04. Mai 2009 08:23
Magna setzt gegen die Krise auf freiwilligen Gehaltsverzicht bei den
Angestellten. Fast 11.000 Magna-Mitarbeiter europaweit - das sind mehr als
80 Prozent - verzichten ein Jahr lang auf einen Teil ihres Gehalts.
Noch höher ist die Zustimmung der Mitarbeiter in den österreichischen
Standorten: Hier liegt sie bei über 85 Prozent.
Im Grazer Magna-Steyr-Werk beträgt die Teilnahme an der ungewöhnlichen
Maßnahme ebenfalls rund 80 Prozent; hier will man seitens des Betriebsrates
mit der Geschäftsführung weitere Gespräche führen, die die nach wie vor
angespannte wirtschaftliche Lage zum Inhalt haben.
Maßnahme seit 1. Mai
Der Vorschlag für den freiwilligen
Gehaltsverzicht kam vor rund einem Monat von Magna-Europachef Siegfried
Wolf, wurde seitdem betriebsintern heftig diskutiert und nun mit 1. Mai
bereits umgesetzt.
Offenbar will man sich gegen weitere Einsparungsmaßnahmen absichern und
möglicherweise auch den freiwilligen Gehaltsverzicht thematisieren. Man ist
anscheinend mit der europaweiten Gesamt-Lösung des Magna-Konzerns nicht
zufrieden.
5% Gehaltsverzicht gegen Urlaubstage
Das europaweite Modell gilt
zwar nicht für Arbeiter, die bereits in Kurzarbeit sind, richtet sich
konkret aber an Angestellte, die jährlich mehr als 50. 000 Euro verdienen:
Sie verzichten freiwillig auf fünf Prozent ihres Gehaltes. Dann geht es
in Zehntausender-Schritten nach oben - es kommen jeweils eineinhalb Prozent
dazu, bis die Obergrenze von 20 Prozent erreicht ist. Als Gegenleistung
bietet Magna bis zu vier zusätzliche Urlaubstage.
Gewerkschaft: untauglich gegen die Krise
Scharfe Kritik kommt
unterdessen vom steirischen Landessekretär der Gewerkschaft
Metall-Textil-Nahrung, Josef Pesserl: Für ihn ist Lohnverzicht kein Modell,
um die Krise zu bewältigen.
"Sie trägt auch keineswegs dazu bei, dass ein einziger Arbeitsplatz
erhalten bleibt. Lohnverzicht ist lediglich die Methode, wie man
wirtschaftlich abhängige Mitarbeiter unter Druck setzt. Wenn so etwas ins
Rollen gebracht wird, dann muss die Wirtschaft verdammt aufpassen, dass sie
nicht den Unmut der Bevölkerung und der Arbeitnehmer auf sich zieht, und ich
denke, es ist bereits ziemlich weit gediehen, dass der Volkszorn sozusagen
zu brodeln beginnt, und Lohnverzicht wäre dazu geeignet, diesen Volkszorn
zum Überkochen zu bringen", so Pesserl.