06. November 2009 14:25
Nach Warnungen Russlands vor einem neuen Gaskonflikt hat die Ukraine nach
eigenen Angaben ihre Schulden für die Energielieferungen in voller Höhe
beglichen. "Heute haben wir die fälligen 500 Millionen Dollar (336 Mio.
Euro) an Russland gezahlt", sagte die ukrainische Regierungschefin Julia
Timoschenko am Freitag nach Angaben der russischen Agentur Interfax. Damit
schien eine neue Krise zunächst abgewendet.
Weil unklar war, ob die Ukraine zahlungsfähig ist, hatte zuletzt auch der
russische Regierungschef Wladimir Putin die Europäische Union aufgefordert,
bei der Bezahlung der Rechnung zu helfen. Die wichtigsten Gasleitungen für
die Versorgung der EU-Haushalte mit Energie aus Russland laufen durch die
Ukraine.
Bestätigung steht noch aus
Die Gasrechnung gilt
allerdings erst als bezahlt, wenn der russische Gasriese Gazprom dies auch
bestätigt. Timoschenko betonte, dass es schwer gewesen sei, das Geld zu
finden. Die Ex-Sowjetrepublik habe deshalb Mittel aus ihren Währungsreserven
entnommen. Dabei seien sogenannte Sonderziehungsrechte, eine künstliche
Währung, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) gegen 480 Mio. Dollar
eingetauscht worden.
Zuletzt hatte es geheißen, weder das ukrainische Unternehmen Naftogaz
noch der Staat hätten das nötige Geld. Die Suche der Ukraine nach
Kreditgebern scheiterte dem Vernehmen nach. Auch der IWF hatte zuletzt mit
Kreditzusagen gezögert. Die Ukraine steckt mitten im Präsidentenwahlkampf
und setzt seit Monaten die international geforderten Reformen nicht um.
Der Streit um russisches Gas in der Ukraine kocht jedes Jahr hoch. Wegen
der Präsidentenwahl am 17. Jänner 2010, bei der auch Timoschenko antritt,
gilt das Thema aber dieses Mal als besonders heikel. Der jüngste Streit
dürfte nach Einschätzung von Experten nicht beendet sein, weil Präsident und
Kandidat Viktor Juschtschenko eine Korrektur der zwischen Timoschenko und
Putin zu Jahresbeginn geschlossenen Verträge fordert.
Energiekonflikt
Deutschlands größter Gasimporteur warnte vor
einem neuen Energiekonflikt in Europa. "Die Probleme zwischen Russland und
der Ukraine sind nach wie vor nicht gelöst", sagte Ruhrgas-Chef Bernhard
Reutersberg der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag). Niemand wisse, wie lange
die Ukraine ihre Rechnungen noch zahlen könne. Wenn Russland der Ukraine
wieder den Gashahn zudrehe, drohe Europa ein neuer Lieferengpass.
Anfang des Jahres hatte Gazprom wegen offener Rechnungen die Lieferungen
in die Ukraine eingestellt und damit in Teilen Europas für einen Gasnotstand
gesorgt. Hunderttausende Haushalte waren vor allem in Osteuropa von der
Versorgung abgeschnitten. Auch Deutschland hängt zu fast 40 Prozent von
russischen Importen ab. Die Versorgung in Deutschland gilt im Fall einer
Krise über mehrere Wochen gesichert.