22. April 2009 15:44

Düstere IWF-Prognose 

Schwerste Rezession seit 30er-Jahren

Das BIP schrumpft heuer weltweit um 1,3 Prozent. Stark betroffen ist die deutsche Wirtschaft, welche 2009 um 5,6 Prozent einbrechen wird. Für Österreich wird ein Minus von 3,0 Prozent prognostiziert.

Schwerste Rezession seit 30er-Jahren
© EPA

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die globale Konjunktur in der tiefsten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre. Im laufenden Jahr 2009 dürfte die wirtschaftliche Gesamtleistung der Welt um 1,3 Prozent nachgeben. Das wäre das erste Minus seit Jahrzehnten. Für Österreich erwartet der IWF 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 3 Prozent. Osteuropas Wirtschaft dürfte 3,7 Prozent einbüßen. Der IWF macht in seinem Gutachten auf die Gefahr von Kreditausfällen im Osten aufmerksam.

Dramatische Zahlen für Deutschland
Deutschland stürzt den Währungsfonds-Voraussagen zufolge besonders dramatisch ab: Hier wird die Rezession tiefer ausfallen als in den meisten anderen großen Industriestaaten. In seinem am Mittwoch in Washington vorgestellten Frühjahrsgutachten prognostizierte der IWF für die deutsche Wirtschaft ein Minus von 5,6 Prozent in diesem Jahr. 2010 werde das deutsche Bruttoinlandsprodukt noch einmal um 1,0 Prozent schrumpfen.

Weltweites Minus
Die weltgrößte Volkswirtschaft USA wird laut IWF in diesem Jahr ein Minus von 2,8 Prozent verzeichnen und im kommenden Jahr dann weder wachsen noch schrumpfen. Für die Industrieländer insgesamt errechnet der Fonds einen Rückgang von 3,8 Prozent, für die Euro-Zone ein Minus von 4,2 Prozent im laufenden Jahr. Für Mittel- und Osteuropa sieht der Währungsfonds einen Rückgang der Wirschaftsleistung um 3,7 Prozent im laufenden Jahr.

Kritik an der EU
Die IWF-Ökonomen üben in ihrem Gutachten scharfe Kritik an den bisherigen Krisenmaßnahmen der Europäischen Union. "Die Abstimmung ist alles andere als optimal", heißt es in dem Dokument. "Wiederholt wurden Politiker von der Heftigkeit der Krise überrascht, haben reflexhaft mit nationalen Alleingängen reagiert und dadurch die grenzüberschreitende Effektivität eher geschwächt als gestärkt."

"Kollaps der Wirtschaft in Europa"
Die EU müsse zu einer "viel kraftvolleren und besser koordinierten Finanzpolitik gegen die Krise" finden, unter anderem durch Pläne für gegenseitige Krisenhilfen im Notfall. Eine Gefahr stellten vor allem die riskanten Kredite vieler europäischer Banken an osteuropäische Länder dar, schreiben die IWF-Experten. Massive Kreditausfälle könnten dort zu einem "Kollaps der der Finanz- und Realwirtschaft mit erheblichen Auswirkungen auf andere Volkswirtschaften" führen.

Trendwende in 2 Jahren?
2010 wird es dem Fonds zufolge für die Weltwirtschaft mit einem Plus von 1,9 Prozent schon wieder besser aussehen. Wichtig für die Trendwende sei aber, dass die zuständigen Behörden entschiedene Schritte unternehmen, um das Vertrauen an den Finanzmärkten wiederherzustellen.

Die Industrieländer insgesamt wie auch die USA würden bei einer Null landen. Deutschland dagegen werde 2010 mit 1,0 Prozent weiterhin in der Minus-Zone verharren, wie auch die Euro-Zone insgesamt mit 0,4 Prozent.

Tiefe Rezession
"Die Weltwirtschaft ist in einer tiefen Rezession, die durch eine massive Finanzkrise und einen akuten Vertrauensverlust bewirkt wurde", resümieren die IWF-Experten in dem Gutachten. Mit seiner neuen Schätzung hat der IWF seine Prognose vom Jänner noch einmal drastisch nach unten korrigiert. Für Deutschland etwa hatte der Währungsfonds noch vor einem Vierteljahr nur ein Minus von 2,5 Prozent in diesem und ein Plus von 0,1 Prozent im kommenden Jahr erwartet.




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