30. 10. 2008, 12:04

Tod am Fußballplatz

"Es reißt mir das Herz heraus"

© Hannes Eder

Melanie Schmidt wurde mit erst 27 Jahren Witwe. In einem berührenden Gespräch erzählt sie, wie es ihr geht und warum Richard ihr Engel war.

Es waren Stunden im Zeitraffer. Der Anruf des Trainers auf Melanies Handy am Samstagnachmittag. Die Nachricht, dass Richard (31) am Fußballplatz zusammengebrochen sei, ihre Fahrt ins Krankenhaus. Und plötzlich stand sie vor ihrem toten Ehemann. Fassungslos, ohnmächtig und dennoch konnte sie Abschied nehmen, ihn noch einmal umarmen. Schaffte es sogar, ihm noch ein Lied vorzusingen. ÖSTERREICH sprach mit Melanie Schmidt, einer bewundernswerten jungen Frau, die mit 27 Jahren Witwe wurde. Die erzählt, wie sehr sie „ihren Engel“ vermisst und warum sie trotzdem fest an die göttliche Fügung glaubt.

ÖSTERREICH: Frau Schmidt, Sie erleben derzeit vermutlich die schwersten Stunden Ihres Lebens. Was fühlen Sie im Moment?
Melanie Schmidt: Man sagt mir, dass es nach dem Begräbnis noch schlimmer wird, dabei fühle ich mich jetzt schon so leer. Richard war nicht nur mein Ehemann, er war mein bester Freund, wir hatten eine sehr intensive Beziehung.
ÖSTERREICH: Sie waren nicht dabei, als das schreckliche Unglück passierte.
Schmidt: Nein, wir haben uns noch ganz verliebt verabschiedet an diesem Tag, haben uns geküsst. Als mich der Trainer am Handy anrief und erzählte, dass Richard am Spielfeld zusammengebrochen ist, wusste ich gar nicht, was ich tun sollte. Ich bin ins Krankenhaus gefahren und konnte nur noch seine Leiche sehen.
ÖSTERREICH: Hatten Sie trotzdem Gelegenheit, sich von ihm zu verabschieden?
Schmidt: Ja, ich hab ihn sogar noch umarmt. In seinen Armen zu liegen, war immer eines der schönsten Gefühle für mich. Das konnte ich noch tun, sein Körper war noch warm. Und ich konnte ihm noch ein Lied vorsingen. Es hat ihm sicher gefallen.
ÖSTERREICH: Welches Lied?
Schmidt: „Only Hope“ von Mandy Moore. Ich hab den Song oft auf der Bühne gesungen.
ÖSTERREICH: Richard war ein tief gläubiger Mensch, auch Sie glauben an Gott, an göttliche Fügung. Zaudern Sie nicht trotzdem in diesen schweren Stunden?
Schmidt: Es gibt für mich derzeit fast keine Worte, die beschreiben, wie ich mich fühle. Ich hab das Gefühl, dass ich gar nicht mehr weiterleben kann. Doch Richard war so etwas wie mein Engel, er hat so gestrahlt, so vielen Menschen Hoffnung gegeben, durch seine Lieder, die er komponiert hat, so vielen Freude geschenkt. Erst vor ein paar Tagen hat er einen Song geschrieben, der hieß „Alles hat seine Zeit.“ Trotzdem glaube ich nicht an eine Vorahnung. Aber ich weiß, dass er jetzt glücklich ist. Er glaubte an ein ewiges Leben, und das tue ich auch.
ÖSTERREICH: Gibt Ihnen Ihr Glauben jetzt die Kraft?
Schmidt: Ja, und viele Menschen, die für mich da sind. Aber Sie ahnen nicht, wie viele Tränen ich schon geweint habe. Ich habe ihn so sehr geliebt.

Kommentar schreiben

pilot01 meint am 07.11.2008 08:40

Und wieviele Witwen im selben Alter (oder jünger) gibts noch?

Esther meint am 30.10.2008 23:41

Ich denke nicht, dass sich die Zeitung auf Melanie gestürzt hat, denn natürlich hätte sie das Gespräch auch ablehnen können. Ich bin aber sehr dankbar, dass sie darüber gesprochen hat, denn so können wir uns alle einige Fragen stellen:
Wie würden wir selbst in einer solchen Situation reagieren? Verzweifeln und innerlich sterben oder Gott bedingungslos vertrauen?
Danke Melanie!

