Cannes
"Gommora"-Filmemacher unter Polizeischutz
Autor Roberto Saviano ("Gommora") konnte wegen des Mafia-Investigativfilms nur unter Polizeischutz zur Premiere in Cannes. Der Trailer hier!
Der italienische Autor des Buches "Gommora", ein brutal-investigativer wie aufrüttelnder Plot über die italienische Mafia, Roberto Saviano, musste aus Angst vor Anschlägen durch die Mafia in Cannes unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen leben.
Matteo Garrone verfilmte das Werk, welches in Cannes jetzt umjubelte Premiere hatte. Allerdings wurden eigens für die Macher des Film strengere Sicherheitsvorkehrungen vorgenommen. Saviano durfte zum Beispiel nicht über den Roten Teppich laufen, auch wurden alle Einzelinterwievs schlichtweg abgesagt. Die Pressekonferenz fand ausschließlich unter den wachsamen Augen mehrerer Personenschützer statt - aus realer Angst vor der italienischen Mafia. Diese fürchtet nämlich, durch den Film in aller Welt komplett bloß gestellt zu werden. Der Buchautor arbeitete tatsächlich undercover für die Mafia in Neapel und er konnte sich für sein Buch Wissen aneignen, welches sonst nie ans Tageslicht gekommen wäre.
Autor leidet unter der italienischen Öffentlichkeit
Doch
Saviano leidet offenbar nicht so sehr unter der Bedrohung durch die von ihm
beschriebenen Camorra-Clans, die in Italien ihr Unwesen treiben, sondern
unter der Kritik von Teilen der italienischen Öffentlichkeit. "In
den USA werden Künstler, die die Zustände in ihrem Land beim Namen nennen,
respektiert. In Italien zeigt man mit dem Finger auf mich. Die Leute denken,
ich hätte ihr Land schlechtgemacht. Aber ich kann doch nicht schweigen",
meinte Saviano in Cannes. Auch etliche Kulturinstitute hätten ihn bedroht.
In Italien hat die Mafia beinahe in jeder Vereinigung ihre Finger im Spiel
und sind zum Großteil von der Bevölkerung geduldet.
Schreckliche Bilanz
"Seit ich geboren bin, hat die Camorra
mehr als viertausend Menschen getötet. In ganz Italien hat die Mafia in 30
Jahren 10.000 ermordet", sagte der Schriftsteller Roberto Saviano
(Jahrgang 1979) heute, Sonntag, bei einer Pressekonferenz in Cannes. Das
Buch "Gomorrah" (Originaltitel: "Gomorra") hat
international für Aufmerksamkeit gesorgt. Nun hat der italienische Regisseur
Matteo Garrone das Buch verfilmt. Beim heutigen Pressescreening wurde der
Wettbewerbsfilm "Gomorrah" bei den 61. Filmfestspielen begeistert
aufgenommen. In Italien läuft er bereits seit zwei Tagen sehr erfolgreich im
Kino.
Mr. Undercover
"Gomorrah" heißt das Buch, eine
Anspielung auf den biblischen Sündenpfuhl Sodom und Gomorrha, in dem der
junge Mann beschreibt, wie sehr die "Paten" bereits zum Teil der
Gesellschaft geworden sind, wie sehr sie "integriert" sind in
Neapel. Für die Recherche zum Buch hat er undercover am Hafen für die
Camorra gearbeitet. Er beschreibt hautnah das Ausmaß der Mafia in Neapel in
aller Offenheit und hat auch am Drehbuch zum Film mitgeschrieben. Seit zwei
Jahren lebt er nun unter Personenschutz. Saviano will die Mechanismen
aufzeigen, die hinter der Mafia stecken, die die Wirtschaft beeinflusst und
das Leben der Menschen einzelner Viertel, wie Saviano auch in der von
Bodyguards bewachten Pressekonferenz nach dem Screening des Films sagte.
Kinder werden rekrutiert
Ein Krieg, für den Kinder rekrutiert
werden. "Jetzt bist Du ein Mann", sagt ein Mafiaboss zu einem Bub,
nachdem er auf ihn gezielt hat und die Kugel in der kugelsicheren Weste
stecken bleibt. Ware, die am Hafen hängen bleibt, wird von der Mafia
abtransportiert, die Müllabfuhr ist in festen Händen und Straßenkämpfe mit
Schusswaffen gehören zum Alltag. "Ich habe ein Buch über eine
Gesellschaft geschrieben, in der ich aufgewachsen bin, in einer Gegend, die
ich geliebt und gehasst habe", erzählt Saviano.
Der Trailer des Films ist auf Deutsch noch nicht erhältlich, österreichischer Kinostart z. Zeit nicht bekannt.