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Das bringt 2022

Aufatmen in der Autoindustrie

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2021 war für viele Branchen ein herber Rückschlag, auch die Autoindustrie litt unter weniger Zulassungen und Umsatzeinbußen.  

Nur zum Teil war der Chipmangel aus China Schuld daran, die Nachfrage sank zwischenzeitlich ab. Verbraucher setzten auf neue Wege, fuhren mit dem Fahrrad, blieben zu Hause und genossen den Abend mit einem Glas Wein und NetBet auf dem Sofa.

Doch es gibt Hoffnung, denn das Jahr 2022 soll für die Autoindustrie wieder mit Zuwächsen einhergehen. Wie so oft bleibt aber aller Anfang schwierig, deutliche Verbesserungen werden erst für das dritte Quartal prognostiziert.  

Der Schrecken von 2021 - mit historischen Tiefständen

Die Anzahl der neu zugelassenen PKW ist im Jahr 2021 rapide eingebrochen, der Automarkt hatte schwer zu kämpfen. Allein in Deutschland wurde ein Einbruch von über zehn Prozent verzeichnet und auch in Österreich waren die Zahlen schlechter als jemals zuvor.

Schuld daran war nicht die generell sinkende Nachfrage, sondern der Stillstand in der Produktion. Obwohl die Auftragsbücher gut gefüllt auf Auslieferung warteten, konnte aufgrund des Mangels an elektronischen Bauteilen nicht weitergearbeitet werden.  

Hinzu kam Kurzarbeit bei tausenden Mitarbeitern, zumindest in der klassischen Branche. Die Jahresbilanz von Tesla und Polestar allerdings konnte sich sehen lassen. Ein Zuwachs im dreistelligen Bereich war für die beiden Importexperten zu verzeichnen. Bleibt abzuwarten, ob sich diese positiven Zahlen auch im Jahr 2022 halten werden.  

Verbesserungen ohne generelle Erholung erwartet

Auch wenn für den deutschen Markt im Jahr 2022 auf Erholung und Neuzulassungen gesetzt wird, ist der Gesamtschnitt nach wie vor schlechter als noch 2019, dem Jahr vor der Pandemie.

Die Daten aus Deutschland lassen sich nicht nur parallel auf Österreich, sondern auf den gesamten EU-Raum übertragen. Experten gehen davon aus, dass der Anteil neu zugelassener E-Autos und Hybridwagen stagnieren wird, während der Anteil klassischer PKW bei den Neuzulassungen steigen wird.

Doch Anfang 2022 ist von der Erholung noch nicht viel zu spüren. Nach wie vor ist die hohe Nachfrage bei Gebrauchtwagen zu verzeichnen, wohingegen es bei Neufahrzeugen immer noch starke Engpässe gibt. Dieser Trend wird sich zumindest in den ersten beiden Quartalen 2022 auch nicht umkehren.

Der enorme Bestellstau, der bei den Auftragsbüchern der Produktion nach wie vor zu verzeichnen ist, soll sich erst bis Mitte 2022 langsam auflösen, so dass erst dann wieder Hoffnung zu schöpfen wäre.

Insgesamt erwarten die Experten aber für das Jahr 2022 eine moderate bis hohe Steigerung der Anzahl an neu zugelassener PKW. Bis es zu Vor-Krisen-Werten kommt, werden aber noch einige Jahre vergehen müssen. Auch wenn die Hoffnungen klar sind, schwebt der Chipmangel wie ein Damoklesschwert über der Autoindustrie.

Die Angst, dass es erneut zu massiven Lieferengpässen aus China kommt und damit die stauende Auftragsschlange nicht gelöst werden kann, sitzt den Herstellern im Nacken.

Der Blick nach Europa lässt aufatmen

Einzelne Automarken unterliegen seit jeher Schwankungen, doch die starken Einbrüche des letzten Jahres sind nicht auf schwache Modelle oder schlechte Markenrepräsentation zurückzuführen.

Es wird Zeit für Hoffnung und die gibt der Ausblick auf den gesamteuropäischen Automarkt. In der ersten Hälfte des Jahres rechnen Experten damit, dass die Fahrzeugproduktion langsam ansteigt, dass Aufträge abgearbeitet werden können und dass der Fortschritt auch in den Bevölkerungen ankommt.

