26. Februar 2009 18:01

Finanzkrise 

Talfahrt der Wirtschaft dauert bis Sommer

Ab der Jahresmitte sollte es langsam bergauf gehen. Bis dahin wird es aber vor allem in der Industrie ein dramatisches Minus geben.

Talfahrt der Wirtschaft dauert bis Sommer
© APA/Barbara Gindl

Die Wirtschaftskrise wird zur Jahresmitte ihren Höhepunkt erreichen, sagt Karl Aiginger, Chef des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo). In den kommenden Monaten sei noch mit teilweise dramatischen Abstürzen in der österreichischen Industrie zu rechnen. Ein Minus bei der Produktion in Höhe von zehn Prozent sei ohne Weiteres möglich, so Aiginger.

Im Sommer werde sich die Lage stabilisieren, so der Wifo-Boss. Ab diesem Zeitpunkt sollten die Konjunkturpakete wirken, zudem müsste sich bis dahin der Finanzkreislauf des Bankensystems normalisiert haben.

Von hohem Niveau aus
Die aktuelle Krise sei jedenfalls die größte und schwerste in den vergangenen Jahrzehnten. Aiginger betonte gestern aber, dass der Abschwung vom extrem hohen Wohlstands- und Wirtschafts-Niveau aus erfolge. Daher seien auch Vergleiche mit der Krise in den dreißiger Jahren nicht zulässig.

Die Arbeitslosigkeit werde zwar steigen, aber bei Weitem nicht in jenem Ausmaß, in dem in den vergangenen Jahren neue Jobs geschaffen wurden.

Dass die Wifo-Konjunkturprognose von Ende Dezember (minus 0,5 Prozent für 2009) nach unten revidiert wird, ist fix. In welchem Ausmaß, ist aber noch unklar. Aiginger wollte sich dazu nicht konkret äußern. Er ließ aber durchblicken, dass Österreich besser dastehe als etwa Deutschland – dort ist für 2009 von einem Minus von mehr als zwei Prozent die Rede.

Minus 1,6 Prozent
Die Bank Austria hatte erst vor Kurzem für die heimische Wirtschaft ein Minus von 1,6 Prozent im laufenden Jahr prognostiziert.

Österreich profitiere von den in den vergangenen Jahren aufgebauten Reserven, zudem sei die Industrie extrem gut aufgestellt. Und die starke Präsenz auf den Ost-Märkten („auch wenn dieser Turbo kurzfristig ausfällt“) sei nach wie vor ein Standort-Vorteil, sagte Aiginger.

Die in den vergangenen Tagen geäußerten Befürchtungen, dass die wirtschaftliche Lage in Zentral- und Osteuropa außer Kontrolle gerät, hält Aiginger für unzulässig. Mit geeigneten internationalen Hilfsmaßnahmen könne die Situation rasch stabilisiert werden.




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