20. November 2009 20:36

Porsche und VW 

Weg frei für neuen Auto-Giganten

Die Aufsichtsräte der Konzerne stimmten für eine Fusion.

Weg frei für neuen Auto-Giganten
© AP

Porsche und VW haben die letzten Hürden auf dem Weg zu einem neuen Auto-Giganten genommen. Die Aufsichtsräte der Konzerne stimmten am Freitag in Wolfsburg in getrennten Sitzungen endgültig den Verträgen für ein Verschmelzen der beiden Autobauer zu. Zwei VW-Kontrolleure haben laut "Spiegel Online" gegen das neue Schwergewicht der Automobilbranche gestimmt. Von den Aufsichtsräten der Porsche SE wurden keine Gegenstimmen bekannt. VW-Chef Martin Winterkorn wird die Führung des neuen Auto-Imperiums übernehmen.

Mit Unterzeichnung der sogenannten Durchführungsverträge wird zugleich der Weg für Winterkorn auf den Chefsessel bei der Porsche SE frei. Neuer Finanzchef der Porsche-Dachgesellschaft soll VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch werden. Der Aufsichtsrat der Porsche SE hatte dies bereits im August beschlossen.

Bekanntgabe am kommenden Mittwoch
Um Interessenskonflikte bei den Verhandlungen über die Einzelheiten der Verschmelzung zu vermeiden, wollten Winterkorn und Pötsch aber die Unterzeichnung der Fusionsverträge abwarten. Es wird damit gerechnet, dass die beiden Manager spätestens zur Bilanz-Pressekonferenz von Porsche am kommenden Mittwoch (25. November) offiziell ihre Ämter antreten und sich bei der Präsentation der Ziele des Sportwagenbauers in neuer Funktion präsentieren.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Zustimmung der beiden Kontrollgremien war den Angaben zufolge der Abschluss der Verhandlungen mit dem Bankenkonsortium von Porsche zur Rückführung des bestehenden Großkredits. Dabei werde die Porsche SE den bestehenden Kreditrahmen über 10,5 Milliarden Euro ablösen durch eine neue Kreditlinie, die bis zu einem Gesamtvolumen von 8,5 Milliarden Euro reicht, teilten die Stuttgarter mit. Diese neue Regelung reduziere die Zinslast deutlich. Die Verträge verteilten sich auf drei Tranchen mit Laufzeiten zwischen zwei und drei Jahren.

Auch Katar im Boot
Volkswagen und Porsche hatten sich nach einem beispiellosen Übernahmekampf bereits im August in einer Grundlagenvereinbarung auf einen integrierten Autokonzern geeinigt. Die sogenannten Durchführungsverträge, die Einzelheiten der Verschmelzung regeln, müssen von den Aufsichtsräten beider Unternehmen abgesegnet werden.

Die Wolfsburger wollen noch in diesem Jahr für rund vier Milliarden Euro mit knapp 50 Prozent beim Sportwagengeschäft von Porsche einsteigen. Dazu plant VW eine Kapitalerhöhung im ersten Halbjahr 2010. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 3. Dezember sollen die Aktionäre zustimmen. Im Laufe des Jahres 2011 sollen Volkswagen und Porsche miteinander verschmelzen. Porsche wird als zehnte Marke in den VW-Konzern eingegliedert.

Größte Anteilseigner an dem neuen Konzern werden neben der Porsche Holding, die 51 Prozent an VW erworben hatte, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar, das 17 Prozent der Stimmrechte anstrebt.

Marktführerschaft im Blick
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet damit, dass die VW-Gruppe nach der Übernahme der Stuttgarter klarer Marktführer im Luxussegment wird. Nach seiner Studie wird die Bedeutung des Premium-Marktes weltweit und auch in den gesättigten Automärkten überproportional steigen. Porsche habe bereits einen Marktanteil in dem Segment von über 35 Prozent - Tendenz steigend, erklärte der Autoexperte von der Universität Duisburg-Essen. Kostenvorteile mit gemeinsamen Plattformen für mehrere Modelle sowie dem gemeinsamen Einkauf und der Entwicklung machten deutliche Kostenersparnisse möglich. Der Ausbau der Marktanteile der neuen VW/Porsche-Gruppe sei zu erwarten.

Porsche hatte sich mit der ursprünglich geplanten Übernahme von VW massiv verhoben und einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Auch die Porsche Holding SE plant daher etwa Anfang 2011 eine Kapitalerhöhung. Außerdem wird das österreichische Autohandelsgeschäft von Porsche an VW verkauft. Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und sein Finanzvorstand Holger Härter mussten Ende Juli als Konsequenz der Belastungen durch die missglückte Übernahme von VW ihren Hut nehmen.




Posten Sie Ihre Meinung Neu anmelden Login |