05. Mai 2008 15:46

Finanzmarktkrise 

Viele Fusionen als Folge der Finanzkrise erwartet

Die Spitze der Sal. Oppenheim glaubt an zahlreiche Fusionen wegen der Finanzkrise. Diese wäre außerdem noch nicht überstanden.

Viele Fusionen als Folge der Finanzkrise erwartet
© DPA

In den Augen der Sal.-Oppenheim-Spitze ist das Schlimmste in der Finanzmarktkrise noch nicht überstanden. An ihrem Ende werde die Finanzlandschaft nicht mehr so sein wie vorher, prognostizierte Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Europas größter Privatbank, bei einer Pressekonfrenz am Montag in Wien. "Es wird viele Fusionen geben".

In der Krise komme zutage, wer Stürmen standhalten könne. "Bei Schönwetter kann jeder segeln".

Schwierigkeiten noch nicht vorbei
Die Schwierigkeiten seien noch nicht vorbei. Die ursprüngliche US-Hypothekenkrise habe sich zu einer waschechten großen Finanzkrise ausgewachsen, in bisher unvorstellbarem Ausmaß. Sie habe eine Bewertungs- mit anschließender "G&V-Krise" nach sich gezogen, und schließlich zu einer "dramatischen Eigenkapitalkrise" geführt. In Europa seien ausgerechnet jene Großbanken, denen man solches nie zugetraut habe - UBS, Credit Suisse, Deutsche Bank - am meisten getroffen worden.

Sal. Oppenheim habe selber nicht in Subprimes investiert. Im Beteiligungsgeschäft habe man aber Bewertungsverluste hinnehmen müssen. Dennoch habe man 2007 das beste Ergebnis in der Bankgeschichte eingefahren.

"Grausamer" März
Der Monat März sei für die internationale Bankenwelt "der grausamste Monat" gewesen, den er, Krockow, in seiner mehr als 30-jährigen Bankierskarriere erlebt habe. In dem Monat seien die aus der Finanzkrise resultierenden Verluste dieser Branche so hoch gewesen wie in allen sechs Monaten davor. Der kurzfristig größte Schock sei der Beinahe-Zusammenbruch der US-Investmentbank Bear Stearns gewesen. Deren ausstehende Kontrakte hätten mehr als das Eineinhalbfache des Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone umfasst. Eine Pleite hätte die Finanzwelt ins Chaos gestürzt.

An der wegen milliardenschwerer Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt in Schieflage geratenen deutschen IKB ist Sal. Oppenheim mit rund 5 Prozent beteiligt. Laut Krockow wird Sal. Oppenheim seinen Anteil nicht verkaufen, wohl aber werde man sich verwässern lassen, indem man an Kapitalerhöhungen nicht mitziehe.

Staat ungeeignet als Bankeneigentümer
Kritisch bewertet der Privatbanker die "überzogenen" Eigenkapitalrenditevorstellungen von Großbanken, die wohl zu riskanteren Geschäften hingerissen hätten. Ebenso kritisch sieht er, dass viele Institute - etwa die Landesbanken in Deutschland - Aktivitäten außerhalb ihres Geschäftsmodells wählten. "Ich würde mich nie trauen, etwas zu machen, das ich nicht kann." Krockow ist schließlich auch überzeugt, dass der Staat als Bankeneigentümer nicht geeignet ist.




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