14. Jänner 2009 12:52

Trotz Rezession 

Tourismusbranche sucht Kellner und Köche

Die heimische Tourismusbranche kämpft mit rückläufigen Nächtigungszahlen. Trotzdem herrscht Mangel an Arbeitskräften - vor allem bei Köchen und Kellnern.

Tourismusbranche sucht Kellner und Köche

"Na dann kommen halt Sie zum Abwaschen, wenn Sie mir niemanden vermitteln können", bekommt Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice Österreich (AMS), eigenen Angaben zufolge hin und wieder von genervten Hoteliers zu hören. Die Tourismusbranche meldet dem AMS rund 85.000 freie Stellen im Jahr - bei einem Beschäftigtenstand von rund 170.000, sagte Kopf beim Jahreskongress der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in Velden am Wörthersee.

Köche und Kellner gesucht
Besonders eklatanter Mangel herrsche an Köchen und Kellnern. Der Bedarf an - vorwiegend jungen - Mitarbeitern steigt, das Angebot sinkt.

Die Zahl der österreichischen Arbeitslosen, die im Dezember 2008 insgesamt um gut 8 Prozent angestiegen ist, sei ein Problem der großen Betriebe - etwa in der Automobilindustrie -, aber nicht des Tourismus. Selbst im Dezember nahm die Zahl der offenen Stellen hier laut Kopf noch zu.

Buchungsrückgang
Mittelfristig werde auch der Gästeansturm auf Österreich noch weiter zunehmen. Für 2009 und 2010 erwartet das Institut für Höhere Studien (IHS) noch eine Stagnation bei den Ankünften, das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) rechnet für heuer wie berichtet mit einem Nächtigungsminus von 2 bis 2,5 Prozent. "2010 kann es für uns dramatischer werden als 2009", meinte ÖHV-Präsident Sepp Schellhorn, denn die Branche hinke der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung üblicherweise um ein Jahr hinterher.

Geringe Verweildauer
Im Fremdenverkehr arbeiten überwiegend junge Arbeitnehmer, die Verweildauer im Job ist gering. Nach zehn Jahren sei nur noch weniger als ein Viertel im Tourismus tätig, berichtete der Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS), Bernhard Felderer. Die Überalterung der Gesellschaft sei ein großes Problem, das er auf die Tourismusbranche zukommen sieht. Wenn die Arbeitnehmer älter werden und eine eigene Familie gründen wollen, sinke naturgemäß die Mobilität.

Touristen werden immer älter
Nicht nur die im Durchschnitt immer älter werdenden Arbeitnehmer, sondern auch die älter werdenden Touristen seien ein Thema, mit dem sich die Hoteliers beschäftigen müssten, ist auch Kopf überzeugt. Im Grunde sei der Tourismus aber eine sehr glückliche Branche, denn die Wellness- und Gesundheitsentwicklung werde es weiter geben, meint Unternehmensberater Othmar Hill.

Doch: "Die Mitarbeiter von morgen werden nicht der Franz von der Alm und die Mitzi aus dem Dorf sein, sondern der Mirko aus Belgrad und die Fatima aus Istanbul", formulierte er spitz. Auch die ÖHV-Präsidenten Schellhorn und Peter Peer sowie IHS-Chef Felderer sehen im Zuzug von Ausländern eine Möglichkeit zur Lösung des Arbeitskräftemangels im Inland.

"Nicht wen lassen wir herein, sondern wie laden wir ein?" lautet künftig die Aufgabenstellung betreffend Fachkräftezuwanderung aus Europa, betonte AMS-Direktor Kopf. Der Fremdenverkehr ist wichtig für die österreichische Wirtschaft. Immerhin generiert er 8,8 Prozent des BIP - die gesamte Freizeitwirtschaft wie Bergbahnen und Tennisclubs miteingerechnet sind es sogar 16 Prozent.

Im Kampf um die besten Köpfe rangiere laut Martin Poreder, Geschäftsführer der Karriereplattform kununu.com, die Arbeitgeberattraktivität ganz weit oben. Dazu zählten Lohnnebenleistungen, Arbeitszeiten, Betriebsklima oder Aufstiegsmöglichkeiten.

Hotel Ronacher als Beispiel
Als Positivbeispiel in der Branche gilt etwa die Führung des Thermenhotels Ronacher, das 180 Mitarbeiter beschäftigt und 45 Lehrlinge ausbildet. Ein Mitarbeiter sei nur für das seelische Wohl der Jugendlichen zuständig, die Hotelleitung rege zum Nachholen der Matura in der Freizeit an, stelle den Mitarbeitern den Genuss des hauseigenen Spa-Bereichs ab 19.00 frei und biete dem Etagenpersonal einmal wöchentlich ein Rückentraining an, berichtete Simone Ronacher, die Sprecherin des ÖHV-Kärnten, von ihren Versuchen, Mitarbeiter langjährig an das Unternehmen zu binden.




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