04. Juni 2009 11:11

"Keiler" vor dem Aus 

Prüfung für ungeschulte Finanzberater

Finanzdienstleistungsassistenten durften bisher ohne Ausbildung arbeiten, das soll sich nun ändern. Der AWD begrüßt die Gesetzesinitiative.

Prüfung für ungeschulte Finanzberater
© APA

Die Kritik an Finanzdienstleistungsassistenten wird vom Gesetzesgeber aufgegriffen. "Es wird derzeit an einer Gesetzesnovelle gearbeitet, nach der Berater erst nach Ablegung einer Prüfung Finanzprodukte verkaufen dürfen", so Philipp Bohrn, Geschäftsführer des Fachverbands der Finanzdienstleister (WKÖ). Für derzeit aktiven Berater wird es eine Übergangsfrist von rund zwei Jahren geben, bis sie die Prüfung ablegen müssen.

Finanzdienstleistungsassistent wird geprüft
Im Dezember 2008 unterstützen alle fünf Parlamentsparteien einen Entschließungsantrag für eine Reform der Anlageberatungsberufe. Die Abgeordneten forderten damals insbesondere, das Berufsbild des "Finanzdienstleistungsassistenten" zu prüfen.

Beruf bisher ohne Ausbildung möglich
In Österreich arbeiten laut Auskunft der Wirtschaftskammer 5.000 und nach Angaben der FMA 6.450 Finanzdienstleistungsassistenten (FDLA) . Bis dato war es möglich, diesen Beruf (freies Gewerbe) ohne Ausbildung und Befähigungsnachweis auszuüben. Die Finanz-Berater dürfen derzeit für ein oder mehrere von der Finanzmarktaufsicht konzessionierte Unternehmen tätig werden.

AWD begrüßt Gesetzesinitiative
Bei dem im Kreuzfeuer der Kritik stehenden Finanzdienstleister AWD kann man sich mit der geplanten Gesetzesinitiative anfreunden. "Wir sind mit der zukünftigen Neuregelung absolut zufrieden", so AWD-Sprecher Hansjörg Nagelschmiedt zur APA. Zur Zeit arbeiten rund ein Drittel Finanzdienstleistungsassistenten bei AWD, die anderen zwei Drittel sind geprüfte Vermögensberater.

Gesetzesentwurf kommt im Herbst ins Parlament
Der Gesetzesentwurf für eine Neuregelung der Finanzdienstleistungsassistenten liegt laut Fachverband derzeit im Wirtschafts- und Finanzministerium und werde bis Herbst im Parlament eingebracht. Aus dem Finanzministerium heißt es, dass im Gesetzesentwurf "mehr Augenmerk auf die Qualität der Berater gelegt wird". Nähere Details sollen in Kürze folgen.

Der Verband der Finanzdienstleister möchte, dass die Mehrfachvermittlung weiterhin möglich bleibt. Derzeit dürfen Finanz-Berater Produkte von verschiedenen Finanzdienstleistern verkaufen. "Dies solle im Sinne der Vielfalt bestehenbleiben", so Bohrn vom Fachverband.

Kritik an Mehrfachvermittlung
Kritik an der geplanten Neuregelung gibt es von Andreas Dolezal von der Capital Bank. "Die Mehrfachvermittlung wird es nicht mehr geben. Damit sind die Berater von einem Finanzunternehmen abhängig", sagte er am Donnerstag. Dolezal glaubt, dass viele Finanzdienstleistungsassistenten aufgrund der angespannten Marktlage in diesem Jahr aufgeben werden. Eine Möglichkeit für Finanzberater sei eine Umstellung auf Honorarberatung nach dem Modell der Steuerberater. Eine Umstellung können sich Finanzberater aber derzeit nicht leisten, so Dolezal.




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