02. Juli 2008 15:12

Nach Adeg-Deal 

"Selbständige Kaufleute" ziehen im Billa-Reich ein

Rewe-Austria möchte das Geschäftsfeld der selbständigen Kaufleute forcieren. Ein Jahr hat man nun für die Auflagen aus Brüssel Zeit.

"Selbständige Kaufleute" ziehen im Billa-Reich ein
© DPA

Mit der mehrheitlichen Übernahme der Adeg durch Rewe Austria startet Österreichs Branchenprimus im Lebensmitteleinzelhandel mit dem neuen Geschäftsfeld der selbstständigen Kaufleute und will dieses künftig auch forcieren, wie die beiden Rewe-Vorstände Frank Hensel und Werner Wutscher Dienstagabend bestätigten. Die Marke "Adeg" - laut Hensel die älteste Marke Österreichs im Einzelhandel - soll damit erhalten und gestärkt werden.

Kein Prüfungsverfahren
Das schnelle Grüne Licht aus Brüssel für die Adeg-Übernahme sieht Hensel naturgemäß positiv - "schließlich geht es um 6.000 Mitarbeiter und 600 Lehrlinge", so der Vorstandsvorsitzende. Dass die EU-Kommission nun doch kein verlängertes Prüfverfahren eingeleitet hat, führte er darauf zurück, dass der Entscheidung ein intensives Prüfverfahren vorangegangen sei und Rewe bereits im Antragsverfahren "vieles abgehandelt" habe.

Positive Rückmeldungen
Von den Adeg-Mitarbeitern gebe es jedenfalls "viele positive Rückmeldungen". Nun gebe es eine Zukunft für die rund 500 selbstständigen Adeg-Kaufleute - gemeinsam mit Rewe. Das Geschäft mit selbstständigen Einzelhändlern sei ohnehin die "Wurzel des Rewe-Konzern", so Hensel. Nun werde dieser Schritt auch "in unserem zweiten Heimatmarkt Österreich gesetzt, das war uns ein Anliegen". Konkret wird die Adeg-Beteiligung von 75 Prozent an die Billa AG angehängt.

100 Mio. müssen abgegeben werden
Euro Dennoch seien die Auflagen "keine leichten". Die von der EU-Kommission definierten 28 Bezirke in Österreich, in denen Rewe Marktanteile abgeben müsse, betreffen 30 Prozent des Rewe-Umsatzes in den Bezirken bzw. 20 Prozent der österreichischen Bevölkerung, rechnet Hensel vor.

In Summe muss Rewe 100 Mio. Euro vom Adeg-Umsatz abgeben. Von den derzeit 64 Adeg-Filialen, 14 AGM-Standorten und 11 Magnet-Märkten sei rund ein Viertel betroffen, erläuterte Adeg-Chef Andreas Poschner. Wenn es gelinge, genügend Filialen in den "kritischen Bezirken" abzugeben, wäre die Hälfte der Auflagen bereits erfüllt, so Hensel. In einem nächsten Schritt werde Rewe mit den Einzelhändlern reden. Als letzte Möglichkeit bleibe der Verkauf eigener Supermärkte.

Ein Jahr für Umsetzung
Ein Jahr lang habe Rewe nun Zeit, die Auflagen umzusetzen, so Hensel. Ein von der EU eingesetzter Treuhänder werde die Fortschritte überwachen und an Brüssel weiterleiten. Die EU-Kommission habe sich vorbehalten, jeden einzelnen Erwerber zu genehmigen. Details zu den EU-Vorgaben, also welche Bezirke und wie viele Filialen betroffen sind, werde die Kommission den Angaben zufolge noch diese Woche veröffentlichen.

Durch die mehrheitliche Übernahme der Adeg durch Rewe "wird sich am Sortiment der Adeg nichts ändern". Adeg behalte einen eigenen Sparteneinkauf, sagte Hensel. Adeg-Chef Poschner sieht das dagegen realistischer: "Wir gehören jetzt zur Rewe Group, deshalb kauft auch Rewe für uns ein", sagte er. Dennoch dürften die Preise bei Adeg sinken, zumal "Adeg bei den Preisen nicht mehr wettbewerbsfähig ist", wie Hensel sagte. Daher werde Rewe für das Adeg-Kernsortiment auch "eine Preisempfehlung" abgeben.

Probleme bei Konzepten
Probleme sieht Hensel noch bei den Strukturen und Konzepten hinter den Adeg-Filialen, auch Fehlinvestitionen habe es zuletzt gegeben. "Die Marktpositionierung von Adeg ist in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen", so der Handelsexperte. Über die Form der selbstständigen Kaufleute sollen sich die Adeg-Standorte künftig durch die Persönlichkeit des Unternehmers und mit regionalen Produkten profilieren, gab Hensel den Weg vor. Bei den Kaufleuten gebe es dagegen keinen Sanierungsbedarf.




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