28. Mai 2008 11:05
1,5 Milliarden Fälle von Lebensmittelvergiftung pro Jahr werden laut World
Health Organisation (WHO) durch den Bakterienstamm Salmonella hervorgerufen.
Bisher galten infizierte Fleischprodukte und Pflanzen, deren Oberfläche mit
verunreinigtem Wasser in Kontakt gekommen ist, als einzige Infektionsquelle.
Bakterien vermehren sich in Pflanzenzellen
Im Detail haben die
Genetiker Bakterien des Stammes Salmonella typhimurium, die beim Mensch
Lebensmittelvergiftungen auslösen können, untersucht. Dabei zeigte sich,
dass Pflanzen nicht nur passiv zur Verschleppung der Keime beitragen können.
Vielmehr können sich die Bakterien in Pflanzenzellen auch vermehren. Das
bedeutet nun, dass eine oberflächliche Reinigung von pflanzlichen
Nahrungsmitteln nicht in jedem Fall vor einer Infektion mit Salmonellen
schützt.
Konsequenzen für Nahrungsmittel-Produktion
Das hat eine
Wissenschaftergruppe um Heribert Hirt an den Max Perutz Laboratories (MFPL)
in Wien gemeinsam mit französischen Kollegen herausgefunden. Die Arbeiten
wurden vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützt und in der jüngsten Ausgabe
der Zeitschrift "PLoS ONE" veröffentlicht. Die Entdeckung könnte
Konsequenzen für Produktion und Verarbeitung von Nahrungsmitteln haben.
Auch dickere Wurzeln infiziert
"Wir haben einzelne Bakterien mit
einem fluoreszierenden Protein markiert und dann sehr deutlich deren
Eindringen und Vermehrung in Wurzelzellen beobachten können. Bereits drei
Stunden, nachdem die Bakterien in Kontakt mit den Wurzeln kamen, waren sie
in die Zellen feinster Wurzelhaare eingedrungen", erklärte Hirt. Schon 17
Stunden später seien auch die Zellen dickerer Wurzeln infiziert gewesen.
Abwehrmechanismen nicht erfolgreich
Bei Untersuchungen des
Abwehrsystems der Pflanzen gegen Keime zeigte sich, dass dies gegen die
Salmonellen nicht sehr erfolgreich ist. Die Abwehrmechanismen springen zwar
an, unterbinden die Infektion aber nicht.
Testsysteme für Salmonellen-Infektionen
Die Bedeutung der
neuen Erkenntnisse könnte für Produktion und Verarbeitung von
Nahrungsmitteln weitreichend sein. So nimmt der Bedarf an Nahrungsmitteln
und Wasser weltweit zu. Dabei erzwingt der steigende Bedarf an Wasser
oftmals den Einsatz von ungereinigtem und damit potenziell infektiösem
Wasser. Wenn, wie jetzt erkannt wurde, Salmonellen in Pflanzenzellen
überleben und sich vermehren, dann nützt das Reinigen von Rohkost nichts, um
eine Lebensmittelvergiftung zu verhindern. Laut den Experten müssten
vielmehr neuartige Behandlungsmethoden und Testsysteme für
Salmonellen-Infektionen in Pflanzen entwickelt werden.