10. Dezember 2007 09:25

Dollar-Schwäche 

Verkauf von Airbus-Werken ist schwieriger geworden

Die anhaltende Schwäche des Dollars erschwert den Verkauf der Werkshallen. Frankreich will den Flugzeugbau in der Euro-Zone behalten.

Verkauf von Airbus-Werken ist schwieriger geworden
© EPA/AIRBUS/HO

Die Schwäche des Dollar könnte den Verkauf mehrerer Airbus-Werke bis ins kommende Jahr verzögern. "Die Kaufinteressenten sind vorsichtiger geworden", räumte der Chef des Airbus-Mutterkonzerns EADS, Louis Gallois, in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der französischen Zeitung "Les Echos" ein. "Es ist nun schwieriger geworden, eine Einigung zu finden. Wir arbeiten rund um die Uhr an einer Lösung." Dennoch werde sie womöglich erst Anfang 2008 gelingen. "Wir setzen uns kein Limit", betonte der Franzose. Indes betonte Frankreichs Regierungschef Francois Fillon, der Flugzeugbau müsse in der Euro-Zone verbleiben, er wolle eine mögliche Verlagerung von Werken nach außerhalb nicht zulassen.

Bieter sind abgesprungen
Das EADS-Werk in Augsburg, das zum großen Teil für den Flugzeugbauer Airbus arbeitet, sei "weiterhin in die Diskussion eingeschlossen", sagte EADS-Chef Gallois. In Medienberichten hatte es zuletzt geheißen, EADS sei von den Verkaufsplänen für Augsburg abgerückt. Die Fabrik sollte eigentlich zusammen mit Varel und Nordenham verkauft werden. Der Bieter für alle drei Werke, der Anlagenbauer Voith, war aber abgesprungen.

Europäische Käufer werden favorisiert
Gallois wehrte sich gegen politische Einflussnahme auf den Verkauf. "Unsere Aufgabe ist es, die beste Lösung für Airbus zu finden - im Hinblick auf die Arbeitsplätze und das Unternehmen." Die Verzögerung beim Verkauf habe nichts mit der Politik zu tun. Die Bundesregierung favorisiert angeblich die kapitalschwache Bremer OHB Technology als Käufer der Werke gegenüber der US-amerikanischen Spirit, die aus Teilen des Airbus-Rivalen Boeing entstanden war.

Mittelfristiger Umstieg in den Dollar-Raum?
Die Werksverkäufe sind Teil des Sanierungsprogramms "Power 8" für Airbus, das Milliarden einsparen soll, aber wegen des steigenden Euro-Kurses bereits für nicht mehr ausreichend gehalten wird. Deshalb will die EADS-Spitze Teile der Produktion teilweise in den Dollarraum verlagern. Von Frankreich ist bei diesem Vorhaben nach Angaben des EADS-Großaktionärs Arnaud Lagardere kein Widerstand zu erwarten. Sein Land werde nichts tun, was den Interessen von EADS entgegenstehe, erklärte er am Sonntag in einem Interview des Fernsehsenders LCI und im RTL-Radio. Die Entscheidung für eine zunehmende Verlagerung in den Dollarraum sei keine kurzfristige, sondern eine mittelfristige, fügte Lagardere an.

Heuer 2.000 Fluggeräte verkauft
Gallois betonte weiter, operativ laufe das Geschäft gut. EADS werde in diesem Jahr rund 1.300 Flugzeuge verkaufen und mehr als 700 Hubschrauber. Einer Kapitalerhöhung bei EADS erteilte Gallois eine Absage: Der Konzern werde Ende 2007 netto 4,5 Mrd. Euro in der Kasse haben, und der Mittelzufluss sei in diesem Jahr positiv. "Wir brauchen keine Kapitalspritze."

Frankreich will Werke im Euro-Raum behalten
Frankreichs Regierungschef Fillon will eine mögliche Verlagerung von Werken aus den Ländern der Euro-Zone nicht zulassen. Frankreich werde alles unternehmen, um EADS von entsprechenden Plänen abzubringen, sagte Fillon der Zeitung "Les Echos" (Montag-Ausgabe). Die Regierung sei sich der Probleme bewusst, die der hohe Euro-Kurs besonders für die Luftfahrtsparte Airbus verursache. "Aber Airbus wird diese Probleme nicht durch einen Umzug lösen." Man reagiere auf ein konjunkturelles Problem nicht mit strategischen Entscheidungen, die langfristige Folgen hätten.

Dollar-Schwäche durch Produktivität ausgleichen?
Das Unternehmen müsse stattdessen die Produktivität erhöhen und seine Zulieferer besser unterstützen, forderte Fillon. Deutschland und Frankreich hätten ihre umfangreichen Investitionen in Airbus nicht getätigt, um das Unternehmen in die Dollar-Zone abwandern zu sehen. Der Chef des Airbus-Mutterkonzerns EADS, Louis Gallois, hatte kürzlich erklärt, angesichts des hohen Euro-Kurses habe der Konzern "keine Wahl mehr" und werde seine Flugzeuge künftig vermehrt außerhalb Europas bauen.




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