Was das Corona-Virus für Märkte und Wirtschaft bedeutet

Tourismus- und Luftfahrtunternehmen unter Druck

Was das Corona-Virus für Märkte und Wirtschaft bedeutet

Frankfurt. Chinesischen Gesundheitsbehörden zufolge hat die grippeähnliche Krankheit bisher neun Menschenleben gefordert, 440 sind infiziert. Der Ausbruch weckt Erinnerungen an das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS), das ebenfalls in China seinen Ursprung hatte und an dem 2002/03 weltweit fast 800 Menschen starben.

Könnte die Weltwirtschaft unter einer Pandemie leiden?

Die Ökonomen Victoria Fan, Dean Jamison und Lawrence Summers haben 2017 untersucht, wie hoch der erwartete jährliche Verlust durch das Risiko einer Pandemie - einer länder- wie kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit - weltweit sein dürfte. Sie kommen auf etwa 500 Milliarden Dollar (450 Mrd. Euro). Das hört sich nach sehr viel an, entspricht aber weniger als einem Prozent der globalen Einkünfte. Eine Untersuchung der Commission on a Global Health Risk Framework for the Future schätzt, dass pandemische Krankheitsfälle die Weltwirtschaft im 21. Jahrhundert über sechs Billionen Dollar kosten würden - mehr als 60 Milliarden Dollar pro Jahr.

Was sind die Folgen für die Börsen?

Die Auswirkungen auf die Aktienmärkte scheinen begrenzt zu sein. Nachdem die chinesischen Behörden den Ausbruch von SARS im Jahr 2003 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet hatten, entwickelte sich der Aktienindex MSCI für China schlechter als in anderen Länder, machte den Rückstand aber in nur sechs Monaten wieder wett.

Wieviel kostete SARS?

Die Experten Jong-Wha Lee und Warwick McKibbin haben das untersucht. Sie schätzen den weltweiten wirtschaftlichen Verlust auf 40 Milliarden Dollar im Jahr 2003. Der Luftfahrtverband International Air Transport Association (IATA) schätzte 2006, dass das weltweite Bruttoinlandsprodukt durch den Ausbruch von SARS um 0,1 Prozent gedrückt wurde. "Was den Menschen bei SARS Angst machte, war die Sterblichkeitsrate", sagt der Chefökonom von ING Asia Pacific, Robert Carnell. "Die Menschen nahmen keine öffentlichen Verkehrsmittel, blieben der Arbeit fern, mieden Geschäften, Restaurants, Kinos, Konferenzen."

Gibt es auch Gewinner?

Die Aktien von Tourismusunternehmen - von Hotels über Fluggesellschaften bis hin zu Luxus- und Konsumgüterherstellern - geraten bei Pandemien tendenziell unter Druck. Während des SARS-Ausbruchs gingen die Umsätze im chinesischen Einzelhandel deutlich zurück, da den Verbrauchern die Lust am Shoppen vergangen war. Virusausbrüche haben in der Vergangenheit tendenziell den Aktien von Pharmakonzernen auf die Sprünge geholfen. "Falls das Virus nicht eingedämmt werden kann, muss sich der Markt über die daraus entstehenden Abwärtsrisiken für die chinesische Wirtschaft sorgen", heißt es in einer Analyse der Commerzbank.

Wie steht es um die Deutsche Wirtschaft?

Insbesondere die exportabhängige Industrie ist auf einen reibungslosen Warenaustausch angewiesen. Zudem ist China ihr wichtigster Handelspartner. "Vergangene Pandemien zeigen zwar, dass sie sich durchaus auf den Welthandel vorübergehend auswirken können", sagt ein Sprecher des deutschen Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). "Das größere Risiko sind derzeit jedoch die angeschlagene Weltkonjunktur und die schwelenden Handelskonflikte." Durch die Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr mit Hunderten Millionen von Reisenden und die Globalisierung allgemein stelle die Ausweitung des Corona-Virus zwar definitiv eine gewisse Gefahr dar. "Wir vertrauen auf die Ärzte und Medizin, dass das Virus dennoch in Schach gehalten werden kann", so der BGA.

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