01. Juni 2008 21:38

ÖSTERREICH 

Showdown im BAWAG-Prozess

Nachdem die 1.300 Fragen an den Gutachter beantwortet sind, geht er BAWAG-Prozess nach über 100 Verhandlungstagen in den Endspurt.

Showdown im BAWAG-Prozess
© APA

Mindestens 104 Mal musste Richterin Claudia Bandion-Ortner den Wirtschaftsprozess „Strafsache gegen Helmut Elsner und andere“ im Großen Schwurgerichtssaal des Landesgerichts schon aufrufen. Wenn es nach der engagierten Richterin geht, soll dies mit Ende Juni ein Ende finden.

Tauziehen
Nachdem nun die rund 1.300 Fragen an den Gutachter fast alle schon beantwortet sind, beginnt jetzt die entscheidende Phase des Monsterverfahrens. Allerdings – und das würde Prozessbeobachter auch nicht mehr wundern – könnte Elsners Anwalt Wolfgang Schubert noch unzählige Beweisanträge stellen. Das Gesetz gibt ihm dazu die Möglichkeit. Somit könnte es zu weiteren Verzögerungen kommen. Ein heftiges Tauziehen um das Ende des Bawag-Prozesses hat somit begonnen.

Rückblick
Am 16. Juli 2007 begann das Monsterverfahren im 32 Grad heißen Verhandlungssaal. Niemand hatte damals damit gerechnet, dass der Prozess um die Fehl-Spekulation der Bawag von 1,4 Milliarden Euro mehr als ein Jahr andauern würde. Aus heutiger Sicht könnten zum Jahrestag die Urteile bereits gefällt sein.

Ex-Bawag-Bosse Elsner und Johann Zwettler, Ex-Bawag-Vorstände Peter Nakowitz, Christian Büttner, Josef Schwarzecker sowie Hubert Kreuch, dem Ex-Aufsichtsratspräsidenten Günter Weninger und Investmentbanker Wolfgang Flöttl wird Untreue vorgeworfen. Ihnen allen droht bis zu zehn Jahre Haft. Der ehemalige Bankenprüfer Robert Reiter ist nur der Bilanzfälschung verdächtigt.

Haftstrafen
Nach 104 Tagen Prozess rechnen Kiebitze fest damit, dass Elsner mit der höchsten Haftstrafe bedacht wird. Elsner war nämlich in keinem Punkt geständig und betonte, dass er mit besten Absichten Flöttl die Bawag-Millionen anvertraute. Dem Ex-Generaldirektor wird wegen seiner hohen Pensionsabfertigung darüber hinaus schwerer Betrug vorgeworfen. Elsner hat das Extrageld für sich beansprucht, obwohl er von den Verlusten gewusst hat.

Wie im Prozess herauskam, stellten sich einige der Ex-Vorstände quer. Ihre damalige Haltung gegenüber Elsner könnte sich nun in Hinblick auf ein bevorstehendes Urteil positiv auswirken. Und Wolfgang Flöttl legte ein Teilgeständnis ab, auch er hofft auf die Milde des Gerichts.




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