Für die zweite Jahreshälfte wird dann mit einem deutlichen Wachstum gerechnet. In Zahlen bedeutet das geschätzte 12,6 Millionen neue Zulassungen in Europa. Stärker dominieren wird der Privatmarkt, der gewerbliche Automarkt wird weiterhin das nachsehen haben.

Firmenwagen könnten prognostisch ansteigen, jedoch können Handel, Autovermieter und auch Hersteller selbst weiterhin aufgrund von Lieferengpässen nur in eingeschränktem Maß beliefert werden.

Verlangsamung in der E-Auto Branche erwartet

Elektrofahrzeuge hatten in den letzten beiden Jahren deutlich zugelegt, doch Experten gehen davon aus, dass das Wachstum stagnieren wird. Generell ist zwar in Europa mit einem Ausbau des Marktanteils zu rechnen, doch es wird der E-Mobilität nur noch rund 3,5 Prozent am gesamten Marktanteil zugesprochen.

Durch die Verbesserung des Halbleiter-Problems und die wieder steigende Lieferbarkeit wird davon ausgegangen, dass sich die Produktion in 2022 zunächst überwiegend auf Dieselfahrzeuge, vor allem aber auf Benziner konzentrieren wird.

Generell wird die Gewinnung neuer Kunden für die Automobilbranche aber schlechter. Im Bereich der Premiumklasse sind bereits jetzt viele Verbraucher auf Elektromobilität umgestiegen. Die Investition in Luxuswagen könnte daher in diesem Segment steigen, wohingegen beim Kompaktwagen die Nachfrage nach klassischen Benzinern weiter ansteigt.

Hier ist die Preisdiskrepanz zwischen Benzin- und Dieselfahrzeugen sowie Elektroautos einfach noch zu hoch, so dass sich für die Verbraucher ein Umstieg schlichtweg nicht lohnt.

Höhere Preise für Endkunden sind zu erwarten

Das Tal des Jahres 2021 konnte die Automobilindustrie hinter sich lassen, doch ein vollständiges Aufatmen wird auch 2022 nicht möglich sein. Die Nachfrage bleibt hoch, das Angebot hingegen bescheiden.

Automobilhersteller müssen ihre Gewinne über die Marge einfahren, vor allem Großkunden werden davon betroffen sein. Autovermietungen dürfen im Jahr 2022 nicht mit einer raschen Belieferung und schon gar nicht mit großzügigen Rabatten rechnen. Auch die Eigenzulassung seitens der Hersteller steht am Scheidepunkt. Die Prognosen diesbezüglich sind wenig rosig.

Es wird zudem vermutet, dass einzelne Marken das Geschäft 2022 dominieren könnten, während andere extreme Einbußen zu verzeichnen haben. Ein ungewöhnliches Phänomen, wenngleich es seit jeher besonders verkaufsstarke, aber auch schwache Marken auf dem Markt gibt. Entscheidend für die Marken ist nun aber nicht die Beliebtheit einzelner Modelle, sondern der Zugang zu den dringend benötigten Chips und Halbleitern.

Investitionsbereitschaft abhängig vom Krisenstatus der EU

Durch die Pandemie war die Kaufkraft einerseits erheblich gesunken, andererseits war aufgrund von kritischen Situationen in öffentlichen Verkehrsmitteln stellenweise eine gestiegene Nachfrage nach dem eigenen PKW zu verzeichnen. Der Umstieg aufs Fahrrad war eine logische Konsequenz für viele Arbeitnehmer, die Fahrradbranche erlebte einen Boom wie lange nicht mehr.

Die vermehrte Arbeit im Homeoffice sorgte andererseits aber auch dafür, dass der Bedarf eines eigenen Autos gar nicht mehr gegeben war, so dass auf dem Gebrauchtmarkt ein sattes Angebot bereitstand. Verbraucher deckten einen Großteil des Bedarfs darüber.

Wenn die Pandemie zu einem Ende findet und die Engpässe bei der Beschaffung von Halbleitern gänzlich überwunden werden kann, rechnen Experten allerdings fest mit einem immensen Boom. Ob dessen Höhepunkt schon 2022 erreicht werden kann, ist jedoch fraglich, das Jahr 2023 steht prognostisch besser dar.
  

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