14. Mai 2008 16:02
Manchmal scheint die Erklärung auf der Hand zu liegen, warum Menschen UFOs
sehen: So meldeten im Jahre 1982 Gäste eines Pubs in Südostengland den
möglichen Besuch von Außerirdischen. Doch die roten und grünen blinkenden
Lichter waren vermutlich eher auf den Bierkonsum der Kneipenbesucher und die
Flugzeugschneise über ihnen zurückzuführen, als auf die bevorstehende
Landung einer fliegenden Untertasse.
Veröffentlichung des Ministeriums
Diese und Hunderte weitere
UFO-Sichtungen hat nun erstmals das britische Verteidigungsministerium
veröffentlicht. Die ausführlichen Dokumente des britischen Nationalarchivs
erinnern dabei eher an das Drehbuch eines Science-Fiction-Films als an
trockene Regierungsakten.
Schauergesichten
So berichtete zum Beispiel der Fischer Alfred
Burtoo aus dem südenglischen Hampshire, zwei Männer in grünen Overalls
hätten ihn in ihrem UFO mitnehmen wollen. Als er diesen jedoch erzählt habe,
er werde bald 78, hätten diese abgewehrt: "Du darfst gehen, du bist zu alt
und schwach für unsere Zwecke." Ein anderer Mann erklärte, er habe seit
seiner Kindheit "körperlichen und übersinnlichen" Kontakt zu kleinen grünen
Männchen gehabt. Einer von diesen (sein Name: Elgar) sei dann jedoch von
einer anderen Außerirdischen-Rasse getötet worden, weil er zu der britischen
Regierung Kontakt aufgenommen hatte.
Seriöse Meldungen
Andere Sichtungen klingen seriöser. Sie
stammen zum großen Teil von Polizisten und Piloten, die auf dem Radar
vermeintliche UFOs ausmachten. Auch gebe es Sichtungen mit mehreren
"Zeugen", betonte UFO-Experte Nick Pope, der lange für das
Verteidigungsministerium arbeitete. So blieben auf der Waterloo-Brücke in
London einst mehrere Menschen stehen, um ein vermeintliches UFO in der Form
einer Untertasse zu begutachten.
Kraft der Einbildung
Doch statt um "Unidentifizierte
Flug-Objekte" handelte es sich nach Angaben von Pope um banalere Phänomene
wie Flugzeuglichter, brennenden Raumfahrtschrott, Wetterballons oder
ungewöhnliche Wolkenformationen. Auch die Kraft der Einbildung erklärt so
manchen UFO-Alarm: So verdoppelten sich beispielsweise nach der Kinopremiere
von Steven Spielbergs Alien-Film "Unheimliche Begegnung der dritten Art" die
Sichtungen. Die ersten veröffentlichten Dokumente betreffen die Zeit von
1978 bis 1987 und können kostenlos auf der Homepage des Nationalarchivs
heruntergeladen werden. Insgesamt werden Tausende Sichtungen bis ins Jahr
2002 dokumentiert.
Wollte Spionageattacken nachgehen
Auch wenn sich die britische
Regierung selbst für die noch so absurden Sichtungen zu interessieren schien
(Schon 1952 erklärte Winston Churchill: "Was wollen uns all die Dinge über
fliegende Untertassen sagen? Was kann es heißen? Was ist die Wahrheit?"),
gab sie sich stets realistisch: Statt den Besuch von Außerirdischen im
Vereinten Königreich wollte das Ministerium mit den UFO-Hinweisen viel eher
möglichen Spionage-Attacken aus dem Ausland nachgehen. "Es gibt mit
Sicherheit keine Beweise, dass Außerirdische auf diesem Planeten gelandet
sind", heißt es dann auch folgerichtig in einer Akte. Und in einer Anmerkung
von 1979 schrieb die Behörde: "Die Regierung Ihrer Majestät wurde niemals
von Außerirdischen kontaktiert."