20. November 2008 17:05

Gewerkschaft dagegen 

Überbrückungsmodell gegen Kündigungen

Der Präsident der Industriellenvereinigung schlägt ein Überbrückungsmodell für Betriebe vor, wo wegen Lücken beim Auftragseingang Kündigungen drohen.

Überbrückungsmodell gegen Kündigungen

Statt Mitarbeiter zu feuern sollten diese im Unternehmen gehalten werden, auch wenn vorübergehend keine Arbeit da sei. An den dadurch entstehenden Kosten sollten sich Mitarbeiter, Unternehmen und Staat beteiligen, jeder müsse seinen Teil beitragen. "Wir haben eine Notsituation, wir können nicht bis zum Frühjahr warten", warnte der IV-Präsident. Es gebe noch eine "alte" Regierung, und auch die neue Regierung werde wohl rasch kommen, erwartet er.

Lohnverzicht und gesenkte Kosten
Die Kosten für das vorgeschlagene Überbrückungsmodell sollten nach Wunsch der IV geteilt werden: Der Arbeitnehmer würde nur mehr 75 Prozent des Nettolohns erhalten, das Unternehmen und die öffentliche Hand würden die Finanzierung des nicht-gekündigten Mitarbeiters gemeinsam übernehmen. Dabei sollten die Fixkosten für den Unternehmer auf etwa 30 Prozent gesenkt werden, durch AMS-Gelder oder Schulungen oder auch durch Steuergutschriften sollte die Differenz von Lohnverzicht und Unternehmerzahlung geleistet werden.

Von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich
Zahlreiche große Unternehmen wären bereits an die IV herangetreten um die Diskussion über ein derartiges Modell anzustoßen. Die Details dazu müssten noch ausverhandelt werden, sagte Sorger am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. Das Modell könnte von Betrieb zu Betrieb durchaus anders aussehen. Details zur möglichen Größenordnung von betroffenen Arbeitnehmerzahlen oder welche Unternehmen an so einem Modell interessiert wären wollte er nicht nennen. Die Betriebe werden an die Regierung herantreten, kündigte er an.

Gewerkschaft: "Frivol, unverschämt"
Der Vorschlag der Industriellenvereinigung (IV) stößt bei der Gewerkschaft auf Widerstand. "Frivol, völlig überzogen und eigentlich bis zu einem gewissen Grad unverschämt" lautet die Reaktion von GPA-Vorsitzendem Wolfgang Katzian. "Die Arbeitnehmer sollen doppelt und dreifach zur Kasse gebeten werden", kritisiert Katzian - nach dem massiven Einsatz von Steuergeldern zur Bankenrettung wolle nun auch die Industrie Staatshilfe.

"Völlig falscher Effekt"
Die staatliche Hilfe komme großteils aus den von den Arbeitnehmern bezahlten Massensteuern, der Lohn- und Einkommensteuer und der Mehrwertsteuer, erläutert Katzian. Der von der Industrie vorgeschlagene Lohnverzicht würde sich nicht nur auf die einzelnen Arbeitnehmer negativ auswirken sondern wäre in der jetzigen konjunkturellen Lage ein völlig falscher Schritt, warnt Katzian. "Würden wir jetzt auch zusätzlich Lohnverzicht machen, wäre der Effekt der Krise noch schneller". Durch die Ankurbelung der Inlandsnachfrage solle die Krise zumindest abgedämpft werden.

Vielverdiener sollen beitragen
Besonders vermisst der Gewerkschafter nun den Beitrag jener, die in den letzten Jahren sehr gut verdient haben. "Da muss man schon sehr viel Selbstvertrauen haben, um jetzt zu sagen, da müssen wieder die anderen zahlen und wir tragen nichts dazu bei". Wenn ein Betrieb unter starkem Auftragsrückgang leide sollten zuerst die Möglichkeiten der Kurzarbeit ausgeschöpft werden. Hier seien auch Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer, von Betriebsrat und Gewerkschaft, verankert. Der Verdacht dränge sich auf, dass durch neue Modelle auf Betriebsebene diese Mitbestimmung ausgehebelt werden solle, meint der Gewerkschafter.




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