12. Juli 2009 08:55

Magna-Konkurrent 

Überraschende Wende im Kampf um Opel

Der beglische Riplewood-Ableger RHJI führt intensive Verhandlungen mit GM.

Überraschende Wende im Kampf um Opel
© AP

Im Übernahmekampf um den angeschlagenen deutschen Autobauer Opel zeichnet sich eine überraschende Wende ab. Zwischen dem in Belgien ansässigen Finanzinvestor RHJI und der Opel-Mutter General Motors (GM) in den USA liefen seit Wochen intensive Verhandlungen, berichtete die "Bild am Sonntag". Ziel sei es, noch im Laufe dieser Woche dem GM-Vorstand in Detroit und dem Treuhand-Beirat, der die Mehrheit an Opel hält, ein komplexes Vertragswerk vorzulegen.

Magna in letzter Sekunde austricksen
Vorstandsvorsitzender von RHJI - einer Ausgründung des US-Finanzinvestors Ripplewood - ist der deutsche Bankier Leonhardt Fischer. Er wolle dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna Opel in letzter Minute wegschnappen.

Die in Brüssel ansässige RHJI besserte dem Bericht zufolge ihr ursprüngliches Angebot für Opel in einem wichtigen Punkt nach. Alle deutschen Standorte sollten nach dem neuen Konzept erhalten bleiben, auch das Werk in Bochum, da es "zur Identität der Marke" gehöre. Die langfristige Sicherung des Standortes ergebe sich daraus, dass der neue Opel Zafira in Bochum gefertigt werde.

Garantiebedarf
Der RHJI-Restrukturierungsplan sieht laut dem Zeitungsbericht einen Garantiebedarf der europäischen Staaten mit GM-Standorten von insgesamt 3,8Milliarden Euro vor, die spätestens bis 2014 zurückgezahlt werden sollen. Das sei knapp eine Milliarde Euro weniger als bei Magna, mit einer zudem deutlich kürzeren Rückzahlungsfrist. RHJI wolle den Kreditbedarf minimieren, um die Zinslast für das künftige Unternehmen und die Belastung der Steuerzahler möglichst gering zu halten. Von den rund 52.000 Opel-Jobs in Europa würden laut RHJI-Konzept etwas weniger als 10.000 abgebaut werden, berichtete die Zeitung weiter. Eine Stellungnahme lehnte RHJI demnach ab.

Offene Verhandlungen
Der deutsche Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte der "Bild am Sonntag", die Regierung spreche über einen Einstieg bei Opel "selbstverständlich mit allen, die sich ernsthaft an sie wenden". Er kritisierte zugleich öffentliche Festlegungen von Landesregierungen auf einen Bieter vor Abschluss der Verhandlungen. "Ich warne vor Selbstüberschätzung: Ein Vertragsabschluss zur Sicherung von Opel gelingt nicht deshalb, weil dies eine Landesregierung oder die Bundesregierung so wünscht. Das hängt zunächst und vor allem von den Vertragspartnern ab," sagte Guttenberg.

Zuletzt gab es Berichte, wonach die Verhandlungen zwischen GM und Magna offenbar schleppend verlaufen, und der ebenfalls im Bieterrennen befindliche chinesische Autokonzern BAIC den Magna-Konzern doch noch ausstechen könnte. Ohnehin hatte sich Magna zuletzt über die GM-Führung beklagt, die bei den Verhandlungen über die Zukunft von Opel "hochnäsig" auftrete. Auch Fiat hat ein Angebot für Opel gemacht.




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