23. Jänner 2008 09:04

Honorar-Streit 

Spitälerboss verteidigt seine Traumgage

Ein höchst kritischer Bericht des Kontrollamts über die Wiener Spitäler führt zu einer harten Polit-Debatte. Jetzt schlägt der KAV-Chef zurück.

Spitälerboss verteidigt seine Traumgage
© APA

Über die Missstände im Wiener Spitalswesen schockierte Grüne, eine VP-Gesundheitssprecherin, die dem Management der Wiener Spitäler und der Politik nur „Schönreden und Ignorieren der Probleme“ vorwirft – und schließlich Bürgermeister Michael Häupl, der wörtlich davon spricht, dass es im Krankenanstaltenverband „sicher einiges zu verbessern gibt“.

Der am Dienstag aufgetauchte Bericht des Wiener Kontrollamts über die Arbeit des Krankenanstaltenverbands lässt die Polit-Wogen hochgehen.
Im ÖSTERREICH-Gespräch geht der oberste Boss der Wiener Spitäler, Wilhelm Marhold, in die Gegenoffensive – und versucht jeden einzelnen Vorwurf zu entkräften:

Gagenparadies
Zur Kritik, dass die Gagen der obersten Führungsebene von 0,5 auf 1,1 Millionen Euro gestiegen seien und er selbst mit 21.400 Euro brutto monatlich mehr als der Kanzler verdiene, erklärt Marhold: „Ja. Ich verdiene 21.400 Euro. Die Manager bei der ÖBB verdienen das Doppelte, wie ich so lese. Und ich habe mich bei einer transparenten öffentlichen Ausschreibung beworben, bei der jeder wusste, worum es geht. Ich stehle doch kein Geld – das ist einfach eine marktgerechte Bezahlung.“

Fehlendes Management
Zur Anmerkung von VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec, dass er in der Privatwirtschaft längst seinen Job los wäre, weil die Kosten der Wiener Spitäler bei sinkenden Marktanteilen um 22,3 Prozent hinaufgeschnellt und gleichzeitig die Rücklagen um 87,4 Prozent zusammengeschmolzen seien, merkt Marhold an: „Ich bin erst seit April 2005 im Amt. Als ich kam, waren die Rücklagen schon aufgebraucht. Und zur sachlichen Kritik des Kontrollamts sage ich: Ja, ich bin auch für mehr zentrales Management. Als ich antrat, lautete die Philosophie, dass alles dezentral zu funktionieren habe. Wir hatten zentral oft nicht einmal die Personaldaten der 32.000 Mitarbeiter. Es gab vier verschiedene Controllings. Das zu vereinheitlichen geht bei einem Betrieb dieser Größe nun einmal nicht ganz so schnell, wie auch ich mir das wünsche.“

Fehlendes Konzept
Zur Kritik, dass Zukunftskonzepte für das Wiener Gesundheitswesen fehlten, sagt Marhold: „Ich wundere mich, dass das Kontrollamt nicht einmal die Beschlüsse des Gemeinderats kennt, dass etwa im Bereich der Geriatrie den Aufbau neuer, kleinerer Einheiten und die Schließung der Geriatrie Wienerwald im Jahr 2015 vorsieht. Bei den Spitälern, die großteils aus Gebäuden in der Kaiserzeit stammen, schaffen wir einfach den Reinvest nicht. Da wird das Krankenhaus Nord Motor einer Restrukturierung sein, die auch vorliegt.“




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