31. Juli 2008 13:31

6 Mio. Euro Schulden 

Traditionsunternehmen Hämmerle geht in Konkurs

Das Dornbirner Textilunternehmen Hämmerle geht in Konkurs. Man steht mit 6 Mio. Euro in den roten Zahlen, 312 Mitarbeiter sind betroffen.

Traditionsunternehmen Hämmerle geht in Konkurs
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Das Dornbirner Traditionsunternehmen "F.M. Hämmerle Textilwerke GmbH & Co KG" hat am Landesgericht Feldkirch wie bereits vergangene Woche angekündigt Konkursantrag eingebracht. Nach Angaben des Kreditschutzverbands von 1870 (KSV) beläuft sich die Höhe der Schulden auf rund sechs Mio. Euro. Von der Insolvenz sind 312 Mitarbeiter und rund 300 Gläubiger betroffen. Noch vor 20 Jahren war F.M. Hämmerle mit 2.200 Mitarbeitern das größte Textilunternehmen Österreichs gewesen.

Sinkender Umsatz
Als Grund für die nunmehrige Zahlungsunfähigkeit hat Geschäftsführer Josef Hahnl bereits vor einer Woche den im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent geringeren Auftragseingang genannt. Der drastische Umsatzeinbruch im Juli und die vorhersehbar große Verfehlung der budgetierten Umsätze für die nächsten Monate waren schließlich der Auslöser für den Konkursantrag. Die Marktbedingungen für Textilindustriebetriebe in Europa hätten sich dramatisch verschlechtert.

Zwangsausgleichs geprüft
Ob das Unternehmen im Wege eines Zwangsausgleichs zu sanieren ist, werde in den nächsten Tagen geprüft, so Peter Mayer vom KSV in Feldkirch. Grundsätzlich bestehe Interesse an einer solchen Lösung. Es sei Anlage- und Umlaufvermögen in Form von Vorräten vorhanden, deren Wert man aber noch nicht beziffern könne. In der Schuldenhöhe von sechs Mio. Euro sind laut Mayer allfällige Ansprüche von Dienstnehmern, die sich auf Grund von Beendigungen von Dienstverhältnissen ergeben könnten, nicht enthalten.

Von der Insolvenz ist nach Angaben von Hahnl die Liegenschaft von F.M. Hämmerle in Dornbirn nicht betroffen, da sie einer anderen Gesellschaft gehöre. Auch nicht unmittelbar betroffen sei das Joint Venture mit dem indischen Partnerunternehmen Vardhman.

Unterstützung für Mitarbeiter
Landeshauptmann Herbert Sausgruber (V) hat den Mitarbeitern von F.M. Hämmerle ebenfalls schon in der Vorwoche Unterstützung zugesagt. Es werde eine Arbeitsstiftung eingerichtet, betonte der Landeshauptmann. Von den 312 Beschäftigten sind laut Angaben der AK 160 Arbeiter. Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt beurteilte AK-Präsident Hubert Hämmerle insofern als schlecht, als ihr Altersdurchschnitt bei rund 50 Jahren liege.

F.M. Hämmerle wurde im Jahr 1836 gegründet und zählt zu den traditionsreichsten Unternehmen Vorarlbergs. Das Unternehmen ist in den Bereichen Garnfärberei, Weberei und Texilveredelung tätig, produziert Bettwäsche und Berufskleidung. Die Schwierigkeiten begannen zum Ende der 1980er-Jahre. Als Hahnl die Geschäftsführung im Jahr 2000 übernahm, trat er als Sanierer an.

In den vergangenen Jahren mussten in Vorarlberg eine lange Reihe von Textilpleiten zur Kenntnis genommen werden, zuletzt war 2007 die Wirkwarenfabrik Wolff GmbH mit 320 Mitarbeitern in Hard (Bezirk Bregenz) und 26 Mio. Euro Passiva betroffen. Auch der bisher größte Konkurs in Vorarlberg ging auf das Konto einer Textilfirma: Die Benedikt Mäser Textilwerke KG in Dornbirn ging im Jahr 1991 mit Passiva von 91 Mio. Euro in die Pleite.




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