11. Oktober 2007 08:41
Eine Invasion asiatischer Marienkäfer im Norden und Osten Frankreichs
bereitet Umweltschützern und Wissenschaftern Sorgen. Die Eindringlinge
breiteten sich seit einiger Zeit besonders rapide aus, berichtet Raynald
Moratini von der Straßburger Umweltschutzvereinigung "Imago".
Käfer-Kolonien
Er habe kürzlich an einer Häuserfassade der
Elsass-Metropole "mehrere Tausend" der roten Käfer mit den
schwarzen Punkten gesehen. Andere Straßburger beobachteten nach seinen
Angaben regelrechte Käfer-Kolonien, die durch Fenster und Balkone in ihre
Wohnungen einmarschierten - offenbar auf der Suche nach einem
Winterquartier.
Die ersten freilebenden Exemplare der "Harmonia axyridis"
genannten, bis zu sechs Millimeter großen Käfer wurden Wissenschaftern
zufolge 2001 in Belgien gefunden. Von dort breiteten sie sich rasch nach
Süden und Osten aus. Auch in Deutschland sind sie heute in vielen Gegenden
anzutreffen. Nach Frankreich seien die gefrässigen Tierchen ab 2004
eingewandert, berichtet Vincent Ternois, Gründer einer "ständigen
Beobachtungsstelle für die Ausbreitung des asiatischen Marienkäfers in
Frankreich". Zur Zeit stehe sein Telefon nicht still, betont der
Biologe. Die zahlreichen Berichte von Käferinvasionen vermerkt er auf einer
Frankreich-Karte, die er ins Internet gestellt hat.
"Käfer schmecken bitter"
Die asiatischen Käfer
sind Ternois zufolge besonders gefräßig: Sie vertilgen nicht nur große
Mengen von Blattläusen, sondern auch andere Insekten, Insekteneier und
Larven. Dadurch würden immer mehr einheimische Arten verdrängt. "Wo
sich die Harmonia axyridis ausbreitet, müssen die anderen weichen."
Sorge bereite die Käfer-Invasion auch den Winzern, berichtet Ternois. Die
Käfer verstecken sich gern in den reifen Trauben und gelangten dann mit
diesen in die Weinpresse. Das könne eine gute Ernte, etwa bei der im Elsass
besonders beliebten Spätlese, leicht verderben. "Die Käfer
schmecken nämlich bitter." Ihren bitteren Geschmack verdanken die
asiatischen Eindringliche auch, dass sie kaum natürliche Feinde haben - und
sich somit immer mehr verbreiten.
Import aus China
Die "Harmonia axyridis" waren in
Frankreich freilich nicht immer unwillkommen: 1982 wurde sie sogar vom
staatlichen landwirtschaftlichen Forschungsinstitut für ein Experiment aus
China importiert - als natürlicher Vernichter der gefürchteten Blattläuse.
Ab 1995 wurde sie von der französischen Firma Biotop vermarktet, bis diese
im Jahre 2000 den Handel wegen der Verbreitungsgefahr einstellte. Seither
vermarktet das Unternehmen eine gentechnisch veränderte Variante, die nicht
fliegen kann. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass sich die
gefräßigen Käfer überall breitmachen. Die gentechnisch veränderte Variante
stelle keinerlei Gefahr für die Umwelt dar, versichert Firouz Kabiri von der
Firma Biotop.
Der Biologe Ternois sieht die Gefahr hingegen durchaus nicht gebannt: Wenn
sich ein gentechnisch veränderter Marienkäfer mit einem wilden kreuze, könne
der Nachwuchs wieder fliegen, warnt er. Aber für ein Verbot sei es heute
ohnehin zu spät: "Ich glaube, nichts wird diese Käfer aufhalten
können."