Schwerpunkt: Europas Wettbewerbsfähigkeit

EU-Ratspräsidentschaft

Schwerpunkt: Europas Wettbewerbsfähigkeit

Das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort leitet während des österreichischen EU-Ratsvorsitzes zwei Räte: jenen betreffend die Wettbewerbsfähigkeit und jenen zum Handel. Dabei werden nationale und internationale Digitalisierungsfragen erläutert und Österreichs Position dargelegt.

Schwerpunkte zur Österreichischen Ratspräsidentschaft

In Europa muss die Industriepolitik wieder auf das gleiche Niveau wie der Konsumentenschutz und die Nachhaltigkeit gehoben werden. Das betrifft die neue Industrie, die Digitalindustrie. Hier sollen etwa die Artificial Intelligence und Robotics genützt werden, um Arbeitsplätze zurück nach Europa zu bringen, zur Reindustrialisierung Europas. Dazu gibt es in Österreich zwei gute Beispiele: Die Voestalpine, wo entschieden wurde, dass das modernste Stahlwerk der Welt nicht in Asien oder den USA, sondern in Kapfenberg gebaut wird. Damit schafft man neue Arbeitsplätze. Das zweite Beispiel ist Infineon, wo eine schon verloren geglaubte Schlüsselindustrie, die Halbleiterindustrie, 1,6 Milliarden Euro in eine neue Fabrik in Kärnten – Villach – investiert.

Österreichische EU-Ratspräsidentschaft

Ausbildung

Es gilt, auf die eigenen Stärken zu bauen. Ein internationales Unternehmen, dass in der Bioindustrie tätig ist und in Österreich über 3.500 Mitarbeiter beschäftigt, setzt hier beispielsweise auf die digitalen, handwerklichen und sonstigen Fähigkeiten der Österreicher. Das gleiche gilt auch für Europa. Daher muss ein Schwerpunkt gesetzt werden, diese Fähigkeiten auszubauen. Dazu wird auf die duale Ausbildung, die klassische Lehre, gesetzt. Das ist in Österreich und Deutschland ein Erfolgsmodell und führt auch zu geringer Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zu Griechenland, Portugal oder Spanien. Es gibt genügend Arbeitsplätze in Österreich und ganz Europa, nur werden die Menschen nicht in jenen Themen ausgebildet, worin sie gebraucht werden. 

Digitale Zukunft Österreichs © Adobe Stock

Das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort hat mit Anfang September zwei neue Berufsbilder für digitale Lehrberufe erlassen

Dazu soll so vielen Ländern wie möglich die duale Ausbildung vermittelt werden. Und da gibt es ein enormes Interesse in Großbritannien, aber auch in Bulgarien und Rumänien. Da kann Österreich sein Know-how zur Verfügung stellen, um damit den Standort Europa zu stärken. Denn jene Betriebe, die in Europa investieren, brauchen Fachkräfte. In Vorarlberg entscheidet sich zum Beispiel jeder zweite Jugendliche, der mit der Schule fertig wird, für eine Lehre. Diese soll nun in Österreich und Europa gestärkt werden, gilt als wesentlicher Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit und soll dazu beitragen, den in ganz Europa verbreiteten Fachkräftemangel zu beheben. Im Weiteren sollen die Unternehmen in den von ihnen benötigten Bildungsbereichen unterstützt werden.

Digitaler Binnenmarkt I – Freiräume für Innovation

Es muss nicht alles auf der europäischen Ebene geregelt werden, vielmehr muss es mehr Freiräume für Innovationen geben. Das betrifft die Forschung und Entwicklung, die Innovation in den Betrieben und die Innovation in den wissenschaftlichen Organisationen. Forschung und Entwicklung sind auf europäischer Ebene zu stärken und weiter zu fördern sowie in Richtung Digitalisierung zu führen, dazu werden eigene Programme zum Thema Digitalisierung aufgelegt.

Als Beispiel dient hier die „Regulatorische Sandbox“ (Regulatory sandbox): Sie ermöglicht bestimmten Unternehmen den Test neuer Produkte in einer für sie „sicheren Umgebung“. Das sind Betriebe, die derzeit für ihren Betrieb keine Genehmigung haben und diese erlangen müssen, ehe sie ihre Innovation in einer echten Umgebung testen können. Hierzu zählen beispielsweise Betriebe, die den Einsatz von moderner Technologie in Verbindung mit Finanzdienstleistungen verbinden (sogenannte Financial Technology-Unternehmen oder FinTech).

