21. August 2007 08:13

BAWAG-Prozess 

Tonband belastet Elsner

Die Aufnahme eines Telefonats zwischen Wolfgang Flöttl und Helmut Elsner über ein Geständnis von Flöttl wurde heute im Gericht abgespielt.

Tonband belastet Elsner
© Kernmayer

Ein Telefonat zwischen Investmentbanker Wolfgang Flöttl und Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner über das von Flöttl verfasste Geständnis zu den von ihm verursachten Spekulationsverlusten von über 400 Mio. Euro mit Uni-Bonds ist am Mittwoch im Gerichtssaal im Wiener Landesgericht abgespielt worden. Flöttl rief Elsner nach eigenen Angaben am 14. Dezember 2000 in Wien an und zeichnete das Telefonat damals auf. Richterin Claudia Bandion-Ortner las das Telefonat heute zuerst vor, dann wurde die Aufnahme auch abgespielt. Darin wird über die Ausfertigung eines schriftlichen Flöttl-Geständnisses gesprochen, mit dem Elsner damals den Bank-Vorstand "beruhigen" wollte.

In dem Telefonat sagte Elsner, "Ich hab was konzipiert in der Sache, über die wir gestern geredet haben". Flöttl meinte dann etwas später, "die haben dann keinen Zugriff darauf?", da er offenbar besorgt war, dass die anderen BAWAG-Vorstände das Geständnis gegen ihn verwenden könnten. "Das will niemand verwenden", beruhigte Elsner. "Dafür ist ja niemand verantwortlich von euch", meinte Flöttl dann. "Ja eben, und das muss herauskommen, dass wir eine Vereinbarung hatten, die dann anders gelaufen ist".

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Streit über Zeitpunkt
Über den Zeitpunkt des Telefonats entstand daraufhin zwischen Flöttl und Elsner bzw. ihren Anwälten ein Streit: Während Flöttl vom Datum 14. Dezember 2000 sprach, kann das Gespräch laut Elsner erst später geführt worden sein. Denn im Telefonat spreche er auch von BAWAG-Vorständen, die die Bilanz nicht unterschreiben wollten, als Begründung für seine Forderung nach einem Geständnis Flöttls. Diese Bedenken der Vorstände seien aber erst später gekommen. Die Vorstände Hubert Kreuch, Josef Schwarzecker und Christian Büttner bestätigten heute, sie hätten erst später Bedenken geäußert, die BAWAG-Bilanz für das Jahr 2000 zu unterschreiben.

Flöttl war völlig mittellos
Flöttl habe im Geständnis selber erklärt, er sei völlig mittellos und habe sich nicht bereichert, betonte Elsner heute. Er wollte damals durch das Schriftstück Klarheit schaffen, dass der Vorstand nicht schuld sei an den Verlusten. Wäre der Vorstand nämlich schuld gewesen, hätte er wohl zurücktreten müssen, meinte der damalige Bank-Chef. Das Geständnis Flöttls habe er dann den übrigen Bank-Vorständen gezeigt. "Mir war nicht ganz klar, was er im Geständnis haben wollte", sagte Flöttl.

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Aufgezeichnet, um sich zu schützen
"Warum haben Sie das Gespräch aufgenommen", fragte die Richterin Flöttl. "Um mich zu schützen, um zu zeigen, dass hier ein Auftrag vorliegt von Elsner für ein Geständnis", erklärte Flöttl.

Geheimhaltung zum Schutz der Bank
Die Richterin fragte Elsner, warum er damals Flöttl nicht angezeigt habe, da sich dieser nach Elsners Darstellung doch vereinbarungswidrig verhalten habe, als er in Uni-Bonds selber investiert und fast alles Kapital verloren hatte. Wenn Flöttl die Vereinbarungen gebrochen habe, wäre das doch Untreue bzw. Betrug. "Wir wollten uns ja nicht selbst anzünden", argumentierte Elsner. Ziel sei es gewesen, die neuen Verluste nicht öffentlich werden zu lassen. Diese Geheimhaltung sei aus Verantwortung für die Bank erfolgt.

Bahamas-Urlaub Elsners kam Flöttl teuer
Sehr teuer kam Investmentbanker Wolfgang Flöttl der Urlaub, den Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner mit seiner Familie - auf Kosten von Flöttl - im August 2000 auf den Bahamas verbrachte. Nicht nur, dass sich Elsner dazu ein Privatflugzeug gewünscht habe, wurde die Geschichte auch noch dadurch verteuert, dass laut Flöttl der Hund von Elsner, ein Labrador, während dem Flug "äußerln" musste. Die dafür notwendige Zwischenlandung auf den Azoren führte zu "Extrakosten" von 10.000 Dollar. "Das habe alles ich bezahlt", so Flöttl heute im BAWAG-Prozess.

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Elsner widersprach diesen Angaben. Die Zwischenlandung sei nur deswegen erfolgt, weil das Flugzeug auftanken musste, mit dem Hund habe der Stopp auf den Azoren nichts zu tun gehabt. "Flöttl wollte, dass wir kommen", meinte Elsner heute. Flöttl habe seinen Urlaub mit ihm machen wollen. Der Urlaub sei eine "private Sache" gewesen, über Investitionen habe er dabei mit Flöttl nicht gesprochen.

Flöttl war von BAWAG abhängig
"Elsner hat sich selbst eingeladen", betonte Flöttl heute. "Der Urlaub mit Elsner hat mir nicht viel Spaß gemacht, ich war aber wirtschaftlich abhängig", so Flöttl. Die wirtschaftliche Abhängigkeit habe darin bestanden, dass die BAWAG 2000 sein einziger Kunde gewesen sei und jederzeit ihr Investment zurückdrehen hätte können. Auch seine Frau habe die dominante Persönlichkeit von Elsner nicht ausgehalten und sei bereits nach zwei bis drei Tagen abgefahren.

Elsners Darstellung wich wieder davon ab, Flöttl habe auf dem gemeinsamen Urlaub bestanden. Flöttls Ehefrau Anne Eisenhower sei eine eingefleischte New Yorkerin und habe sich nur in New York wohlgefühlt, nicht am Meer.

Gelächter im Gerichtssaal
Flöttls Aussage, dass neben Tochter und Schwiegersohn auch die Mutter des Schwiegersohns und der Hund Elsners mit waren, führte im beinahe voll besetzten Großen Schwurgerichtssaal zu Gelächter. Der Hund sollte ursprünglich auch unter Quarantäne gestellt werden, was aber vermieden werden konnte.

Was sich am Mittwoch sonst noch beim Prozess getan hat, lesen Sie hier.




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