23. Dezember 2008 10:09

Ägypten-Deal 

Telekom verhandelt mit Orascom über Fusion

Die im Sommer bereits weit fortgeschrittenen Gespräche sind wieder im Laufen. Jetzt muss vor allem die Regierung vom Deal überzeugt werden.

Telekom verhandelt mit Orascom über Fusion
© APA

Die Gespräche zwischen der Telekom Austria (TA) und der ägyptischen Orascom über eine Fusion werden offenbar wieder intensiver. Der Deal war heuer im Sommer bereits sehr weit fortgeschritten – auch auf politischer Ebene gab es eine weitgehende Einigung. Die Aufkündigung der Großen Koalition Mitte dieses Jahres stoppte das Milliarden-Geschäft dann aber abrupt.

ÖIAG braucht Auftrag
Denn ohne finale Zustimmung der Politik kann die Fusion nicht durchgezogen werden. Die Staatsholding ÖIAG ist mit 27,4 Prozent der Anteile größter TA-Aktionär, und die Regierung muss (wie jetzt beim Verkauf der von der ÖIAG gehaltenen (AUA-Anteile) einen Privatisierungsauftrag erteilen.

Jetzt müsste auch die neue Regierung davon überzeugt werden, dass ein Zusammengehen der TA mit dem ägyptischen Konzern Sinn macht. Daran wird derzeit bereits gearbeitet, so involvierte Investmentbanker. Zudem könnte der Verkauf auch finanziell durchaus gewünscht sein. Der ÖIAG-Anteil ist gemessen am aktuellen Börsenkurs rund 1,4 Milliarden Euro wert.

Idealer Deal
Wie aus Branchenkreisen zu hören ist, wird der Deal mit der Orascom vom TA- und ÖIAG-Management als ideal bezeichnet. Das ägyptische Unternehmen und die TA sind ungefähr gleich groß, gemeinsam mit der milliardenschweren Orascom könnte die Telekom-Austria-Tochter mobilkom austria die Ost-Märkte rascher aufrollen. Wien soll bei einer Fusion auf jeden Fall das Hauptquartier der Ost-Holding werden, vielleicht auch das Zentrum des neuen Konzerns.

Die Orascom wiederum hätte mit dem TA-Konzern ein starkes Standbein in Mittel- und Osteuropa. Bei einem Blick auf die Märkte der beiden Unternehmen ließe sich ein geografischer Bogen zwischen TA-Konzern und Orascom schlagen, sagen die Investmentbanker. So ist das ägyptische Unternehmen etwa bereits in Griechenland und Italien (mit dem Mobilfundbetreiber Wind) aktiv.

Finanzkrise bremst
Derzeit gibt es allerdings einige nicht ganz unwesentliche Punkte, die gegen eine rasche Fusion sprechen. Neben dem Umstand, dass die Politik zustimmen muss, ist vor allem die Finanzkrise ein echtes Problem. Denn mit dem Geschäft sind Finanzierungen in Milliardenhöhe verbunden, und die Banken sind derzeit nicht bereit, derartige Deals durchzutragen.

Schon jetzt sollen aber die Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Fusion bei einer Besserung der Situation auf den Kreditmärkten so rasch wie möglich zustande kommt.

Ägyptischer Milliardär
Der Orascom-Konzern ist in zahlreichen Geschäftsfeldern aktiv und war zuletzt auf rasantem Expansionskurs, die Telekom-Tochter ist Kernstück der Gruppe. Wichtigster Aktionär ist Gründer und Firmenchef Naguib Sawiris, er gilt als reichster Mann Afrikas.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |