26. März 2008 21:07

Vertriebsehe 

"Städtische" kauft "Erste"-Versicherungssparte

Am Mitwoch verkaufte die "Erste Bank" ihre Versicherungssparte an die "Wiener Städtische".

"Städtische" kauft  "Erste"-Versicherungssparte

Dass Erste Bank und Wiener Städtische einmal aneinander rücken sollten, galt in der Finanzbranche als ein offenes Geheimnis. Mittwoch Abend nach Börseschluss wurde nun verkündet, dass sich die Erste Bank ganz aufs Bankgeschäft konzentrieren will und ihre Versicherungstöchter (s Versicherung mit Osttöchtern, BCR-Versicherungen) bis zum Herbst für 1,445 Mrd. Euro an die Wiener Städtische Versicherung (Vienna Insurance Group) verkauft. Die zugleich besiegelte Vertriebskooperation der beiden börsenotierten österreichischen Häuser ist auf Jahrzehnte angelegt.

Das zunächst 15 Jahre laufende Vertriebsabkommen bedeutet, dass Versicherung und Bank in allen Ländern, wo sie beide aktiv sind, eine "Preferred Partnership" unterhalten. Darunter fallen neben Österreich Kroatien, Rumänien, Tschechien, Serbien, die Slowakei, die Ukraine und Ungarn. Die Vertriebsvereinbarung verlängert sich automatisch um 10 Jahre, wenn sie nicht 12 Monate vor Ablauf durch einen der beiden Partner gekündigt wird. Damit erhoffen sich beide Häuser Synergien. Beide Parteien verpflichten sich per Vertrag, die Produkte des jeweils anderen Partners bevorzugt über ihr jeweiliges Vertriebsnetz zu vertreiben. In der Sachversicherung wurde schon bisher kooperiert.

Mittwoch Vertrag unterschrieben
Das Vertragswerk wurde heute im Anschluss an die Beschlüsse in den Aufsichtsräten der beiden Häuser von den Generaldirektoren Andreas Treichl (Erste Bank) und Günter Geyer (Vienna Insurance Group) unterschrieben. Die Städtische holt sich dafür und für weitere Zukäufe im Osten frisches Geld über 1,2 bis 1,4 Mrd. Euro: junge Aktien werden für bis zu 1 Mrd. Euro emittiert, die Städtische-Hauptaktionärin zieht dabei mit und bleibt bei rund 70 Prozent. Ein paar hundert Millionen holt sich die Versicherung via Hybrid-Emission.

Mit dieser Transaktion stellten Erste Bank und Wiener Städtische "unter Beweis, dass es für eine langjährige und ausgezeichnete Kooperation zwischen unabhängigen Partnern keiner nennenswerter eigentumsrechtlicher Verbindungen bedarf", erklärte Erste-Chef Treichl am Abend in einer Mitteilung.

1,445 Mrd. Euro-Deal
Der Preis der Transaktion entspreche mit 1,445 Mrd. Euro einem Preis-Prämienverhältnis von 1,2x für 2007. Auf Basis der Bewertung von 100 Prozent an den Gesellschaften ergäbe sich ein Kaufpreis von 1,6 Mrd. Euro. Der Nettoertrag werde in der Erste Bank zur Stärkung der Eigenkapitalbasis verwendet. Die Kernkapitalquote werde so um rund 70 Basispunkte steigen. Die Finanzziele für 2008 und 2009 blieben - ohne Berücksichtigung dieser Transaktion - unverändert, ergänzte die Bank am Abend.

Eine Mrd. Nettoeffekt
Für die Erste Bank-Bilanz schlägt sich der Deal folgendermaßen in Zahlen nieder: Der auf Konzernebene ergebniswirksame Nettoeffekt (nach Steuern und Minderheiten) beträgt nach Bank-Angaben knapp eine Milliarde Euro. Dieser Wert berücksichtige die bestehenden Buchwerte der einzelnen Gesellschaften. Die ebenfalls inkludierte Vertriebsprämie werde über die Laufzeit von 15 Jahren abgegrenzt, hieß es. Daher werde für das Jahr 2008 ein positiver Beitrag von über 600 Mio. Euro zum Jahresüberschuss der Erste Bank erwartet. Der Ertrag aus dem Verkauf der lokalen Versicherungstöchter sowie aus dem Abschluss der Vertriebsvereinbarungen werde in die Ergebnisrechnung der lokalen Verkäuferbanken fließen.

Nummer eins im CCE-Raum
Folgende Versicherungen wechseln in den Konzern der Städtischen: Die s Versicherung (Sparkassen Versicherung AG) ist die zweitgrößte österreichische Lebensversicherung. Das jährliche Prämienaufkommen (verrechnete Bruttoprämie) in Österreich betrug 2007 rund 808,5 Mio. Euro. Die viertgrößte Versicherung in Tschechien, Pojistovna Ceske sporitelny, a.s. (PCS), die zu 55,25 Prozent der Erste-Tochterbank Ceska Sporitelna und zu 44,75 Prozent der s Versicherung gehört, hatte 2007 ein Prämienaufkommen von 232,9 Mio. Euro. Die neuntgrößte Versicherung der Slowakei, die Poistovna Slovenskej sporitelne, a.s., gehört zu je einem Drittel Erste Bank, Slovenska Sporitelna-Bank sowie s Versicherung. Jährliches Prämienaufkommen: 24,8 Mio. Euro. Mit Prämien von 8,9 Mio. Euro ist die kroatische Erste Sparkassen osiguranje d.d. za zivotno osiguranje, Nummer 12 im kroatischen Lebensversicherungsmarkt. Sie gehört zu 26 Prozent der Erste Bank Croatia und zu 74 Prozent der s Versicherung. Ganz der s Versicherung gehört in Ungarn die Erste Sparkassen Biztosito Zrt. Prämien 2007: 36 Mio. Euro. In Rumänien hatten die BCR-Töchter BCR Asigurari de Viata und BCR Asigurari 2007 Prämienvolumina von 24,8 Mio. Euro (Leben) bzw. 155,1 Mio. Euro (Sach).

Versicherungs-Generaldirektor Günter Geyer erklärte am Abend, dass sein Haus mit der jetzigen Akquisition und gemessen am Prämienvolumen als Versicherungsgruppe Nummer eins unter den in Zentral/Osteuropa (CEE) international tätigen Versicherern und ein führender Anbieter in der Lebensversicherung wird.

Fünf Prozent bleiben bei "Ersten"
Nach Abschluss des Deals wird die Vienna Insurance Group mit rund 95 Prozent an der s Versicherung und deren Lebensversicherungs-Töchtern beteiligt sein, die restlichen 5 Prozent bleiben bei der Erste Gruppe. An der BCR Asigurari kauft die Vienna Insurance Group einen 88,5-Prozent-Anteil von der Erste Bank, der Rest bleibt im Besitz der bisherigen Minderheitsaktionäre. Basierend auf verrechneten Bruttoprämien im Geschäftsjahr 2007 kommen mit der Transaktion fast 1,3 Mrd. Euro an zusätzlichem Prämienvolumen - überwiegend im Bereich Leben - für die Städtische dazu.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |
Facebook Kommentare