06. Mai 2009 21:15

Herbe Verluste 

Schock bei den Pensionen

Die Altersvorsorge wird bei vielen um ein Viertel gekürzt. Die SPÖ macht jetzt Druck auf Pröll.

Schock bei den Pensionen
© APA/TZ Österreich

Hunderttausende Österreicher zittern jetzt um ihre hart verdiente Pension. Insbesondere bei der so genannten "zweiten Säule“ des Pensionssystems, also bei der betrieblichen Vorsorge, gibt es schon jetzt herbe Verluste. Die 19 betrieblichen und überbetrieblichen Kassen haben im Jahr 2008 insgesamt im Schnitt fast 13 Prozent verloren. Das bedeutet einen Verlust von rund 1,5 Milliarden Euro.

560.000 Betroffene
Für die 560.000 Betroffenen in Firmenpensionen ist das eine Katastrophe. Der Schutzverband der Pensionskassenberechtigten (pekabe) wird derzeit mit E-Mails von verzweifelten Anlegern überschwemmt.

Viertel verloren
Vor allem jene 60.000 Pensionisten, die bereits Geld kassieren, sind voll betroffen. Viele haben 2008 ein Viertel ihrer Pension eingebüßt: "Rund zwei Drittel der 60.000 haben im vergangenen Jahr bis zu 25 Prozent Verlust gehabt. Seit dem Jahr 2000 gab es sogar rund 45 Prozent Pensionskürzungen“, wettert Günter Braun von der pekabe. Braun sieht auch für die Zukunft schwarz: "Diese großen Verluste werden in den nächsten Jahren nicht aufzuholen sein.“

2003 schlecht reformiert?
Auch Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel warnt im ÖSTERREICH-Gespräch: Die Bezieher einer Firmenpension seien derzeit in einer „sehr prekären“ Lage. "Verantwortlich sind einerseits Veranlagungsmisserfolge der Pensionskassen. Außerdem trägt die Politik der schwarz-blauen Bundesregierung die Verantwortung. Diese hat 2003 die Mindestverzinsung abgeschafft und den Aktienanteil erhöht“, kritisiert Tumpel.

Einzelschicksale
Fallbeispiele gibt es zuhauf: Ein 84-Jähriger schreibt etwa: "Ende November 2008 erhielt ich eine Mitteilung von meiner Pensionskasse, wonach meine Firmenzusatzpension vorläufig um 15 Prozent per 1. Jänner 2009 aufgrund der derzeitigen Sachlage gekürzt werden wird.“

Reform bis Sommer
Thomas Url, Pensionsexperte am Wirtschaftsforschungsinstitut, erklärt gegenüber ÖSTERREICH: „Bei den Pensionsreformen 2002 und 2004 gab es im öffentlichen ASVG-System Pensionskürzungen. Daher halte ich es für sinnvoll, dass eine Altersvorsorge auf mehreren Beinen steht, man also nicht alle Eier ins selbe Nest legt.“

Heftige SP-Kritik
Doch gerade bei der jahrelang hochgelobten zweiten und dritten Säule von Betriebs- und Privatvorsorge ist nun richtig Feuer am Dach. SPÖ-OÖ-Chef Erich Haider fordert von Finanzminister Josef Pröll ein "Kassenhilfspaket“ und neue Gesetze, etwa ein Verbot von Spekulationen in Aktien. Im Finanzministerium verweist man auf eine Arbeitsgruppe um VP-Staatssekretär Reinhold Lopatka. "Bis zum Sommer sollten wir ein Ergebnis haben“, kündigt Lopatka gegenüber ÖSTERREICH an.

SPÖ-Haider im Interview: "Pröll muss jetzt den Kassen helfen"

ÖSTERREICH: Die Pensionskassen machen Verluste, die Leute kommen um ihr Geld. Was muss getan werden?
Erich Haider: Die ÖVP hat die Menschen ganz bewusst in diese zweite Pensionssäule gedrängt. Immer mit dem Argument, dass die staatliche Pension nicht mehr sicher wäre. Finanzminister Josef Pröll hat die Verpflichtung, hier für einen Ausgleich zu sorgen.

Wie soll dieser Ausgleich aussehen?
Es muss steuerliche oder fiskalische Maßnahmen geben, damit die Pensionskassen ihren Zusagen wieder nachkommen können. Man sichert auch Banken mit Milliarden ab. Daher ist es notwendig, hier z. B. mit Direktzuschüssen die Kassen aufzufüllen.

Ein Hilfspaket für die Kassen?
Genauso ist es. Wir brauchen ein Hilfspaket, ein Unterstützungspaket des Finanzministers. Bei den Banken gibt es die Klauseln: Solange es keine Gewinne gibt, müssen auch keine Zinsen bezahlt werden. Ähnliche Klauseln kann ich mir auch für die Kassen vorstellen.

Was muss passieren, um ähnliche Crashs in Zukunft zu verhindern?
Man muss die von schwarz-blau abgeschafften Garantien wieder einführen. Es braucht bei den Veranlagungsvorschriften neue gesetzliche Bestimmungen. Es gibt ja mündelsichere Papiere und Staatsanleihen. Man muss nicht in Aktien, Fonds oder andere spekulative Papiere investieren.

Ein Verbot für Spekulationsgeschäfte bei den Kassen?
Ja, genau.

Wir das Thema jetzt Chefsache?
Wir haben das besprochen. Auch Kanzler Werner Faymann ist dafür, dass hier Gerechtigkeit geschaffen wird.




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