09. Mai 2008 11:58

Körberlgeld 

Pünktlich vor Pfingsten Spritpreise gestiegen

Von Mittwoch auf Donnerstag sind die Spritpreise wieder um 3 Cent gestiegen. Der Verbrauch bleibt dennoch konstant hoch.

Pünktlich vor Pfingsten Spritpreise gestiegen
© dpa

Die Preise an den heimischen Zapfsäulen sind unmittelbar vor den Pfingstferien um bis zu 3 Cent je Liter gestiegen. Von Mittwoch auf Donnerstag gab es den ersten Preisschub mit einer durchschnittlichen Erhöhung von 1 Cent und am Donnerstag legte Diesel nochmals um einen und Super um zwei Cent je Liter zu, so der ÖAMTC. Zumindest für heute gibt es Entwarnung von Seiten der OMV: Am Freitag wird es keine Preiserhöhung geben.

Immer teurer
Ein Blick zurück auf das vergangene Monat zeigt, dass es für die Autofahrer an den Tankstellen nur eine Botschaft gab: Bitte mehr zahlen. Diesel verteuerte sich in den vergangenen 30 Tagen um fünf Cent, Super um sechs Cent je Liter. Am Donnerstag kostete Diesel laut OMV-Homepage 1,364 Euro, Super 1,360 Euro. Damit ist der Spritpreis nur noch geringfügig von der 20-Schilling-Marke entfernt. Laut ARBÖ gibt es aber erhebliche Preisunterschiede an den Tankstellen und zwischen den Bundesländern. Die Schwankungen würden bis zu 21 Cent pro Liter betragen. Nach wie vor am teuersten seien die Autobahn-Tankstellen, wo stellenweise schon über 1,40 Euro für den Liter schwarzes Gold verlangt wird.

Bisher haben die steigenden Zapfsäulenpreise aber zu keinen Einsparungen beim Treibstoffverbrauch geführt. Der Dieselabsatz stieg im ersten Quartal 2008 sogar gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 1,7 Prozent an, bei den Benzinen gab es eine Reduktion um 0,5 Prozent, so die Schätzungen des Fachverbandes der Mineralölindustrie.

Industrie bestreitet Körberlgeld
Dass sich die Mineralölindustrie mit der Reisewelle zu Pfingsten ein zusätzliches Körberlgeld holen will, bestreitet die Industrie und verweist auf die Entwicklung an den internationalen Ölmärkten. So sei Diesel von 1. bis zum 8. Mai um 47 Euro je Tonne teurer geworden. Eurosuper legte demnach um 63 Euro je Tonne zu. Laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) ist der Rohölpreis in den vergangenen fünf Jahren sieben Mal stärker gestiegen als der Spritpreis. ÖAMTC und ARBÖ hingegen sehen den Preisanstieg an den Zapfsäulen nicht durch die Weltmärkte gerechtfertigt.

Laut dem heutigen Treibstoff-Monitor des Wirtschaftsministeriums ist Diesel um 3,95 Cent und Super um 9,11 Cent je Liter hierzulande günstiger als im EU-Durchschnitt. In Deutschland stieg der Benzinpreis heute gar über die magische Grenze von 1,50 Euro.

Starker Euro dämpft Preisanstieg
Dabei hätte es für die Autofahrer noch schlimmer kommen können. "Der starke Euro dämpft den Preisanstieg", so VCÖ-Experte Martin Blum. Er erwartet weiter steigende Preise und kritisiert, dass die Autohersteller zu lange auf zu große Autos gesetzt hätten. Der derzeitige Durchschnittsverbrauch eines Neuwagens liegt demnach bei rund 6,5 Liter pro 100 Kilometer. "Wenn Vier-Liter Autos der Standard wären, würden Österreichs Autofahrer weniger unter den hohen Spritpreisen stöhnen", so VCÖ-Experte Blum.

Ein düsteres Bild zeichnete gestern Stefan Krauter, Chef des Großspediteurs cargo-partner. Er kalkuliert für 2012 bereits mit einem Dieselpreis von 3 Euro je Liter. Ein Blick zurück zeigt jedenfalls, dass sich der Rohölpreis innerhalb der vergangenen zwölf Monate fast verdoppelt hat. Gestern erreichte er mit fast 125 Dollar je Fass (159 Liter) einen neuen historischen Höchstwert. In kaum einem Wirtschaftsbereich sind die Prognosen der Experten in den vergangenen Jahren so daneben gelegen wie am Ölmarkt. OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer etwa war Ende 2002 noch davon ausgegangen, dass der Ölpreis mittelfristig wieder auf 18 bis 20 Dollar fallen wird. Wären die Prognosen des Ölbrokers PVM von 2006 eingetreten, hätte der Ölpreis eigentlich demnächst wieder unter 50 Dollar fallen sollen. Und BP-Chef John Browne wusste zu dem Zeitpunkt sogar noch zu berichten, dass der Ölpreis mittelfristig wieder auf 40 Dollar fallen werde und "auf ganz lange Sicht 25 bis 30 Dollar vorstellbar" seien.

Sprudelnde Einnahmen für Ölindustrie
Der Ölindustrie hat der hohe Rohstoffpreis jedenfalls nicht geschadet. So vermeldeten jüngst Exxon, Shell, BP und Chevron sprudelnde Einnahmen. Exxon Mobile verzeichnete beispielsweise ein Gewinnplus von 17 Prozent. Die OMV durfte ebenfalls jubeln: Der führender Öl- und Gaskonzern Mittel- und Zentraleuropas hatte im 1. Quartal das Betriebsergebnis (EBIT) um 65 Prozent gesteigert.




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