27. August 2009 13:02

Trotz Krise 

Zahlungsmoral in Österreich ist gut

Besonders brave Zahler sind die Privaten.

Zahlungsmoral in Österreich ist gut
© APA

Trotz Krise zahlen Österreichs Unternehmen ihre Rechnungen heuer pünktlicher als noch vor einem Jahr. Im Schnitt werden die Rechnungen demnach mit einer durchschnittlichen Verzögerung von 7 Tagen bezahlt, das ist um drei Tage kürzer als 2008. Vor zwölf Jahren hat der Zahlungsverzug noch 21 Tage betragen. Bei einem Zahlungsziel von 25 Tagen werden in Österreich derzeit Rechnung nach 32 Tagen bezahlt. 2008 waren es noch 34 Tage.

Inkassobüros sind aktiver
Trotz Krise geben 81 Prozent der vom Kreditschutz von 1870 (KSV1870) befragten Unternehmen an, dass ihre Firmenkunden ihre Rechnungen innerhalb des vereinbarten Zeitraums bezahlen, berichtet KSV-Chef Johannes Nejedlik am Donnerstag bei der Präsentation der aktuellen Trendumfrage zur Zahlungsmoral bei knapp 2.400 Unternehmen. Allerdings habe knapp ein Viertel der Unternehmen die Zahlungskonditionen bei ihren Kunden auf Vorauszahlung, Nachnahme oder Barzahlung umgestellt. Zugenommen haben auch die Aktivitäten der Inkassobüros. So seien die von Inkassobüros eingebrachten Forderungen um 20 Prozent auf jeweils 1.400 Euro gestiegen, so Johannes Eibl vom KSV1870 Forderungsmanagement.

Unternehmen sind pessimistisch
Für die Zukunft sind Österreichs Unternehmen allerdings pessimistisch. 56 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer Verschlechterung der Zahlungsmoral. Als Hauptgrund für einen Zahlungsverzug nennen 71 Prozent der Befragten momentane Liquiditätsengpässe. Das sind um 7 Prozent mehr als vor einem Jahr. 46 Prozent glauben, dass die Rechnungen vorsätzlich nicht bezahlt werden.

Private zahlen besonders brav
Besonders brave Zahler sind nach wie vor die Privaten mit einem Zahlungsverzug von 5 Tagen gegenüber noch 6 Tagen im Vorjahr, so Johannes Eibl. Hauptgründe für den Zahlungsverzug bei Privaten seien wie auch bei den Firmen momentane Liquiditätsengpässe (54 Prozent). 44 Prozent glauben aber, dass auch im privaten Bereich vorsätzlich nicht gezahlt wird. 20 Prozent gaben als Grund Arbeitslosigkeit an.

Öffentliche Hand zahlt schlechter
Sorgenkind ist nach wie vor die öffentliche Hand, die ein wichtiger Auftraggeber ist. Mit einem von 10 auf 9 Tage verbesserten Zahlungsverzug zahlen die öffentlichen Auftraggeber jedoch schlechter als Firmenkunden mit 7 Tagen. Insgesamt beträgt die Zahlungsdauer bei Geschäften mit der öffentlichen Hand bei einem Zahlungsziel von 29 Tagen 38 Tage.

Portugal und Griechenland zahlen am schlechtesten
Im internationalen Vergleich nimmt Österreich mit einem Zahlungsverzug von 7 Tagen gemeinsam mit Finnland den besten Platz vor Schweden und der Schweiz mit 8 bzw. 13 Tagen ein. Am schlechtesten mit jeweils 35 Tagen schneiden Portugal und Griechenland ab. Der EU-Schnitt liegt bei 18 Tagen. Deutschland liegt mit 19 Tagen über dem EU-Schnitt.




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