08. Juni 2009 21:22

Insolvenz droht 

Schwarzer Tag für Arcandor-Konzern

Der Handels- und Touristik-Konzern erhält keine Staatshilfen.

Schwarzer Tag für Arcandor-Konzern
© EPA

Schwarzer Tag für Arcandor: Innerhalb weniger Stunden zerplatzten für den ums Überleben kämpfenden deutschen Handels- und Touristik-Konzerns die Hoffnungen auf Staatshilfen. Am Montagvormittag wurden eine Bürgschaft sowie ein Kredit aus dem "Wirtschaftsfonds Deutschland" abgelehnt, am Nachmittag folgte die Absage des Bundes an eine Rettungsbeihilfe. Damit rückt eine Insolvenz der Arcandor AG näher.

Letzte Frist
Nach Informationen aus Regierungskreisen bekommt Arcandor (Karstadt, Quelle) aber eine allerletzte Frist für "einen neuen, substanziell verbesserten Antrag" auf Rettungsbeihilfen. An der Börse stürzte die Arcandor-Aktie um fast 44 Prozent auf den historischen Tiefstand von 1,06 Euro ab. Der Konzern beschäftigt rund 80.000 Mitarbeiter.

Notkredit
Arcandor kündigte umgehend einen neuen Anlauf für den dringend benötigten Notkredit an. Die beantragte Rettungsbeihilfe über 437 Millionen Euro werde nur gewährt, wenn es über die bereits vorhandenen Zusagen weitere Beiträge gebe, teilte die Arcandor AG mit. Banken, Vermieter und Eigentümer müssten für weitere Zugeständnisse gewonnen werden. Aus diesem Grund werde der Vorstand heute Abend und im Laufe des morgigen Vormittags erneut die Gespräche mit den Beteiligten suchen.

Kapitalerhöhung
Die Arcandor-Großaktionäre Sal. Oppenheim und Madeleine Schickedanz seien zu einer Kapitalerhöhung von 150 Millionen Euro für das von Insolvenz bedrohte Unternehmen bereit. "Wir alle haben das Ziel, zu einer Lösung zu finden, bevor es zu einer Insolvenz kommt", sagte Friedrich Carl Janssen, der zugleich persönlich haftender Gesellschafter des Bankhaues Sal. Oppenheim sowie Aufsichtsratschef von Arcandor ist. Wie aus Kreisen des Finanzministeriums aus Berlin am Abend verlautete, erfüllt dies aber in keiner Weise die vom Bund geforderte verstärkte Beteiligung der Eigentümer.

Die bisher engagierten Banken sahen sich den Angaben zufolge nicht in der Lage, selbst bei einer 100-prozentigen Bürgschaftsübernahme Kredite in Höhe von 437 Millionen Euro für die Rettungsphase zu gewähren. Die Vermieter - in erster Linie Highstreet aber auch Oppenheim-Esch - seien nicht zu einer deutlichen Reduzierung der überhöhten Mietbelastungen für die Kaufhäuser bereit gewesen.

Schock
Betriebsräte von Arcandor und Quelle reagierten schockiert auf die Abfuhr aus Berlin.




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