11. September 2007 17:14

ÖSTERREICH 

Staatsanwalt ermittelt gegen Meinl

Exklusiv: Nach Anzeige eines Geschädigten wird die Staatsanwaltschaft gegen Meinl European Land ermitteln. Es geht um Untreue und Betrug.

Staatsanwalt ermittelt gegen Meinl
© Kernmayer

Wieder ist in der Causa Meinl eine Bombe geplatzt: Wie ÖSTERREICH exklusiv berichtet, wird die Staatsanwaltschaft Wien Ermittlungen gegen die Immobiliengesellschaft Meinl European Land (MEL) aufnehmen. Basis ist die anonyme Anzeige eines MEL-Geschädigten wegen Betrugs und Untreue. „Wir prüfen gerade“, bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Gerhard Jarosch: „Am Donnerstag geht der Akt an den Wirtschafts-Staatsanwalt.“ Der Start von Ermittlungen gilt als fix.

Dazu kommt: MEL dürfte aus dem prime market der Wiener Börse fliegen. In das Top-Segement waren die Zertifikate erst am 20. August aufgenommen worden.

Hier nachlesen: Rauswurf aus prime market

Sonderprüfung
Schon Mittwoch beginnt die Finanzmarktaufsicht mit ihrer Sonderprüfung der Meinl Bank. Von dieser wird das Ausmaß der Schadensersatzklagen von MEL-Anlegern abhängen. Obwohl die Aktie gestern um gut sieben Prozent stieg, hat sie in kurzer Zeit über die Hälfte ihres Wertes verloren. Betroffen sind 150.000 Kleinanleger und viele institutionelle Investoren.

Auf jeden Fall wird die MEL-Aktie auch aus dem Prime Market fliegen, dem obersten Segment der Wiener Börse.

Russen-Partner
Mittwoch oder Donnerstag stellt die MEL ihr „substanzielles“ Maßnahmen-Paket vor, um den Schaden zu begrenzen. Inhalt:

  • Russischer Partner. Laut ÖSTERREICH-Recherchen wird ein potenziellen Partner aus Russland präsentiert, der als strategischer Investor einsteigt.
  • Abflug aus Jersey. Die eingeschränkten Informationspflichten nach Jersey-Recht sollen fallen. Möglicherweise wird sogar der Firmensitz auf der Kanal­insel aufgegeben.
  • Abgänge. Es soll auch personelle Konsequenzen geben. Denn bei den Aktien-Rückkäufen wurden über 20 Euro pro Stück bezahlt. Jetzt nennt MEL-Sprecher Rupert-Heinrich Staller einen Wert von 15 Euro pro Aktie. Der Gesellschaft sei also laut Juristen rund 500 Millionen Euro Schaden entstanden.

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Bei der FMA-Prüfung geht es darum, ob die MEL Vorschriften verletzt hat, worauf Klagen begründet werden könnten. Außerdem wird untersucht, wie eng die Verflechtungen der MEL mit der börsenotierten MIP und der Meinl Bank waren.

Nervöse Klientel
Stellt die FMA etwa eine Beherrschung durch Julius Meinl V. und seine Meinl Bank fest, geht es an deren Existenz – weil die Klagen durchschlagen. Schon jetzt ist die Meinl Bank in Troubles. Erstens hat ihre noble Klientel wenig Freude, wenn die FMA im Haus ist. Zweitens wurden den Kunden wie dem Papierindustriellen Thomas Prinzhorn jede Menge MEL-Aktien ins Depot gelegt.

Es geht um Untreue
Zwei ganz entscheidende Fragen, die von der FMA geklärt werden sollen: Sollte die Kursstützung bei der MEL guten Wind für den Börsegang der Meinl International Power mit Karl-Heinz Grasser machen, wie allgemein vermutet wird? Das würde nämlich laut Rechtsanwälten in Richtung Strafrecht (Untreue) führen, weil die Aktionäre im Interesse einer anderen Gesellschaft geschädigt worden wären.

Rätsel um Geld
Und: Wem gehören die 150 Millionen „partly paid shares“ (teilbezahlte Aktien), die auf einem Depot der Meinl Bank liegen? Sie wurden „als Giftpille“ ausgegeben, um eine befürchtete feindliche Übernahme der MEL (durch Immofinanz) zu verhindern. Aus dem Umfeld von Julius Meinl ist zu hören, sie seien im Besitz von „freundlichen Investoren“ und könnten durch die MEL wieder eingezogen werden. Viele Insider gehen davon aus, dass sie Meinl oder seiner Bank gehören, die dann die MEL beherrschen würden.




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