15. Mai 2008 20:25

AUA-Deal 

Scheich weist Irak-Gerüchte zurück

"Absurd" wären die Gerüchte, wonach der AUA-Deal schlussendlich an einem Irak-Projekt scheierte, ließ der Scheich verlautbaren.

Scheich weist Irak-Gerüchte zurück
© AUA

Der saudi-arabische Geschäftsmann Mohamed Bin Issa Al Jaber will die jüngsten Berichte, wonach der Deal mit der AUA an seinem Wunsch, eine Flugverbindung mit der AUA nach Bagdad zu errichten, gescheitert sei, nicht einmal kommentieren. "Diese Gerüchte werden immer absurder, dass wir keine Stellungnahme mehr dazu abgeben wollen", sagte Al Jaber, heute Freitag, über seinen Sprecher auf Anfrage. "Inzwischen gehen die Gerüchte schon so weit, dass jede weitere Stellungnahme zu noch mehr Gerüchten führt, das tut weder der AUA noch dem Land Österreich gut", hieß es weiter.

Kein Bestandteil
Der Wunsch von Al Jaber, mit AUA-Flugzeugen und -Besatzung ab Herbst eine Verbindung aus Bagdad heraus mit dem Westen herzustellen, sei kein Bestandteil des Vertrages der AUA mit Al Jaber gewesen, betonte ebenso AUA-Sprecherin Livia Dandrea. Dieses Thema sei erst nach Vertragsunterzeichnung an die AUA herangetragen worden, die AUA habe dies aber abgelehnt.

Kein Rücktritt
Die AUA wies zudem die an ihren Vorstand gerichteten Rücktrittsforderungen von Verkehrs-Staatssekretärin Christa Kranzl (S) zurück. "Der Aufsichtsrat hat sich klar zum Verbleib des Vorstandes geäußert, die Entwicklung des Aktienkurses ist vollkommen getrennt zu betrachten", sagte AUA-Sprecherin Livia Dandrea am Freitag.

Wiedergeburt der Iraquo Airways
Es sei dem Scheich jedoch nicht nur um eine Beteiligung an der AUA, sondern vielmehr um eine "Wiedergeburt" der kriegsbedingt am Boden liegenden irakischen "Iraqi Airways" gegangen, schreibt die Tageszeitung "Die Presse" unter Berufung auf "mit dem Deal vertraute Kreise" in ihrer Ausgabe vom Freitag. AUA-Boss Alfred Ötsch bestätigte am Donnerstagabend den Wunsch, "mit AUA-Maschinen eine Verbindung aus Bagdad mit dem Westen herzustellen. "Das habe die AUA abgelehnt.

Sollte neue Irakische Airline werden?
Kriegsbedingt liegt die nationale irakische Fluglinie Iraqi Airways ebenso wie der Flughafen Bagdad schon länger am Boden. Im Zuge des Wiederaufbaus des Landes sollten die Fluglinie und der schwer zerstörte Flughafen mit Milliarden offenbar wieder flott gemacht werden. An dem Projekt ist auch Al Jaber beteiligt. Seine Idee: Da die Iraqi Airways ihre gesamte - ohnehin total veraltete - Flotte schon im zweiten Golfkrieg an geheime Standorte im Ausland - hauptsächlich Jordanien - verlagert hatte, hat sie keine Maschinen. Offenbar sollte hier die AUA einspringen, sie sollte rund zehn Flugzeuge bereitstellen und/oder selbst bis zu acht Destinationen im Irak anfliegen, schreibt "Die Presse".

Ötsch bestätigt die Idee: "Es wurde der Wunsch an uns herangetragen, mit AUA-Flugzeugen und -Besatzung ab Herbst eine Verbindung aus Bagdad heraus mit dem Westen herzustellen. Das haben wir abgelehnt. Über weitere Zusammenhänge können wir keine Aussagen tätigen, weil wir um Vertraulichkeit gebeten wurden", hieß es zur APA.

Dem Plan, quasi als "Geburtshelfer" für die Iraqi Airways zu fungieren, wollte und konnte Ötsch allein wegen des Sicherheitsrisikos nicht zustimmen, heißt es im Bericht weiter. Die AUA selbst hat ihre im Jänner 2007 aufgenommenen Flüge in die nordirakische Stadt Erbil im Sommer 2007 aus Sicherheitsgründen wieder eingestellt. Erst im April 2008 wurde die Route wieder ins Programm genommen.

Irakischer Luftverkehr im Wiederaufbau
Derzeit rüste der Irak seinen Luftverkehr mit US-Hilfe wieder auf. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass die Bereiche Bodenabfertigung, Wartung und Catering zu jeweils 60 Prozent privatisiert werden sollen, um damit rund 100 Mio. Dollar (65 Mio. Euro) in die Kassen zu bekommen. Ende März orderte der Irak bei Boeing und Bombardier 50 Flugzeuge im Wert von knapp sechs Mrd. Dollar.

Bei einem weiteren Milliardenprojekt gehe es um eine Flughafen-City mit Hotels, Einkaufszentren und Appartement-Häusern in Bagdad nach dem Vorbild des Mega-Airport von Dubai. Gerüchten zufolge soll Al Jabers rechte Hand, Generali-Manager Klaus Edelhauser, deshalb schon beim Flughafen Wien vorgefühlt haben. Das stellt Flughafen-Boss Herbert Kaufmann jedoch in Abrede: "Es gibt keine Verhandlungen, Bagdad ist für uns kein Thema", wird Kaufmann zitiert.

Anfang der Woche ist der seit Monaten geplante Einstieg von Al Jaber mit 150 bzw. 200 Mio. Euro bei der AUA gescheitert. Der Investor hatte bereits Ende April erklärt, er ziehe seine geplante Investition zurück. Der Grund: Er sei durch die Vorlage eines unerwartet schlechten Quartalsergebnisses - ein Verlust von 60 Mio. Euro - "in die Irre geführt" worden. Formal ist noch eine kleine Tür offen: Die AUA hat die Frist für die Vorlage einer notwendigen Bankgarantie bis zum 21. Mai verlängert.




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