23. April 2008 15:08

Schmiergeldaffäre 

Siemens-Medizin-Vorstand Reinhardt tritt zurück

In der Schmiergeldaffäre bei Siemens muss ein weiterer Manager seinen Posten räumen.

Siemens-Medizin-Vorstand Reinhardt tritt zurück
© Siemens

Der langjährige Medizintechnik-Chef Erich Reinhardt scheide zum Monatsende aus der Konzernspitze aus, weil jetzt auch in seiner Sparte Regelverstöße aufgedeckt worden seien, teilte Siemens am Mittwoch mit. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge waren interne Ermittler auf schwarze Kassen für Schmiergeldzahlungen gestoßen.

"Persönlich unbeteiligt"
Aufsichtsratschef Gerhard Cromme betonte, Reinhardt sei nach heutigen Erkenntnissen "persönlich unbeteiligt an fragwürdigen Aktivitäten": Es gebe keinerlei Zweifel an seiner persönlichen Integrität. "Wir mussten aber feststellen, dass es in dem ehemaligen Bereich Medizintechnik Fehlverhalten gegeben hat, das nicht akzeptabel ist", sagte Cromme. Auch Vorstandschef Peter Löscher sprach Reinhardt "höchsten Respekt" für seinen Rücktritt aus: "Dies zeugt einmal mehr von seinem beispielhaften Verantwortungsbewusstsein und Führungsverständnis", sagte Löscher.

Rücktritt für frühere Verfehlungen
Reinhardt erklärte seinen Rücktritt mit seiner Gesamtverantwortung auch für "Compliance-Verfehlungen innerhalb des früheren Siemens-Bereichs Medizintechnik, die mich betrüben und die ich zutiefst missbillige und bedauere".

Schwarze Kassen in der Medizinsparte
Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" wurden auch in der Medizinsparte schwarze Kassen entdeckt. Die internen Ermittler der US-Kanzlei Debevoise hätten entdeckt, dass über Konten in Dubai und anderswo von 2001 bis 2006 fragwürdige Zahlungen in Höhe von fast 70 Mio. Euro abgewickelt worden sein sollen. Die Münchner Staatsanwaltschaft sei bereits informiert worden. Auch in der Sparte Telekommunikation seien nach Erkenntnissen von Debevoise und der Staatsanwaltschaft hohe Millionenbeträge über Dubai in schwarze Kassen geschleust und anschließend für Schmiergeldzahlungen genutzt worden sein sollen.

Der leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld will sich erst am Donnerstag dazu äußern. Ein Siemens-Sprecher lehnte weitere Auskünfte ab.

Reid-Anderson als Nachfolger
Reinhardts Nachfolger im Konzernvorstand soll Jim Reid-Anderson werden, der derzeit Manager in der Medizinsparte ist. Reinhardt war seit 1994 für die Siemens-Medizinsparte verantwortlich, wo er auch 1983 seine Laufbahn begann. Mit der Neustrukturierung des Konzerns im Jänner dieses Jahres übernahm der Elektrotechnik-Ingenieur im Vorstand des Konzerns die Leitung für den Sektor Gesundheit. Dem obersten Führungsgremium gehörte Reinhardt seit 2001 an.




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