Sketchboard meint am 31.10.2008 15:07

Als enger Freund des Ehepaares kann ich alle beruhigen, die Angst darum haben, dass sich die Medien auf Melanie gestürzt haben. Klar, sie haben angefragt, aber Melanie hatte ein bewusstes Ja dazu, was man ihr gerade in der Situation hoch anrechnen muß. Was sie damit vermitteln wollte, kommt im Artikel raus, weshalb ich mich an dieser Stelle auch bei der Zeitung Österreich für die faire Berichterstattung bedanken möchte!

Esther meint am 30.10.2008 23:15

Ich denke nicht, dass sich die Zeitung auf Melanie gestürzt hat, denn natürlich hätte sie das Gespräch auch ablehnen können. Ich bin aber sehr froh, dass sie darüber gesprochen hat, denn so können wir uns alle einige Fragen stellen:
Wie würden wir selbst in einer solchen Situation reagieren? Verzweifeln und innerlich sterben oder Gott bedingungslos vertrauen?
Danke Melanie!

godschild meint am 30.10.2008 22:12

Ich kannte Richard sehr gut und kenne ebenfalls Melanie. Ich glaube nicht, dass sich ÖSTERREICH auf die Witwe gestürzt hat. So wie ich Melanie kenne, würde es mich nicht wundern, wenn Sie selbst um das Interview gebeten hat, um zu zeigen, dass der Glaube an Jesus Christus sie gerade jetzt stark macht. Ich bete für Dich, Melanie. Richi ist im Himmel, und da werden wir ihn wiedersehen! Ganz sicher!

Drache meint am 30.10.2008 20:11

Wie fühlt man sich....wenn....jemand gestorben ist....ja hochintelligent diese Fragerei....wozu wird diese Frau überhaupt befragt, für was soll denn das gut sein??

gast24 meint am 31.10.2008 09:57

Kürzlich habe ich ein Buch gelesen, welches erklärt hat, wie Nachrichten-Reporter arbeiten. Es lässt einem die Haare zu Berge stehen. Tja und genau das, zeigt sich in diesem Interview!
Und an die Leute, die das "gut" finden: Was sollte sie eurer Meinung nach tun? Jeder von euch, hat sicher schon einen geliebten Menschen verloren. Eine Freundin von mir ist mit 23 Jahren Witwe geworden, ihr Mann damals war 24 Jahre alt. Weder die Polizei noch sonst wer außerhalb der Familie hat Anteil an ihrem Schicksal gehabt. Also bitte! Es gibt auch andere Familien, die so etwas oder ähnliches durchmachen und man liest es nicht im Boulevardblatt.

Esther meint am 31.10.2008 11:38

Du hast absolut recht; jeden Tag passiert tausenden Menschen ein ähnliches Schicksal und man hört/liest nichts darüber. Es gibt aber wahrscheinlich auch tausend verschiedene Arten mit solchen Schicksalsschlägen umzugehen. Ich finde es gut, wenn Menschen erzählen, wie sie damit fertig werden, weil es anderen Mut machen kann, Hilfe sein kann oder zumindest zum Nachdenken anregen kann. Wenn nur einer Person, die das liest damit geholfen werden kann, spielt für mich die persönliche Einstellung des Journalisten eine untergeordnete Rolle. Vielleicht oder wahrscheinlich ist es für ihn einfach "eine Story", vielleicht ändert es aber auch etwas für ihn/sie....wer weiß? ;-)
Was deiner Freundin passiert ist, tut mir aufrichtig leid! Alles Liebe!

Esther meint am 31.10.2008 11:48

Übrigens würd ich mich natürlich über eine Antwort von dir sehr freuen! Hab ich vergessen dazu zu schreiben vorher :-)

gast24 meint am 03.11.2008 12:59

Lese das Buch von Brigdet Harrison: Single and the City
Nicht weil das Buch so gut ist; sondern weil sie Nachrichtenreporterin ist und man darin erfährt, wie abgestumpft diese Leute sind; Beispiel gefällig? Im Buch stirbt an Weihnachten eine alte Dame. Sie besucht den Ehemann und zum Schluss des sehr hinrissigen Interviews wünscht sie ihm "Frohe Weihnachten".
Und genauso gehen Reporter mit Menschen um. Es wird vorallem immer schlimmer!
LG Gast24

statement meint am 30.10.2008 17:55

Mein aufrichtiges Beileid den Hinterbliebenen!

Semiramis meint am 30.10.2008 17:40

Herzliches Beileid!

hans52 meint am 30.10.2008 13:12

sich auch auf die Überlebende niederzulassen.