Digitale Zukunft Österreichs © Adobe Stock

Europa muss schneller sein

Es braucht Freiräume für Unternehmen, damit Innovation geschaffen werden kann – da muss Europa schneller sein als andere Kontinente. Ein Beispiel: Es gibt in Bayern ein Unternehmen, das beim autonomen Fliegen federführend ist. Es ist innovationsstärker als die Mitbewerber in Asien und den USA. Diese Firma entwickelt derzeit seinen zweiten Prototypen für ein Luftfahrtgerät, in dem auch Personen transportiert werden können und das mit elektrischer Energie bis zu 300 km/h an die 300 Kilometer weit fliegen kann. Aufgabe der europäischen Politik ist es, solche Unternehmen zu unterstützen – mit Teststrecken, in der Entfaltung ihrer Arbeit, damit diese Betriebe schneller als jene außerhalb Europas zum Entwicklungsziel kommen. Das ist ein Teil des digitalen Binnenmarktes, der geschaffen werden soll.

Digitaler Binnenmarkt II – Public Sector Center

Neben der Industriepolitik und der Fachkräfteausbildung liegt ein Schwerpunkt auf der Schaffung des digitalen Binnenmarktes. Zum digitalen Binnenmarkt gibt es mehrere Themen, die Österreich in seiner Ratspräsidentschaft finalisieren will. Eines davon nennt sich Public Sector Center: Hier sollen Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die Research & Development betreiben, Zugang zu nicht-personenbezogenen Daten bekommen, um die Entwicklungen vorantreiben zu können. Das brauchen Start-ups, mittelständische und größere Unternehmen, um Lösungen zu entwickeln. Ein Beispiel für den digitalen Binnenmarkt: Bulgarien hat als Ratspräsidentschaftsvorgänger Österreichs für den freien Fluss von Maschinendaten europaweit erfolgreich einen Rahmen geschaffen, um sie für Forschung und Entwicklung zur Verfügung zu stellen. Das ist ein Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit. Maschinendaten sind zum Beispiel Bewegungsdaten: Wie kann man Ströme von Bewegung messen und daraus wieder Dienstleistungen entwickeln? Hier waren bisher der chinesische und der US-amerikanische Markt Europa voraus, weil sie bereits einheitliche Binnenmärkte sind.

Regulierungen

Die große Hürde bei der Harmonisierung des digitalen Binnenmarktes in Europa liegt darin, ein gutes Mittelmaß zu finden. Es braucht ein gutes Augenmaß um zu entscheiden, was auf europäischer Ebne und was auf Länderebene zu regulieren ist. Man muss bei der Regulierung in Österreich und Europa den Blick auf die mittelständische Unternehmensstruktur lenken. Wenn die großen IT-Unternehmen der USA, zum Beispiel Facebook oder Google, mit Regelwerken getroffen werden sollen, dürfen die mittelständischen Unternehmen nicht auch mitreguliert werden – wie etwa bei der Datenschutzgrundverordnung. Oft muss man Dinge nicht abschaffen, sondern nur anders machen. Bei den Förderungen wirkt viel stärker, die Geschwindigkeit der Abwicklung gegenüber den Unternehmen zu erhöhen, die Verfahren zu vereinfachen und zu Entbürokratisieren als die Erhöhung der Geldsumme an sich. Das gilt auf Länderebene, aber auch auf Ebene der EU.

Digitale Kompetenzen

Im Bereich der Digitalisierung legt die Europäische Kommission einen Schwerpunkt auf die Sektoren der Forschung, Entwicklung und Innovation, denn das bringt Österreich und Europa voran.

Digitalisierungsagentur

Die Bundesregierung hat der Digitalisierung im Regierungsprogramm hohe Priorität eingeräumt und u.a. die Einrichtung einer Digitalisierungsagentur vorgenommen.

Die Digitalisierung ist bereits im Alltages angekommen – wie gearbeitet wird, wie die Freizeit gestaltet wird und in der Art, wie miteinander kommuniziert wird –  und die Dynamik hat in den letzten Jahren enorm zugenommen: Im Gesundheitswesen, in der Beratung, in der privaten Kommunikation wie beispielsweise dem Video-Chat zwischen Familienmitgliedern über Kontinente hinweg. Wichtig ist, dass alle bei diesem Thema mitgenommen werden. Darum wird speziell in Österreich das Thema „Digitale Kompetenzen“ an oberster Stelle stehen. Im internationalen Vergleich liegt Österreich bisher nur im Mittelfeld. Die Entwicklung der Internetnutzung ist hier auch eine Frage der sozialen Inklusion, der Beteiligung am Leben. Hier sollen in Österreich als Vorbild für Europa in allen Bezirken wöchentliche Schulungen angeboten werden, um Basiskenntnisse, vor allem im mobilen Bereich, zu erlangen. Diese digitalen Kompetenzen spielen für alle eine Rolle: Für die Jugendlichen, für jene im Arbeitsprozess und jene, die wieder einsteigen wollen sowie jene, die sich nicht mehr im Arbeitsprozess befinden, aber noch mitten im Leben stehen wollen und durch diese Kompetenzen die Lebensqualität erhöhen können.

