut Ettl von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) die Probleme bei einer Prüfung der BAWAG im Frühjahr 2006 geschildert. Auslöser dieser Prüfung sei ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg über Verbindungen von Refco-Geschäften mit der BAWAG gewesen. Daraufhin habe die OeNB mit der FMA eine Vor-Ort-Prüfung bei der BAWAG in die Wege geleitet.

Pinkel-Stopp für Elsners Hund
Doch bevor Ettl loslegen konnte dominierte ein skurriler Disput zischen Investmentbanker Wolfgang Flöttl und Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner die Verhandlung. Laut Flöttl wünschte Elsner auf der Rückreise von einem gemeinsamen Urlaub in der Karibik eine Zwischenlandung auf den Azoren, weil Elsners Hund Monti seine Notdurft verrichten musste. Zu diesem Stopp sei es 1999 gekommen. Elsner bestritt diese Darstellung, sein Hund habe einen Transatlantik-Flug "durchaus ausgehalten", im übrigen habe der fragliche Flug seiner Meinung nach bereits im Jahr 1997 stattgefunden.

Gemeinsame Urlaube
Er habe öfter, wenn auch nicht jährlich, Flöttl auf den Bermuda-oder Bahamas besucht, erklärte Elsner. Er habe häufig zusammen mit Flöttl Urlaub gemacht, einmal auch in Biarritz. Der Disput zwischen Flöttl und Elsner über die Reichweite von Flugzeugen und die Bedürfnisse von Hunden dauerte rund 20 Minuten.

Dann endlich konnte die Einvernahme von OeNB-Prüfer Ettl beginnen. Der Prüf-Bericht schildere "zum ersten Mal die grobe Geschichte der Karibikgeschäfte", so Ettl. Allerdings seien den Prüfern viele dahinterstehenden Konstruktionen damals noch nicht bekannt gewesen.

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Den Prüfern seien dabei etliche Ungereimtheiten aufgefallen, berichtete Ettl - etwa, warum die Vergabe eines Kredits über 400 Mio. Dollar nicht im Aufsichtsrat beschlossen wurde. "Das ist eine sehr ungewöhnliche Vorgangsweise im österreichischen Bankenwesen", so Ettl. Anschließend sei ein zweiter Kredit über 400 Mio. Dollar an Flöttl vergeben worden.

Fehlende Innenrevision
Auch seien offenbar sowohl relative als auch absolute Großveranlagungsgrenzen überschritten worden, auch die interne Revision habe nicht funktioniert wie vorgesehen, so Ettl. Die Innenrevision sei angewiesen worden, festzustellen, dass die Kredite an Flöttl 1998 "zurückgeführt" worden seien, wenn auch offenbar wiederum mit BAWAG-Geldern.

Elsner widerspricht: Die Rückführung sei mit den Werten von Flöttl erfolgt. Ettl: "Was wir gesehen haben, haben diese Werte bei weitem nicht ausgereicht".

Verluste und Stiftungen
Bei den in Liechtenstein von der BAWAG eingerichteten Stiftungen zur "Aufarbeitung" der Verluste " fällt es Ettl "schwer zu glauben", dass diese nicht zusammenhängen sollten. "Es gibt einen klaren wirtschaftlichen Zusammenhang, weil man das gleiche Risiko eingegangen ist", sagte Ettl. Die Stiftungen hätten in das gleiche Produkt einer dritten Firma investiert. Allerdings seien solche eigentümerlosen Gesellschaften rein formal nicht zuzuordnen.




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