27. März 2009 11:07
Magna Europa bemüht sich, seine Angestellten für einen freiwilligen
Gehaltsverzicht zu gewinnen – als Solidarakt mit den Mitarbeitern in
Kurzarbeit. Magna-Chef Siegfried Wolf soll den Angestelltenvertretern die
Maßnahme persönlich dargelegt haben. Es geht um eine freiwillige Reduktion –
abgestuft je nach Gehaltshöhe.
Bei einer jährlichen Bruttogage bis 50.000 Euro ist von 5 % die Rede. Die
Kürzungen sollen bis in die höchsten Etagen gehen. Betroffen sind alle
Bereiche von Magna Europa, nicht nur Magna Steyr.
Das Top-Management – allen voran Konzerngründer Frank Stronach und
Magna-Boss Siegfried Wolf – geht mit gutem Beispiel voran. Die Magna-Führung
hätte heuer wegen der Autokrise zwar ohnehin deutlich weniger verdient, da
ihre Bezüge extrem erfolgsabhängig sind. Die Magna-Bosse verzichten aber auf
weit mehr: Stronach auf alle Bonus-Zahlungen, Wolf wird weniger als die
Hälfte dessen bekommen, was er in den Vorjahren verdient hat. Laut Trend
waren das rund sechs Millionen Euro.
Gewerkschafter befürchten "Dominoeffekt"
Franz
Gosch, Christgewerkschafter und steirischer AK-Vizepräsident, sah "den
Beginn eines weiteren Krisenszenarios: Wer die Gehälter kürzt, reduziert die
Kaufkraft und weniger Einkommen führt zu noch geringeren Umsätzen".
Dies alles spiele sich unter dem Motto "Solidaritätsaktion"
ab, doch Solidarität sollten vor allem die Aktionäre zeigen und auf die
Dividenden verzichten. Gosch meinte, er befürchte einen Dominoeffekt: "Wenn
andere Industriebetriebe auch in diese Richtung gehen, ist das Chaos perfekt."
Die Unternehmen würden "vergessen, dass sie noch im Vorjahr
hervorragend verdient haben", sagte Gosch.
"Lohnkürzungen bringen keinen einzigen Job"
Magna-Steyr-Arbeiterbetriebsrat
Peter Scherz, auch steirischer AK-Rat des Gewerkschaftlichen Linksblocks
(GLB): "Wir müssen gemeinsam alle Versuche zurückweisen, im Zeichen der
Krise die Gehälter zu kürzen". "Statt einer Stärkung der
Massenkaufkraft soll es nach dem Willen von millionenschweren Managern jetzt
Nullrunden und Gehaltskürzungen geben." Arbeiter und Angestellte
dürfen sich jetzt nicht auseinanderdividieren lassen. Die Beschäftigten des
Grazer Magna-Steyr-Werkes seien nicht schuld an der Krise, "verantwortlich
ist das System des neoliberalen Kapitalismus. Lohnkürzungen bringen keinen
einzigen Auftrag und keinen einzigen Job", sagte Scherz. Außerdem, wer
könne je kontrollieren, ob etwa Wolf wirklich bei einer Gehaltskürzung
mitgehe, da die genaue Höhe seiner Bezüge nicht bekannt sei.
Negative Reaktionen
Der Bundesobmann der Freiheitlichen
Arbeitnehmer, Bernhard Rösch, meinte am Donnerstag in einer Ausendung, am
Mittwochabend sei ohne Vorabinformationen bei Magna Steyr in Graz eine
Mitarbeiter-Sitzung einberufen worden. Es sei die Aufgabe einer
Arbeitnehmervertretung, sofort zu reagieren und sich mit Protest vor die
Mitarbeiter zu stellen. Das Kurzarbeitsmodell der Regierung greife hier
absolut nicht - es sei ein Pleitemodell.
Seitens der GPA-djp und der GMTN hieß es, Einkommenskürzungen seien "sicher
nicht der richtige Weg, um die krisengeschüttelte Industrie wieder auf den
Erfolgsweg zurück zu bringen". Gerade in einer Phase, in der die
Inlandsnachfrage eine der wichtigsten Stützen der Konjunktur darstellt, wäre
eine flächendeckende Strategie der Kürzung von Einkommen ein fataler Weg.
Auch die von der IV verlangte Verschiebung der nächsten Lohn-und
Gehaltsrunde ist für uns "kein Thema", so der
Vize-Bundesgeschäftsführer der GPA-djp, Karl Proyer, und der
Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN), Rainer
Wimmer.