KMU digital

Auch die mittelständischen Unternehmen in Österreich – 98 Prozent aller Unternehmen – müssen bei der Digitalisierung noch aufholen, da gibt es viel zu tun. Ein Beispiel: 80 Prozent der Gruppe der rund 40jährigen kaufen im Internet ein, aber nur 25 Prozent der Klein- und Mittelständischen Unternehmen (KMU) Österreichs nutzen das Internet als Vertriebskanal. Da fließt viel Kaufkraft ins Ausland ab, nicht einmal sosehr innerhalb Europas, sondern auf andere Kontinente. Deshalb ist es besonders wichtig, die KMU auf ihrem Weg zu unterstützen. Dazu wurde etwa in Österreich die Digitalisierungsagentur gegründet, die genau dieses Ziel verfolgt: Sie soll mittelständischen Unternehmen helfen, zu vorhandenem Wissen zu gelangen. Das entsprechende Projekt heißt KMU digital und wird mit der Wirtschaftskammer Österreich abgewickelt.

Digitale Zukunft Österreichs © Adobe Stock

Detr Mittelstandsbericht 2016 des BMDW zeigt, dass Österreich in EIS-Ranking den 10. Platz innerhalb der 28 Mitgliedstaaten belegt.

Digitaler Binnenmarkt III – Platform-to-business

Im Rahmen der Errichtung des digitalen Binnenmarktes profitiert Europa besonders durch zwei Projekte, die Österreich in seiner Ratspräsidentschaft abschließen muss: Das (oben bereits erwähnte) Public Sektor Center und die Platform-to-business. Dazu soll eine einheitliche europaweite Regelung geschaffen werden, damit sich mittelständische europäische Unternehmen gegenüber großen Internet-Plattformen behaupten können. Ein Beispiel: Es gibt drei dominante Plattformen, über die Urlaubsreisen gebucht werden können. Hier durften die österreichischen Unterkunftsbetriebe nicht mehr mit den Kunden selbst abschließen, sondern waren ausschließlich an die Plattformen über deren Geschäftsbedingungen gebunden. Dagegen hat der Österreichische Nationalrat bereits 2016 eine Gesetzesänderung des UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) und des Preisauszeichnungsgesetzes beschlossen, wird diese Erfahrung im europäischen Prozess einbringen und kann Vorreiter für ganz Europa sein.

Start-ups – der nächste Schritt

Bei den Start-ups muss Europa der nächste Schritt gelingen: In der Startphase sind sowohl die Start-ups selbst als auch die sie begleitenden Business Angels mit den Förderungen zufrieden, die Abwicklung sollte noch einfacher werden. Gleichzeitig stehen mit der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG und mit dem austria wirtschaftsservice (aws) – für Ausfallshaftungen und Risikoabsicherung – gute Instrumente zur Verfügung. Damit ist der erste Schritt gesetzt, dass erfolgreiche Start-ups zu Kapital kommen und damit in Europa bleiben können. Der nächste Schritt muss sein, sie in Österreich zu halten. Und das Geld für die zweite Phase ist der Grund, warum viele abwandern. Österreichische Beispiele sind Runtastic oder im Bankenbereich N26, wobei letztere zumindest in Europa – Berlin – geblieben sind. Wenn diese Unternehmen wachsen und größer werden ist es Aufgabe des Staates, die nächste Runde der Finanzierung in Österreich zu schaffen, damit sie nicht nach San Francisco oder Berlin gehen müssen. Im Vergleich zu Silicon Valley lebt in Europa die Diversität: Es gibt ähnliche Zentren in Berlin und in Barcelona, daneben kann auch Wien ein Zentrum dieser Art werden. Der Vorteil von Wien ist seine Stellung als Drehkreuz und Knotenpunkt für die Mittel- und osteuropäische Länder (englisch CEE) sowie die Länder des Westbalkans.

Digitalisierung und Frauen

Digitalisierung und Landflucht: Wenn Frauen hochwertige Ausbildungen machen und am Land keine Arbeit finden, bleiben sie in der Stadt, junge Männer folgen. Durch die Digitalisierung können auch am Land Arbeitsplätze geschaffen werden und damit Menschen in den Regionen zurückkehren, deshalb ist der Breitband-Ausbau für den ländlichen Raum enorm wichtig.
Es braucht mehr Frauen in den IT-Jobs und in den MINT-Fächer: Sowohl in den akademischen Ausbildungen als auch in den technischen Lehrberufen finden sich kaum Frauen. Nur ein Drittel aller Lehrberufe werden von Frauen gewählt und 44 Prozent davon ergreifen nur drei Berufe: Friseurin, Handel und Büro. Die neuen Lehrberufe werden stärker softwarelastig, weniger hardwarelastig, dann sollten sich auch mehr junge Frauen dafür begeistern lassen.
In Deutschland machen 25 Prozent nach der Matura eine Lehre und die Unternehmer reißen sich um diese Leute. Gleichzeitig würde auch die Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern weiter geschlossen werden können.
In Österreich wurde ein Projekt entwickelt, in dem fünf Millionen Euro für Programme zur Verfügung stehen, die den Einstig von Frauen in atypische Lehrberufe fördern – das sind jene Lehrberufe, in denen der Frauenanteil heute kleiner als 25 Prozent ist.

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