06. November 2007 21:02

Alarmierende Studie 

Verkehr in Österreich verdoppelt sich bis 2020

Steigender Handel, mehr Transit, geografische Lage: Österreich droht der Verkehrskollaps. Bis 2020 verdoppelt sich der Verkehr.

Verkehr in Österreich verdoppelt sich bis 2020
© dpa

Der österreichische Güterverkehr wird bis 2020 um mehr als die Hälfte der heutigen Verkehrsleistung zulegen, was einem durchschnittlichen Jahreswachstum von drei Prozent entspricht. Leicht über dem Durchschnitt wird der Straßengüterverkehr zulegen, während die Schiene in moderatem Ausmaß Marktanteile verlieren wird. Dies geht aus dem ProgTrans-Report 2007/08 hervor, der Prognosen zum Güter- und Personenverkehr in Europa und Übersee bis 2020 enthält.

Geografische Lage, Außenhandel, Transit
Der starke Außenhandel und die zentrale geografische Lage Österreichs fordern ihren Tribut. So wachsen Importverkehr und Transit deutlich stärker als der Binnenverkehr, erklärte ProgTrans-Geschäftsführer Stefan Rommerskirchen .

Deutliche Zahlen
Rommerskirchen untermauerte die Position Österreichs als Transitland mit deutlichen Zahlen: Fast ein Drittel aller Tonnenkilometer stehen in keinem Zusammenhang mit der österreichischen Nachfrage, sondern werde von den europäischen Nachbarn, insbesondere im Italien-bezogenen Verkehr, generiert. Damit besitzt Österreich nach Luxemburg, Litauen und der Schweiz den vierthöchsten Anteil im Durchgangsverkehr. Absolut gesehen belegt die Transitleistung nach Deutschland und Frankreich sogar den dritten Rang in Europa, mit mehr als doppelt so vielen Transit-Tonnenkilometern als in der Schweiz.

Transitverkehr
In den nächsten 15 Jahren werde der Transitverkehr nochmals um gut die Hälfte anwachsen. Der Großteil davon wird im alpenquerenden Nord-Süd-Verkehr realisiert. Bemerkenswerterweise werde dabei der Verkehr in Richtung Süden (plus 2,4 Prozent p.a.) weniger stark zunehmen als in der Gegenrichtung (mehr als 4 Prozent jährlich).

Weiterhin dynamisch, so Rommerskirchen, werden sich auch die anderen Österreich-bezogenen grenzüberschreitenden Verkehre entwickeln. "Die vielfach erwartete Verkehrslawine aus dem Osten bleibt dennoch aus". Denn die hinter den beeindruckenden Wachstumsraten stehenden absoluten Zahlen gehen, so der Trendforscher, im Güterverkehr Westeuropas beinahe unter. So besitze allein Deutschland einen größeren Güterverkehrsmarkt als ganz Osteuropa zusammengenommen. Die auf österreichischen Verkehrswegen erbrachten Güterverkehrsleistungen werden 2020 diejenigen von Ländern wie Schweden, Rumänien, Finnland oder Ungarn klar übertreffen.

Lesen Sie mehr: So ist die Güterverkehrsleistung

Heute werden auf der Schiene knapp 18 Prozent der europäischen Güterverkehrsleistung abgewickelt (Straße: 77 Prozent). An dieser Dominanz der Straße werde sich auch in Zukunft nichts ändern. In Osteuropa verliere die Bahn nach wie vor überdurchschnittlich hoch Marktanteile. Dies könne auch durch punktuelle Marktanteilsgewinne der Schiene in Westeuropa nicht aufgefangen werden. Weiters setze sich in Europa der "Güterstruktureffekt" weiter fort: Weg von (bahnaffinen) Massengütern hin zu hochwertigen Halb- und Fertigwaren, die vielfach schneller und kostengünstiger mit dem Lkw befördert werden können. Auch über längere Distanzen seien die Angebote der Schiene heute oft (noch) nicht konkurrenzfähig.

Rommerskirchen erwartet allerdings, dass die verkehrspolitischen Maßnahmenpakete im Bahnverkehr, insbesondere die Liberalisierung des Güterverkehrs, künftig vor allem in Westeuropa zu mehr Produktivität führen werden. Diese sollten den Trend zu Anteilsverlusten der Schiene zumindest einbremsen. Ab 2020 werde die Bahn in der Lage sein, zusätzliche Marktanteile zu gewinnen "In Österreich, wo die Anteile der Schiene an den Güterverkehrsleistungen vergleichsweise hoch liegen, wird sich ihr Anteil vorerst noch weiter reduzieren", fasste Rommerskirchen zusammen. "Es könnte aber eine Trendwende geben. Dank schienengerechter Container und anderer effizienzsteigernder Maßnahmen hat die Bahn die Chance, bestehende Märkte besser zu bedienen als heute."

Freuen kann sich, so der Basler Verkehrsfachmann, auch der Air Cargo-Bereich in Österreich. Nach Luxemburg wird er mit jährlichen Wachstumsraten von mehr als vier Prozent die zweithöchste Zunahme bei der Luftfracht in Westeuropa verzeichnen können.




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