30. Juni 2008 16:10

Polen 

Tusk holt 900 Soldaten aus dem Irak nach Hause

Polen zieht sich aus dem Irak zurück. Rund 900 Soldaten hat Warschau stationiert. Seit Beginn Mission kamen 22 ums Leben.

Tusk holt 900 Soldaten aus dem Irak nach Hause
© Reuters

Die polnische Armee übergibt den Irakern am Montag die Kontrolle über die Provinz Qadisiyya (Kadisiya). Das ist der Auftakt für den Abzug der polnischen Streitkräfte aus dem Irak. Eine Feier wurde aber abgeblasen - offiziell wegen schlechten Wetters, inoffiziell jedoch aus Angst vor Anschlägen.

Die feierliche Übergabe der Kontrolle über der Provinz unter Teilnahme des polnischen Verteidigungsministers Bogdan Klich und des Kommandanten der alliierten Kräften im Irak sollte in der polnischen Militärbasis "Echo" in Diwaniya stattfinden. Sie wurde aber in letzten Moment abgesagt. Das polnische Kommando der multinationalen Division Zentrum-Süd gab als offiziellen Grund schlechte Wetterbedingungen an. Es wurden auch alle Flüge gestrichen. "Es gab keine Bedrohung, das ist ein totales Märchen", kommentierte Klich im Fernsehsender TVN24 die Gerüchte über einen möglichen Terroranschlag.

900 Soldaten
Das polnische Kontingent im Irak zählt rund 900 Soldaten. Seit dem Anfang der Mission 2003 sind 22 Soldaten und fünf Zivilisten aus Polen ums Leben gekommen. Den Rückzug der polnischen Truppen aus dem Irak bis Oktober 2008 kündigte Premier Donald Tusk Ende vergangenen Jahres an. Die letzten Soldaten sollen Mitte Oktober irakischen Boden verlassen. Ab dem morgigen Dienstag werden die Polen weder an regelmäßigen Patrouillen noch an Kampfaktionen teilnehmen. Nach dem Rückzug der Truppen wird nur ein Dutzend Offiziere im Irak bleiben, die im Rahmen der NATO-Mission die irakische Armee schulen werden.

Die Erwartungen der polnischen Regierung, dass dank der Teilnahme an der Irak-Mission polnische Firmen von Wiederaufbau des Irak profitieren würden, haben sich nicht erfüllt. In den vergangenen fünf Jahren haben Unternehmen aus Polen etwas mehr als 400 Millionen Dollar (254 Mio. Euro) im Irak verdient. Den Großteil davon ging an den Konzern Bumar, der Militärausrüstung in den Irak lieferte. Im Wettbewerb um irakische Investitionen und Aufträge gewannen jedoch vor allem Unternehmen aus Staaten, die keine Soldaten in den Irak geschickt hatten, wie Frankreich und Deutschland. "Wir haben verloren, verlieren noch immer und werden auch weiterhin verlieren, bis die polnische Diplomatie mit der Werbung für die polnischen Wirtschaft anfängt", sagte der Chef des polnischen Business Center Club, Marek Goliszewski, gegenüber der Zeitung "Dziennik".




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