19. September 2008 09:39

Kursfeuerwerk 

Wiener Börse legt 11,5 Prozent zu

Die US-Rettungsaktion für Banken zeigt Wirkung: Die Finanzmärkte legen weltweit zu. Der ATX gewinnt 11,30 Prozent.

Wiener Börse legt 11,5 Prozent zu
Wiener Börse legt 11,5 Prozent zu

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Die Wiener Börse hat am Freitag vor dem Hintergrund einer weltweiten Kursrally mit einem historischen Rekordplus geschlossen. Der Fließhandelsindex ATX schoss gegenüber dem Donnerstag-Schluss (2.881,47) um 331,51 Punkte oder 11,50 Prozent auf 3.212,98 Zähler in die Höhe und verzeichnete damit den stärksten prozentuellen Tagesgewinn seiner Geschichte. Auf Wochensicht musste das heimische Börsenbarometer jedoch trotz der Rekordgewinne ein Minus verbuchen.

Seit dem ersten Tag seiner Veröffentlichung an der Wiener Börse, dem 10. Mai 1991, hat der Wiener Leitindex noch nie mit einem zweistelligen Plus geschlossen. Die größten Prozent-Gewinne, die der Index am Ende eines Handelstages für sich verbuchen konnte, lagen bisher knapp unter acht Prozent.

1991: Staatskomitee für den Ausnahmezustand
Am 22. August 1991 ging der heimische Aktienmarkt mit einem Aufschlag von 7,91 Prozent aus dem Handel. Das war der bisher größte Tagesgewinn des Börsenbarometers. Hintergrund der Gewinne im Sommer 1991 waren positive Nachrichten aus der Sowjetunion. Am Vortag war der Militärputsch unter Führung des Vizepräsidenten Gennadi Janajew gescheitert. Das sogenannte "Staatskomitees für den Ausnahmezustand" hatte zuvor die Macht ergriffen und den Staatspräsident Michail Gorbatschow für amtsunfähig erklärt. Am ersten Tag der innenpolitischen Krise in der Sowjetunion, dem 19. August 1991, hatte der ATX mit minus 7,20 Prozent und den drittgrößten Abschlag seiner Geschichte erlitten.

Reaktion auf Rettungsmaßnahmen
Am Freitag legten die Börsen weltweit massiv zu und konnten sich damit von den jüngsten Kurseinbrüchen etwas erholen. Die Kursaufschläge waren eine Reaktion auf die Ankündigung neuer Rettungsmaßnahmen der US-Regierung für die angeschlagene US-Finanzindustrie, begründeten Marktteilnehmer. Nach den Überlegungen von US-Finanzminister Paulson soll sich die angedachte Auffanglösung an dem Modell der Resolution Trust Corp. orientieren. In einer vom Staat organisierten Zweckgesellschaft könnten demnach die riskanten Papiere und faule Kredite gebündelt werden. Im Wochenverlauf hatten die Börsen nach der Insolvenz von Lehman Brothers und Ängsten vor einer weiteren Verschärfung der Finanzkrise massiv nachgegeben.

Ölpreis wieder über 100 Dollar
Die Aussicht auf ein staatliches Rettungspaket für die angeschlagene US-Finanzbranche hat den Ölpreis am Freitag wieder über 100 Dollar pro Fass getrieben. "Es gibt ein Gefühl, dass die Krise die Talsohle erreicht hat, und das sehen einige als guten Zeitpunkt zu kaufen", sagte der unabhängige Energie-Analyst Gerard Rigby. US-Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke beraten am Wochenende mit dem Kongress über einen Plan zum Umgang mit den faulen Positionen in den Büchern der Banken.

USA
Die New Yorker Aktienbörse ist am Freitag nach Meldungen über eine geplante Rettungsaktion für den Bankensektor mit kräftigen Gewinnen in den Handel gestartet. Der Dow Jones stieg bis 16.15 Uhr um 312,33 Einheiten oder 2,83 Prozent auf 11.332,02 Zähler. Der S&P-500 Index gewann 33,92 Punkte oder 2,81 Prozent auf 1.240,43 Einheiten. Der Nasdaq Composite Index stieg um 49,93 Punkte oder plus 2,27 Prozent auf 2.249,03 Einheiten.

London
An der Londoner Börse stiegen die Aktienkurse zum Ende einer turbulenten Woche ebenso kräftig. Der 100-Aktien-Index der "Financial Times" kletterte um sieben Prozent nach oben. Auch hier konnten vor allem die Banken kräftig zulegen: Die Aktie der Royal Bank of Scotland Group stieg um 42 Prozent. Bei der Lloyds TSB Bank waren es 33 und bei Barclays 29 Prozent. Am Donnerstag hatte Lloyds TSB die Hypothekenbank HBOS übernommen.

Schweiz
In der Schweiz schoss die Aktie der Großbank UBS um 32,9 Prozent in die Höhe und notierte bei 21,20 Franken (13,39 Euro). Die Vermögensverwaltungsbank Julius Bär machte einen Kurssprung von 23,2 Prozent. Credit Suisse verbesserten sich um 12,9 Prozent. Markante Kursgewinne gab es auch für die Versicherungen. Swiss Re legten um 9,1 Prozent zu. Zürich-Versicherungen waren 6,5 Prozent teurer als am Vorabend, und Swiss Life notierten 6,0 Prozent höher.

Asien
Die Börse von Shanghai erlebte am Freitag den größten Kursanstieg ihrer Geschichte. Nach den positiven Vorgaben der New Yorker Wall Street schoss der Shanghai-Index um 9,5 Prozent nach oben und blieb dann auch auf diesem Niveau von etwa 2.075 Punkten. Mehrere Aktien erreichten das Limit eines Kursanstiegs von zehn Prozent - einen höheren Tagesgewinn untersagen die Börsenbestimmungen.

Auch die übrigen asiatischen Börsen meldeten am Freitag deutliche Kurssteigerungen. In Hongkong kletterte der Hang-Seng-Index zu Beginn des Handels um sieben Prozent, der Index der Shanghaier Börse legte um knapp zehn Prozent zu.




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