05. Jänner 2009 20:12

Neuer Boom 

Schon 20 Häuser für 99 Euro pro Los

Von der herrschaftlichen Villa bis zum Einfamilienhaus: Immer mehr Österreicher verlosen ihre Immobilien im Internet – um maximal 99 Euro pro Los.

Schon 20 Häuser für 99 Euro pro Los
© Singer

Den Anfang machte die Kärntnerin Traude Daniel: Monatelang hatte sie vergeblich versucht, ihre Traumvilla in Klagenfurt am Wörthersee zu verkaufen. Dann kam sie auf die Idee, das Objekt via Internet zu verlosen. Das Interesse war riesig: Binnen weniger Stunden waren alle 9.999 Lose je 99 Euro verkauft. Die Verlosung findet am 20. Jänner statt.

Das Kärntner Beispiel hat jetzt etliche Nachahmer gefunden. Inzwischen werden österreichweit Dutzende Häuser im Internet verlost - von der Prunkvilla mit Riesengrund bis zum Einfamilienhaus. Die Motive der Verloser sind vielfältig:

  • "Es ist derzeit sehr schwierig, das Haus zu verkaufen, vielleicht auch wegen der Finanzkrise“, erklärt Adria Radu, der sein Haus in Wien-Ottakring verlosen will.
  • Ähnlich denkt Architekt Dietmar Kraus, der seine Immobilie in der Nähe von Salzburg verlost: "Es ist ein sehr großes Haus. Der eigentliche Wert von 700.000 Euro ist derzeit nicht zu erzielen.“
  • Raisa und Jakob Kotlarenko verlosen ihre Villa in Pressbaum: "Unsere Tochter ist ausgezogen, das Haus ist uns nun zu groß geworden“.

Rechtsfrage
Auch Besitzer von Luxusautos haben Lunte gerochen. So möchte Franz Schweighofer seinen zwei Jahre alten Ferrari wieder los werden. "Ich überlege eine Verlosung, aber ich muss mich noch über die rechtliche Lage informieren“, ist er vorerst vorsichtig.

Rechtlich gibt es (noch) kein Problem mit den Verlosungen. "Eine private Haus-Lotterie verstößt nicht gegen das Glücksspielmonopol“, bestätigt Harald Waiglein vom Finanzministerium. Wer einmal die eigene Immobilie verlose, müsse nicht mit Problemen rechnen. Auch die Loskäufer tun nichts Verbotenes. Anders sei es, wenn jemand Verlosungen gewerbsmäßig betreibe. "Dann ist es illegal.“

Bernd Aspeck, Betreiber der Website www.auxionit.at - eines Internet-Portals für Verlosungen - legt deshalb Wert darauf, dass es sich um rein private Lotterien der Eigentümer handle. "Wir selbst verlosen nichts, bieten nur das Online-Umfeld.“ Sollte die Verlosung erfolgreich sein, bekommt Aspeck rund drei Prozent vom Los-Erlös.

Konsumentenschutz prüft
Im Konsumentenschutzministerium von Rudolf Hundstorfer gibt es trotzdem Bedenken. "Wir prüfen die Sachlage derzeit“, heißt es. Skepsis herrscht etwa in Bezug auf fehlende Grundbuchauszüge und Schätzgutachten der Objekte. Aspeck freilich will bei den über sein Portal verlosten Häusern auf Gutachten und Abwicklung über einen Notar bestehen.




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