11. Jänner 2008 17:21

ÖSTERREICH 

Rettungsplan für die Lipizzaner

Das 540 Quadratmeter große Luxusbüro soll vermietet werden, Hafer soll künftig zugekauft statt selbst angebaut werden.

Rettungsplan für die Lipizzaner
© APA

Neue Zukunft für die wirtschaftlich lahmende Spanische Hofreitschule. Geschäftsführerin und Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler präsentiert in ÖSTERREICH ihren Rettungsplan für den privatisierten ehemaligen Staatsbetrieb. Der hat laut Rechnungshof 2007 wegen Prämienwirtschaft und unternehmerischer Fehler zwei Millionen Euro versenkt. „Die Maßnahmen reichen von einem neuen Futterplan bis zu einem besseren Immobilienmanagement “, so Gürtler

Übersiedlung
Wichtiger Punkt ist eine Übersiedlung der Verwaltung aus dem 540 Quadratmeter großen Luxusbüro in der Wiener City. „Wir sprechen schon mit Nachmietern und können uns selbst billiger einmieten“, sagt Gürtler.

Weiters soll es heuer mit 69 Vorführungen fast doppelt so viele geben wie 2007. Eine ausverkaufte Veranstaltung in Wien bringt 47.000 Euro Umsatz bei 8.000 Euro Aufwand. Bei Auslandstourneen, die vor allem eine Investition ins Image sind, wird gestrichen.

Selbst kehren
Auch beim Futter setzt sie den Sparstift an. Die Hofreitschule betreibt eine eigene Landwirtschaft, künftig wird Hafer zugekauft. Sogar beim Gerät will die Sacher-Chefin sparen: „Wir müssen überlegen, ob wir eine Kehrmaschine brauchen oder ob wir den Besen lieber selbst in die Hand nehmen.“ Über die guten Gagen der Bereiter will Gürtler verhandeln, dort sei aber nicht viel drin: „Bereiter sind als hochspezialisierte Kräfte am Markt gefragt.“

Der hauseigene Shop wurde bisher vom Kunsthistorischen Museum betreut, jetzt will Gürtler dort die Zügel selbst in die Hand nehmen. 300.000 Euro Umsatz mit Merchandising-Artikeln waren es bisher.

Wenn alles „umgedreht“ ist, will Gürtler den Traditionsbetrieb Sponsoren aus „pferdeaffinen“ Ländern präsentieren. Dazu gehören USA, Holland, England und auch Saudi-Arabien.

Sissy Max-Theurer, Aufsichtsrätin der Hofreitschule, steht hinter Gürtler: „Die Probleme sind uns seit Längerem bekannt. Ein Traditionsbetrieb wie dieser lässt sich halt nicht so einfach umdrehen.“

Gürtlers 7-Punkte-Plan:

  • Das 540-Quadratmeter-Büro in der Wiener City wird gegen ein günstigeres getauscht.
  • Statt kostspieligen Eigenanbaus von Hafer künftig Zukauf am Futtermittelmarkt.
  • Statt 36 Vorstellungen 2007 sollen es heuer 69 sein.
  • Weniger Auslandstourneen wegen Unrentabilität.
  • Der vom Kunsthistorischen Museum betriebene Shop wird künftig selbst geführt.
  • Verhandlungen mit den wohldotierten Bereitern über ein neues Gehaltsmodell.
  • Nach Abschluss der Sanierung werden Sponsoren angesprochen. Audi ist 2006 als Partner abgesprungen.

Frank Stronach will helfen
Der austro-kanadische Geschäftsmann Frank Stronach wäre bereit, der in eine finanzielle Schieflage geratenen Hofreitschule zu helfen. Im Interview mit der Sonntag-Ausgabe der Tageszeitung ÖSTERREICH erklärt Stronach: "Wenn ich weiß, wie es wirklich wirtschaftlich um die Hoftreitschule steht, kann man konkret darüber reden." Gebe es einen guten Sanierungskurs, dann sei er beeit, den Lipizzanern zu helfen, so Stronach in ÖSTERREICH.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |