02. Juni 2008 07:35

Spitzel-Skandal 

Telekom-Chef Obermann geht in die Offensive

Ex-Telekom-Chef Ricke gibt zu, Nachforschungsaufträge gegeben zu haben. Nachfolger Obermann geht in die Aufklärungs-Offensive.

Telekom-Chef Obermann geht in die Offensive
© DPA

„Wenn jemand behauptet ich sei in diese Affäre verwickelt, ist das eine Sauerei“, sagt der Vorstand der Deutschen Telekom, René Obermann, im Interwiew mit dem Magazin Focus zur Causa um die Bespitzelung von Aufsichtsräten und Journalisten durch das Unternehmen. Zuvor hatte der Spiegel berichtet, dass 2006 Spitzelaufträge über eine gemeinsame Kostenstelle von Konzernchef Obermann und Ex-Telekom-Aufsichtsratchef Klaus Zumwinkel bezahlt worden seien. Wenn, sei das ohne sein Wissen geschehen, so Obermann in der Bild am Sonntag. Er habe „nichts vertuscht“.

Aufklärungs-Offensive
Angesichts der wachsenden Ausmaße des Skandals, geht Obermann voll in die Offensive und verlangt kompromisslose Aufklärung. Wie berichtet, wurden nicht nur Telefondaten ausspioniert, um „undichte Stellen“ im Unternehmen zu lokalisieren, sondern es sollen auch Bankdaten ausgeforscht worden sein. Obermann holte nun den ehemaligen deutschen Bundesrichter Klaus Schäfer als unabhängigen Berater ins Boot. Er soll helfen, die Schwachstellen im Sicherheitssystem der Telekom aufzuspüren.

„Daten sind sicher"
Der Imageverlust für die Deutsche Telekom ist enorm. Das Thema Datensicherheit ist extrem sensibel. „Ich kann unseren Kunden versichern: Ihre Daten sind bei uns sicher. Daran ändert das Fehlverhalten einiger weniger schwarzer Schafe in der Vergangenheit nichts“, so Obermann.

Ricke und Zumwinkel
Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen Obermanns Vorgänger Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel. Letzterer war kürzlich im Zuge der Affäre um Steuerhinterziehung via Liechtenstein in die Schlagzeilen geraten. Deshalb musste er als Chef der Deutschen Post und als Telekom-Aufsichtsratsboss den Hut nehmen.

Ricke hat unterdessen zugeben, seinerzeit den Auftrag zur Suche nach Quellen von Indiskretionen gegeben zu haben. Die momentan diskutierten kriminellen Schnüffel-Methoden und Bespitzelungen habe er aber nicht angeordnet.




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