20. November 2007 15:27

Kleines Glücksspiel 

Stadt Wien klagt Novomatic

Die Novomatic-Spielautomaten entsprechen nicht dem Glücksspielgesetz, dies behauptet Stadträtin Ulli Sima und hat den Glückspielkonzern angezeigt.

Stadt Wien klagt Novomatic
© APA

Jeder kennt die Produkte des Glücksspielherstellers Novomatic. Ob es die "Admiral"-Wettcafés sind oder die Automaten beim Wirten. Auch Alfons Haider macht Werbung für den Konzern.

Die Stadt Wien hat nun Novomatic wegen illegalen Glückspiels bei der Staatsanwaltschaft Wien angezeigt. Das berichtet die Stadtzeitung Falter in ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe. Stadträtin Ulli Sima (S) und die für das Veranstaltungwesen zuständigen MA 36 hegen demnach Bedenken, ob die in Wien aufgestellten Novomatic-Automaten wirklich dem Glückspielgesetz entsprechen.

"Unkontrollierter Jugendschutz"
Das Gesetz sieht beim sogenannten "kleinen Glücksspiel" vor, dass pro Spiel nur 50 Cent Einsatz und 20 Euro Gewinn vorgesehen sind. Doch diese Bestimmungen würden umgangen. "Ich habe mir die Wiener Wettcafes angeschaut", so Sima: "Ich bin überrascht, wie viele junge Leute und auch Hausfrauen an den Automaten ihr Geld verspielen." Vor allem die kleinen Wettcafes stören Sima: "Dort lässt sich der Jugendschutz nicht kontrollieren."

Gerichtliche Sachverständige voreingenommen?
Das Unternehmen soll offensichtlich massives Lobbying zugunsten der Automaten betrieben haben. Ein Bezirksinspektor habe festgehalten, dass im Umfeld der Novomatic "Sachverständige durch das Anbieten von gut honorierten Beraterverträgen für objektive Ermittlungen nicht mehr herangezogen werden können." Zeugen, so ein Aktenvermerk, würden durch Klagen eingeschüchtert. Die Novomatic habe laut Polizei einen "Schutzwall aufgebaut, um sich gegen behördliche Verfolgung zu schützen".

Wiener Polizisten auf "Champagner und Prostituierte" eingeladen
In einem Aktenvermerk hält das Landeskriminalamt die Aussagen ehemaliger Novomatic-Mitarbeiter fest, die unter der Wahrung ihrer Anonymität angeben, es seien hochrangige Wiener Polizisten auf "Champagner und Prostituierte" eingeladen und Automaten fürs Finanzamt frisiert worden.

Novomatic weist Vorwürfe zurück
Nach Angaben des Novomatic-Sprechers Hannes Reichmann geht es lediglich um das Zusatzspiel "Action Game". Ein Beamter der Stadt sei vor einigen Monaten bei zwei damit ausgestatteter Automaten zu der Beurteilung gelangt, dass dieses gegen die Wiener Limits für das "kleine Glücksspiel" verstoße.

Seit Jahren in Verwendung
Tatsächlich werde das Spiel aber seit Jahren eingesetzt und sei immer genehmigt worden. "Deshalb und gestützt auf viele Rechtsgutachten sind wir der Meinung, dass dieses Spiel sehr wohl den geltenden gesetzlichen Bestimmungen entspricht", sagte Reichmann zu der Sachverhaltsdarstellung.




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