31. Jänner 2007 16:29

Bestechungs-Skandal 

Siemens-Affäre erreicht Konzernspitze

Laut einem Medienbericht soll der Elektrokonzern von einem saudischen Geschäftspartner erpresst worden sein. Siemens relativiert Anschuldigungen.

Siemens-Affäre erreicht Konzernspitze
© (c) AFP

Der Elektrokonzern Siemens soll nach Informationen des "Wall Street Journal" im Zusammenhang mit Bestechungszahlungen 2004 von einem ehemaligen Geschäftspartner aus Saudi-Arabien erpresst worden sein.

Ein Vertreter des früheren Geschäftspartners habe von Siemens mehr als 900 Mio. Dollar (695 Mio. Euro) gefordert und andernfalls damit gedroht, Dokumente über Bestechungsgelder für Telekommunikationsaufträge in dem Königreich an die US-Börsenaufsicht SEC weiterzuleiten, berichtete die Zeitung (Mittwochausgabe) unter Berufung auf Angaben eines ehemaligen Siemens-Managers, gegen den in der Korruptionsaffäre ebenfalls Vorwürfe erhoben worden waren.

Siemens bestätigt
Siemens bestätigte am Mittwoch zwar, dass es Forderungen eines früheren Handelsvertreters in Saudi-Arabien gegeben habe, mit dem ein Vertrag frühzeitig beendet worden sei. In einem Schiedsgerichtsverfahren sei darüber aber eine Einigung erzielt worden. Bei diesem Vergleich, der im Übrigen mehrfach überprüft worden sei, habe es keinerlei Anhaltspunkte gegeben, dass unsaubere Geschäfte oder Zahlungen enthalten gewesen wären, sagte ein Siemens-Sprecher. Grundsätzlich müssten Aussagen von Beschuldigten kritisch hinterfragt werden, sagte er zu den Vorwürfen.

Ex-Siemens-Manager in U-Haft
In dem Bericht hatte es geheißen, der Ex-Siemens-Manager, der im vergangenen Jahr bereits in Untersuchungshaft saß, habe mit Unterstützung von Siemens-Managern Anfang 2005 einen Deal ausgehandelt. Demnach seien dem ehemaligen saudi-arabischen Geschäftspartner 50 Mio. Dollar zugesagt worden. Bei 17 Mio. Dollar davon habe es sich um zurückliegende Verpflichtungen gehandelt, den Rest habe der ehemalige Siemens-Manager, der nach eigenen Angaben auch die Führungsspitze über den Vorgang informiert habe, als "Schweigegeld" bezeichnet.

Siemens-Chef weist Anschuldigungen zurück
Der jetzige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld wies in einer in dem Bericht zitierten Stellungnahme Anschuldigungen zurück, über Bestechungszahlungen informiert gewesen zu sein. Zu keiner Zeit habe der frühere Manager ihm gegenüber erwähnt, dass ein "Schweigegeld" bei einer Vereinbarung eine Rolle gespielt haben könnte. Er habe auch niemals Kenntnis von möglichen Dokumenten erhalten, die im Zusammenhang mit Bestechungszahlungen gestanden hätten, erklärte Kleinfeld darin. Sein Vorgänger Heinrich von Pierer, der mittlerweile dem Siemens-Aufsichtsrat vorsitzt, erklärte dem Bericht zufolge, beim Löwenanteil der Forderungen des früheren Handelsvertreters habe es sich um Geld gehandelt, das nach dessen Einschätzung dem Unternehmen durch die frühzeitige Vertragsbeendigung durch Siemens entgangen sei.

Siemens-Führung versprach Aufklärung
Erst in der vergangenen Woche hatten Kleinfeld und Pierer bei einer turbulenten Hauptversammlung noch einmal eine weitere und umfassende Aufklärung der Korruptionsaffäre versprochen, in die laut Staatsanwaltschaft München rund ein Dutzend ehemalige und noch aktive Mitarbeiter verwickelt sein sollen. Nach Erkenntnissen der Behörde sollen über Jahre hinweg mindestens 200 Mio. Euro veruntreut worden sein, Siemens selbst hatte sogar von dubiosen Zahlungen von rund 420 Mio. Euro gesprochen.




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