18. November 2009 07:21

Finanzspritze 

Streit um 160 ORF-Millionen

Wie ÖSTERREICH angekündigt hatte, wird Grasl ORF-Finanzchef. Die rot-schwarze ORF-Einigung im Detail: mehr Geld, mehr Frauen & viel Kritik...

Streit um 160 ORF-Millionen
© APA

Kaum haben sich SPÖ und ÖVP auf ein neues ORF-Gesetz geeinigt, ist der Wirbel perfekt.

Die Vertreter des privaten Fernsehens und Radios kritisieren, dass der ORF 160 Millionen von der Regierung zugeschossen bekommt. Die Opposition wiederum sieht im ORF das „Aufblühen des Proporz“. SP-Medienstaatssekretär Josef Ostermayer, der gemeinsam mit VP-Klubchef Karlheinz Kopf das neue Gesetz ausverhandelt hat, freut sich hingegen: „Wir haben damit sichergestellt, dass der ORF in seiner jetzigen Form überlebt.“

160 Millionen Euro
Tatsächlich ist es Ostermayer gelungen, die ÖVP davon zu überzeugen, dem ORF bereits ab 2010 die erste Tranche an Gebühren in Höhe von 50 Millionen Euro zu refundieren – insgesamt sind es 160 Millionen Euro, die der ORF erhält. Dieses Geld ist allerdings an Auflagen gebunden. So muss der ORF die heimische Filmindustrie und das Radio Symphonie Orchester unterstützen. Zusätzlich wird die „unabhängige“ Medienbehörde künftig die Verwendung der ORF-Gelder prüfen. Die ÖVP wollte ursprünglich eine jährliche „Evaluierung“ durch die Regierung. Neu im ORF ist auch eine 45-Prozent-„Frauenquote“.

Grasl als Finanzchef
Wie von ÖSTERREICH angekündigt, wird der Chefredakteur des niederösterreichischen Landesstudios, Richard Grasl, neuer kaufmännischer Direktor. Prölls Wunschkandidat bringt dem ORF somit 160 Mio. Euro (siehe unten). Die bisherige Finanzchefin Sissy Mayerhoffer übernimmt das „Humanitarian Broadcasting“ – und wird damit neue Licht ins Dunkel-Chefin.

Richard Grasl - der 160-Millionen-Euro-Mann des ORF

Er hat selbst den teuersten Fußballer der Welt übertroffen: Real Madrid zahlte nur „läppische“ 93 Millionen Euro für Christiano Ronaldo. Richard Grasl, der derzeitige Chefredakteur des niederösterreichischen Landesstudios, brachte dem ORF hingegen indirekt satte 160 Millionen Euro ein. Denn die ÖVP hatte die Gebührenfundierung auch an Grasls Aufstieg zum kaufmännischen ORF-Direktor gekoppelt. Dass Landeshauptmann Erwin Pröll zu Grasls Fans gehört, dürfte dem 36-Jährigen nicht gerade zum Nachteil gereicht haben. Aber Grasl ist auch der Wunschkandidat von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz gewesen. Immerhin ist der niederösterreichische Betriebswirt nicht nur Journalist. Grasl machte auch ein Post-Graduate an der Schweizer Elite-Uni St. Gallen und arbeitete dort auch als Finanzer.

Und er hat eine erstaunliche Karriere hingelegt: Mit 36 Jahren wird er am 17. Dezember zur Nummer zwei des ORF gekürt.

Seine Vorgängerin Sissy Mayerhoffer hat freiwillig Platz gemacht. Sie wird – wie angekündigt – die „Mrs. Charity“ im ORF.




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