31. März 2009 12:10

OECD-Prognose 

Weltwirtschaft schrumpft heuer gewaltig

Der Welthandel bricht um ganze 13 Prozent ein - Die Zahl der Arbeitslosen wird bis 2011 drastisch zunehmen. Das sagt die OECD voraus.

Weltwirtschaft schrumpft heuer gewaltig
© Wiener Börse

Die weltweite Wirtschaft wird heuer nach Einschätzung der OECD so stark schrumpfen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Wirtschaftsleistung wird weltweit um 2,75 Prozent zurückgehen, prognostiziert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Damit ist die OECD deutlich pessimistischer als Weltbank und Internationaler Währungsfonds.

Rezession nimmt zu
Die Rezession werde sich im Jahresverlauf verschärfen, bevor im kommenden Jahr eine Erholung schrittweise Fuß fasse, die durch die Konjunkturprogramme beflügelt werde. Für 2010 sagen die OECD-Experten ein mageres Plus für die Weltwirtschaft von 1,25 Prozent voraus.

Die Wirtschaftsleistung der Industrieländer wird 2009 voraussichtlich um 4,3 Prozent schrumpfen und auch 2010 leicht um 0,1 Prozent sinken. In der Eurozone werde das BIP heuer um 4,1 Prozent und 2010 um 0,3 Prozent zurückgehen. In Deutschland soll der Einbruch 2009 sogar 5,3 Prozent betragen, für 2010 gehen die Experten von einem geringen Wachstum um 0,2 Prozent aus.

Bis 2011 steigt Arbeitslosigkeit
Die Arbeitslosigkeit wird in den OECD-Mitgliedsstaaten in den kommenden Monaten kräftig steigen und ihren Höhepunkt erst 2010 oder Anfang 2011 erreichen. Ende 2010 wird die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern zum ersten Mal seit den frühen 90er Jahren zweistellige Werte erreichen. Allein in den sieben größten Industriestaaten (G7) seien Ende kommenden Jahres wohl 36 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz - etwa doppelt so viele wie Mitte 2007.

International kooperieren
Das unterstreiche, wie wichtig es sei, die Konjunkturprogramme durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zu ergänzen, um soweit wie möglich einen Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit zu verhindern, so OECD-Chefvolkswirt Klaus Schmidt-Hebbel. Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, sei ein weiteres Eingreifen der Staaten nötig. Die Konjunkturprogramme müssten international koordiniert werden.

Zinsen sollen gegen Null gehen
Die OECD sieht aber auch die Notenbanken in der Pflicht: Die Zinssätze müssten in die Nähe von null gesenkt werden und dort für längere Zeit bleiben, fordert Schmidt-Hebbel. Zusätzlich müssten die Währungshüter über alternative Mittel Geld in die Wirtschaft pumpen. Derzeit setzen unter anderem die US-Notenbank Fed und die Bank von England Mittel des "Quantitative Easing" ein und kaufen etwa Staatsanleihen auf.

Welthandel bricht um 13% ein
Angesichts der tiefsten und umfassendsten Rezession seit mehr als 50 Jahren wird laut OECD der Welthandel in diesem Jahr um mehr als 13 Prozent einbrechen. Die globale Wirtschaftsleistung sinke um 2,7 Prozent. Auch in den großen Schwellenländern werde sich das Wachstum verlangsamen. Die Ökonomen gehen davon aus, dass erst im kommenden Jahr infolge der Konjunkturmaßnahmen eine Erholung beginnt.

Die USA könnten nach Einschätzung der Organisation Anfang 2010 wieder aus der Rezession kommen. Voraussetzung dafür sei, dass sich die Konjunkturpakete als effektiv erweisen und sich die Finanz- und Immobilienmärkte stabilisieren. Für Japan sagt die OECD einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6,6 Prozent in diesem und um 0,5 Prozent im nächsten Jahr voraus.

Laut OECD werden die von den Regierungen ergriffenen Konjunkturmaßnahmen die Wirtschaftsleistung durchschnittlich um rund 0,9 Prozent in den Jahren 2009 und 2010 erhöhen. In den USA und Australien dürften die Maßnahmen in den beiden Jahren das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 1 Prozent höher ausfallen lassen.

Wie effektiv die Maßnahmen sein werden, hängt laut Wirtschaftsausblick auch von deren Timing ab: Die Ökonomen empfehlen den Ländern, die dafür Spielraum haben, für 2010 über einen weiteren Impuls nachzudenken. Unter den großen Industrieländern (G-7) wären das vor allem Deutschland und Kanada. Angesichts des erwarteten drastischen Anstiegs der Arbeitslosigkeit sollte der Schwerpunkt zusätzlicher Aktionen auf arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen liegen.




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