02. September 2008 07:36

Spitzelaffäre 

bwin ließ Casinos-Austria-Chefs ''überprüfen''

Spionage-Alarm am Glücksspielmarkt: bwin ließ Kontrahenten überwachen. „Aber auch unsere Vorstände wurden bespitzelt“, sagt bwin.

bwin ließ Casinos-Austria-Chefs ''überprüfen''
© APA
bwin ließ Casinos-Austria-Chefs ''überprüfen''
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Es wirkt wie eine reichlich unbeholfene Agentenposse, spielt aber in der Wirklichkeit des heimischen Glücksspielmarkts: die aktuelle Spitzelaffäre rund um das börsenotierte Unternehmen bwin. Durch einen profil-Bericht kam ans Licht, dass bwin der Sicherheitsfirma des früheren Chefs der Polizeisondereinheit Cobra, Wolfgang Bachler, einen Auftrag zum Ausspionieren unliebsamer Kontrahenten gegeben hat. Das scheint aber nur die Spitze einer ganzen Palette James-Bond-würdiger Aktionen in der Branche zu sein:

Geheime Verbindungen
Der bwin-Auftrag an die Bachler-Firma richtete sich zunächst gegen die Person des Gert Schmidt, der namens der Agentur Omnia wiederholt Klage gegen bwin geführt hat. „Wir suchten Beweise für den Verdacht, dass die Casinos Austria AG (Casag) hinter Schmidts Aktivitäten stecken“, so bwin-Sprecher Kevin O’Neal zu ÖSTERREICH.

Casinos-Chefs bespitzelt
„Überprüft“ wurden auch allfällige persönliche oder telefonische Kontakte zwischen Schmidt und Casag-Managern. Der Name von Casag-Vorstand Dietmar Hoscher tauche mehrmals in dem 300-Seiten-Bericht der Sicherheitsfirma auf, sagt Schmidt gegenüber ÖSTERREICH. Für die Casag sind diese Vorgänge, so sie sich bewahrheiten, „eine Ungeheuerlichkeit und ein erschütterndes Zeugnis für die Usancen mancher Marktteilnehmer“.

Verworrene Beziehungen
Er kenne Hoscher, sagt Schmidt, die vermutete konzertierte Aktion gegen bwin gebe es aber nicht. Er selbst habe Hoscher nur „zwei- bis dreimal gesehen“. Auch die Casinos weisen solche Anschuldigungen zurück. Die Bekanntschaft zwischen Schmidt und Managern der Casag reicht in die 90er-Jahre zurück, als Schmidt Geschäftspartner der Adria Casinos war, an denen die Casinos Austria beteiligt waren. Zu dieser Zeit arbeitete übrigens auch bwin-Vorstand Norbert Teufelberger für die Casag.

Spionage & Gegenspionage
Ausschlaggebend für den bwin-Auftrag an Bachler war aber noch etwas anderes: „Uns wurde zugetragen, dass unsere Vorstände Norbert Teufelberger und Manfred Bodner ihrerseits bespitzelt werden“, so O’Neal – und zwar von den Casinos. Man habe Expertenhilfe in dieser Situation gebraucht. „Das ist eine absurde Unterstellung, die wir mit aller Entschiedenheit zurückweisen“, sagt Casag-Sprecher Martin Himmelbauer dazu.

Von illegalen Aktivitäten im Rahmen ihres Vertrags mit Bachlers Sicherheitsunternehmen weiß bwin nichts. Auch Bachler weist das zurück. Schmidt möchte Strafanzeige einbringen.




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