29. 08. 2008, 21:45

Polizeibericht

Trickdieb klaute Fekters Handtasche

© Lisi Niesner

Das Polizeiprotokoll wurde ÖSTERREICH zugespielt: Der Dieb stahl ihre Tasche mit einem Trick und entwischte durch einen Seiteneingang.

Noch am 10. August hatte sich ÖVP-Innenministerin Maria Fekter über alle Maßen gefreut: „Die Kriminalität ist um sechs Prozent zurückgegangen“ und zwar „entgegen vieler Befürchtungen“, so Fekter. Zwei Tage später verging der streitbaren Ministerin das Jubeln. Denn da wurde die Oberste Chefin der Polizei selbst zum Verbrechensopfer.

Essen im Nobelrestaurant
Der Vorfall ereignete sich im Restaurant Procacci, einem italienischen Nobellokal im ersten Wiener Bezirk (Göttweihergasse): „Ich war mit einer größeren Gruppe dort zum Abendessen“, sagt Maria Fekter. Mindestens zwei Stunden sitzt die Gesellschaft, darunter mehrere Mitglieder von Fekters Kabinett, zusammen und widmet sich wohl mehr dem Gespräch und dem guten Essen als den Vorgängen, die rund um sie herum passieren. „Meine Handtasche hatte ich über die rechte Armlehne meines Sessels gehängt. So zwischen viertel nach zehn und halb elf Uhr abends war sie dann plötzlich weg“, erzählt die Innenministerin.

Polizeibericht aufschlussreich
Was der Ministerin nicht aufgefallen ist, steht im siebenseitigen Polizeibericht, der noch am Abend des Vorfalls erstellt wird und der ÖSTERREICH nun zugespielt wurde: Der Täter (etwa 35 Jahr alt) geht zwischen 22 Uhr und 22.30 Uhr an der Ministerin vorbei. Sein beiges Sakko hat er lässig „mit einer Hand über der Schulter“ geschwungen. Niemand wundert sich über den Gast. Ein Fehler ?

Dieb mit Sakko getarnt
Denn die Kriminalbeamten folgern: Der Mann gleitet mit dem Sakko an Fekters Tasche vorbei, lässt sie unter seinem Kleidungsstück verschwinden – und entfleucht durch eine Seitentür aus dem Lokal. Erst einige Minuten später fällt der Pressesprecherin der Ministerin auf, dass die Handtasche weg ist. Zu spät: Der Dieb ist längst über alle Berge. Mit zwei Handys (darunter das Ministertelefon), Bankomatkarte, Kreditkarten der Ministerin, dazu Parlamentsausweis, Reisepass, usw.

FPÖ spottet
„Da will die neue Frau Innenminister für Sicherheit sorgen und kann nicht einmal auf ihre Handtasche aufpassen“, spottete FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky, als er von dem Vorfall erfuhr. „Vielleicht ein heilsamer Schock. Fekter konnte damit am eigenen Leib erleben, was tausenden Österreichern täglich passiert.“

Denn: Heuer wurden schon 18.982 Österreicher Opfer von Taschendieben, ein Plus von neun Prozent – und das passt so gar nicht die blütenweiße, neue Kriminalitäts-Statistik, die einen deutlichen Rückgang der Kriminalität ausweist.

Polizisten als Opfer
Es ist nicht der erste dreiste Überfall dieser Art: Erst vor wenigen Tagen hat eine Autoknacker-Bande den Geländewagen von Andrea Raninger, der Chefin des Bundeskriminalamts, gestohlen – vom Parkplatz vor ihrem Haus. Die Mitarbeiter des Innenministeriums scheinen gerade das große Ziel der dreistesten Gauner zu sein.

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