01. Dezember 2007 08:24

ÖSTERREICH-Interview 

Rene Benko - Der neue Immobilien-Star

Die Schule brach er ab, weil er lieber Dachböden sanierte: Inzwischen ist der 30-jährige Tiroler René Benko einer der Top-Player der Immobranche.

Rene Benko - Der neue Immobilien-Star
© TZ Oesterreich Klemencic Daniela

Er ist erst 30 Jahre alt und zählt bereits zu den Top-Immobilieninvestoren des Landes: René Benko, gebürtiger Tiroler und Gründer der Signa Holding mit Büros in Innsbruck, Wien und Düsseldorf. Sein jüngster Coup ist wie berichtet der Erwerb des knapp 400 Millionen Euro schweren Immobilien-Pakets der Bawag. Mitfinanziert haben den

Deal die Hessische Landesbank und die RLB NÖ-Wien.

Über 1,5 Milliarden Euro hat Benko in den letzten Jahren in Immobilien investiert. Der Öffentlichkeit ist er trotzdem kaum bekannt. Er treibe die Expansion seines Unternehmens „mediendiskret“ voran, sagt Benko (siehe unten). Sein bekanntestes Investment in Österreich war das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck.

Dachböden statt Matura
Die Schule brach Benko kurz vor der Matura ab – er sanierte lieber Dachböden und gründete die Firma Immo­fina (heute Signa). Benko war 23, als Karl Kovarik, Erbe der Stroh-Tankstellen, mit damals 350 Millionen Schilling einstieg. Seither läuft die Expansion auf Hochtouren. In der Branche konnte sich der geschiedene Vater einer Tochter als „Naturtalent“ schnell Respekt verschaffen.

Der neue Wlaschek?
Mit seinem 1,5-Milliarden-Portfolio ist der junge Benko dem alten Immobilien-Zar Karl Wlaschek – der Billa-Gründer hat Objekte um 2,1 Milliarden Euro gekauft –, ziemlich auf den Fersen. In Wien residiert Benko im zum Wlaschek-Imperium gehörenden Palais Harrach – und wie Wlaschek investiert er vor allem in Innenstadtobjekte. Als „neuen Wlaschek“ sieht er sich aber nicht. „Doch es freut mich, mit dem Bawag-Paket nun auf einen Schlag etliche City-Gebäude zu haben.“ Zu den nicht mit ver-kauften Penthäusern der Ex-Bawag-Chefs Elsner und Flöttl sagt Benko: „Die wären hübsch, sind aber nicht kriegsentscheidend.“ Kriegt die Bawag Elsners Wohnung zurück, hat Benko ein Vorkaufsrecht. Und den Mietvertrag von Ex-ÖGB-Boss Fritz Verzetnitsch, der in einem Penthouse günstig wohnt, werden sich Experten anschauen, so Benko.

"Ich liebe es, ein Familienunternehmer zu sein"
ÖSTERREICH: Mit einem Volumen von bisher über 1,5 Milliarden Euro gehören Sie zu den führenden Immobilien­investoren Österreichs.

René Benko: Ja, aber bis auf das Großprojekt Kaufhaus Tyrol in Innsbruck und jetzt das Bawag-Paket ist es mir gelungen, die Expansion des Unternehmens medien­diskret voranzutreiben.

ÖSTERREICH: Wo liegt Ihr Investitions-Schwerpunkt?

Benko: Ich interessiere mich nur für Top-Innenstadtlagen. Die sind krisensicher, man kann nichts falsch machen.

ÖSTERREICH: Setzen Sie auch auf Osteuropa?

Benko: Bisher waren zwei Drittel unserer Aktivitäten in Österreich und Westeu­ropa. Aber wir sind auch in Tschechien, haben außerdem gerade ein Investment für einen Büroturm in Kroatien abgeschlossen. In den nächsten Jahren ist Südosteuropa durchaus am Plan.

ÖSTERREICH: Ist ein Börsegang der Signa denkbar?

Benko: Das kommt für mich nicht infrage. Ich liebe es, ein Familienunternehmer zu sein und werde das auch bleiben. Es ist wichtig, Entscheidungen schnell treffen zu können. Beim Bawag-Paket war ich unter anderem deshalb absoluter Favorit, weil mir als privatem Unternehmer Entscheidungen in kürzester Zeit möglich sind.

ÖSTERREICH: In Wien residieren Sie im Palais Harrach, das zum Wlaschek-Immo-Imperium gehört. Sehen Sie sich als neuer Karl Wlaschek?

Benko: Gar nicht. Aber es freut mich, mit dem Bawag-Paket mein Portfolio mit einem Schlag um etliche tolle Objekte erweitert zu haben.

ÖSTERREICH: Warum wollten Sie dieses Paket unbedingt?

Benko: Weil Top-Liegenschaften dabei sind, die einzeln nicht zu kriegen wären und die erstklassige Verwertungschancen bieten.

ÖSTERREICH: Werden Sie 2008 auch für das zweite Bawag-Immopaket bieten?

Benko: Ich schaue mir das sicher an. Aber jetzt konzen-trieren wir uns mal auf das gerade erworbene Portfolio.




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